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Jörg Kijanski
Ein Schriftstellerleben – Eros und Tod

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2019

Im März 2019 erschien bei Pendragon „Das endlose Leben“ von Andreas Kollender, was in zweierlei Hinsicht eine Überraschung darstellt. Die letzten Bücher des Autors orientierten sich an realen Figuren; Fritz Kolbe, während des Zweiten Weltkriegs Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und später als Widerstandskämpfer anerkannt, sowie Ludwig Meyer, der einst das Psychiatriewesen reformierte („Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“ – beide bei Pendragon erschienen). „Das endlose Leben“ widmet sich hingegen dem Leben des fiktiven Schriftstellers Theo Mannlicher, der als Elfjähriger beschloss, nicht zu sterben. Die zweite, leider negative Überraschung ist, dass es sich bei dem Roman um eine „überarbeitete Neuausgabe“ handelt. Das Original erschien bereits 2001 bei dtv unter dem Titel „Der Todfeind“, was man gerne dem vermeintlichen Käufer auf dem Buchrücken hätte mitteilen können. Sozusagen als Vorwarnung. Nun ja.

Theo Mannlicher steht kurz vor seinem hundertsten Geburtstag (1999) und blickt auf sein Leben und damit auf das 20. Jahrhundert zurück. Aufgewachsen in Hamburg muss er im Alter von elf Jahren den Tod des Vaters verkraften, der - wie schon sein Großvater - Selbstmord beging. Die Familie, bestehend aus der Großmutter, Mutter Elsa, Schwester Silvia sowie Onkel Paul und Tante Agnes, zieht es daraufhin nach Amerika, wo sie sich in Riverside an der gegenüberliegenden Seite von New York am Hudson niederlassen. Schon zu Lebzeiten des Vaters hatte die Mutter ein Verhältnis mit dem Onkel, was nicht selten für Komplikationen sorgt.

„Wie viele Menschen sind wohl schon in diesem Meer ertrunken, was meinst du?“

„Liebst du mich?“

„Ich denke, es ist ziemlich einfach, auf der Titanic in die Bar zu gehen und zu saufen. Man muss viel saufen, dann ist es wahrscheinlich nicht so schlimm bis zur Bewusstlosigkeit.“

„Theo, du kannst mich mal.“

In Riverside lernen Theo und Silvia die Brüder Bob und William kennen, was für die Schwester amouröse Folgen hat. Theo weiß mit dem weiblichen Geschlecht zunächst wenig anzufangen, er widmet sich stattdessen dem Schreiben. Lange Zeit erfolglos, doch dies ändert sich mit dem Ersten Weltkrieg, den er als Hilfssanitäter an der italienischen Alpenfront erlebt. Er wird verletzt und verliebt sich im Hospital in die Krankenschwester Maria, die er kurz darauf heiraten wird. In dieser Zeit erlebt er den Tod hautnah, denn ein enger Freund wurde derart verletzt, dass ihn nur noch Maschinen am Leben erhalten. Für Theo der erste Schritt zum schriftstellerischen Erfolg, seine Bücher handeln vom Sterben in all seinen Facetten.

„Sie sind nicht gerade das, was man einen militärischen Typen nennt, Mannlicher.“

„Will ich auch nicht sein.“

„Aber in den Krieg wollen Sie. Was machen Sie eigentlich beruflich?“

„Ich bin Schriftsteller.“

„Oh Gott.“

„Gott meiner Bücher, ja.“

Theos weiteres Leben führt ihn in den Spanischen Bürgerkrieg, im Zweiten Weltkrieg unter anderem nach China, wo er den Krieg gegen Japan hautnah erlebt. Während wichtige Bezugspersonen im Laufe der Jahrzehnte sterben, lebt Theo einfach weiter. Man könnte auch sagen, er hat sie alle überlebt. Nun, 1999, lebt er auf Bali und blickt zurück, nur ein alter Chinese, der ihm als Diener und Gesprächspartner dient, ist noch bei ihm. Stunden vor seinem hundertsten Geburtstag verschwindet Theo für immer.

Ein intellektueller Anti-Kriegsroman?

Andreas Kollender lässt seine Figur zurückblicken, die Zeit ihres ereignisreichen Lebens (zu) viel erlebt hat. Immer wieder den Tod in all seinen grausamen Facetten, aber auch auf ebensolche Weise die Liebe – oder zumindest die Sexualität. Eros und Tod sind die herausragenden Themen sowie Einblicke in das Leben eines besessenen Schriftstellers. Reichlicher Tabak- und Alkoholgenuss, Exzess trifft es oft besser, und die Lektüre zahlreicher Philosophen beschäftigt den Protagonisten. Konfuzius, Laotse, Tschuang-Tse und immer wieder Epikur. Dazu die Beschäftigung mit Elias Canetti, der ebenfalls fast das gesamte 20. Jahrhundert durchlebte, und Ernest Hemingway, der – wie Theo selbst – zu den großen Weltkriegen als Beobachter reiste. Theos Gedankengänge werden oftmals als künftige Romantexte in die Handlung eingebaut, die zwischen den Zeiten mitunter irritierend hin und her springt.

„Eigentlich“, sagte Hemingway und sah Theo an, „treffen wir uns immer nur im Krieg. Erst war es der Weltkrieg, dann Spanien. Ich glaub, es ist jetzt das erste Mal, dass wir uns sehen, ohne dass uns die Kugeln um die Ohren fliegen. Eine etwas seltsame Freundschaft.“

Fazit:

Wer sich auf diese teils intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Tod und der Abgründigkeit des Krieges beschäftigen möchte, findet hier reichlich Lesefutter, welches über die eigentliche Lektüre hinauswirkt. Auch findet man reichlich Anreize, bei einigen Philosophen nachzulesen und bekannte (Anti)Kriegsfilme erneut anzuschauen.

Das endlose Leben

Das endlose Leben

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