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Jörg Kijanski
Flüchtlinge um 1700 – Erinnerung an eine fast vergessene Kirche

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2019

Die Waldenser sind eine protestantische Kirche, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts der Reformation nach Calvin angeschlossen hat. Der Roman „Waldenserblut“ von Ulrich Maier, erschienen im Silberburg-Verlag, spielt „um 1700“. Der große Führer, Pfarrer und Feldherr Henri Arnaud hat seine Gefolgschaft, die sich seit etlichen Jahren auf der Flucht vor den Franzosen befindet, nach Württemberg geführt, wo ihnen der Herzog von Savoyen ein Gebiet nahe der Grenze zur Kurpfalz zur Verfügung gestellt hat. Arnaud selbst ist derweil dem Ruf des Herzogs gefolgt, eine neue Auseinandersetzung mit den Franzosen steht an. Indessen versuchen die überwiegend aus Mentoulles und Ussaeux stammenden Lager in der Fremde Fuß zu fassen, was nicht leicht fällt, zumal sie sich schon untereinander nicht gut verstehen. Die Ablehnung der einheimischen Bevölkerung ist den „Welschen“ ohnehin gewiss.

„Der Herzog hat ihnen unser Land geschenkt, Abgaben müssen sie auch nicht leisten! Dafür werden wir zum Frondienst eingeteilt, um ihnen das Ackern und den Weinbau beizubringen, was sie gar nicht wollen, denn sie leben ja von Spenden, die sie irgendwoher bekommen. Ihr Vieh treiben sie zur Weide in unsere Wälder. Und als ob das nicht schon genug wäre: Ihre Steuern müssen wir auch dem Herzog bezahlen.“

In dieser politisch, gesellschaftlich und nicht zuletzt religiös aufgeheizten Stimmung macht sich der junge Pfarrvikar Daniel Pastre im Auftrag des Pfarrers Jean Dumas aus der Waldensergemeinde Villars auf den Weg, um in Nordhausen einen Skandal aufzudecken. Pfarrer Guémar soll dort nämlich Spendengelder aus den Niederlanden veruntreut haben. Guémar wiederum behauptet, er wurde wiederholt bestohlen. Schon bald bekommt Pastre die auf gegenseitiger Abneigung beruhende Feindschaft zwischen dem Pfarrer und den Bewohnern seiner Kolonie zu spüren. Zudem soll Pastre die Herkunft der beiden Geschwister Ester und Pierre aufklären. Ester arbeitet im Haushalt von Guémar, während Pierre der Gehilfe von Samuel Giraud ist. Dieser, von allen nur der „Hexer von Schluchtern“ genannt, lebt zurückgezogen im Heuchelbergwald in der Kurpfalz, da er wegen Schwarzer Magie und eines Giftmordes in Württemberg zur Fahndung ausgeschrieben ist. Sein Opfer soll ausgerechnet David, der jüngste Sohn von Arnaud sein…

Informativer und unterhaltsamer Mix aus Religion, Politik und Familientragödie

Ulrich Maier versteht es gekonnt, einen tiefen Einblick in die Geschichte der Waldenser zu geben, die gleichzeitig auch ein Stück Geschichte von Württemberg beinhaltet, denn nicht zuletzt waren es die Waldenser, die die Kartoffel hier bekannt machten. Wenngleich die Geschichte um den zwiespältigen Pfarrer Guémar, den vermeintlichen Hexer Giraud und nicht zuletzt das Schicksal der beiden Kinder Ester und Pierre insgesamt recht angenehm und verständlich zu lesen ist, so ist gerade der Einstieg gewöhnungsbedürftig. Es folgt verständlicherweise zunächst ein Überblick über die Ausgangssituation, die recht detailliert daher kommt. So arbeitet Daniel Pastre für die Waldensergemeinde Villars bei Knittlingen, wird später mal als Pfarrvikar aus Villars, an anderer Stelle „aus Knittlingen“ erwähnt. Auch zahlreiche weitere Ortsangaben dürften alle Leser, die nicht aus Baden-Württemberg stammen, verwirren, da es sich um überwiegend unbekannte „Dörfer“ handelt (von Städten wie Heilbronn, Heidelberg und Frankfurt einmal abgesehen). Ist der Einstieg geschafft, wird man umgehend entschädigt, denn die offenen Fragen vermögen zu fesseln.

„Das Horoskop ist für den heutigen Tag berechnet. Wassermann und Steinbock beherrschen den Kreis. Ersteres deutet auf Schweden, beiderseits der Ostsee, und Letzteres auf den Kaiser in Wien, der sein Heer über die Alpen gen Westen führen wird. Seht hier den Krebs. Das sind die Franzosen, die immer wieder über den Rhein ins Reich einfallen und sich wieder zurückziehen. Und hier der Stier, der steht für August den Starken, Kurfürst in Sachsen und König in Polen. Betrachtet man das Ganze in Bezug auf Jupiter, Mond und Sonne, kann man noch keine eindeutigen Schlüsse ziehen.“

Dabei punktet vor allem die letztlich die den Plot tragende Geschichte von Ester und Pierre; Letzterer ist der eigentliche Held der Geschichte. Auf ihrer Flucht über einen Gebirgspass werden die Kinder von Mutter und Großvater getrennt. Pierre ist es schließlich, der endlich Gewissheit haben will und sich auf eine beschwerliche Wanderschaft mit allerlei Abenteuern begibt – mit dreizehn Jahren. Zuvor kann er dem „Hexer“, seinem Meister, noch bei dessen Werken zusehen. Schwarze und Weiße Magie liegen eng beieinander während die Bevölkerung im Aberglauben verharrt.

Fazit:

Wer einen vielschichtigen Blick in das Leben zu Beginn des 18. Jahrhunderts werfen möchte, der sollte hier zugreifen. Intensiv kann man Geschichte „live“ erleben. Außerdem erhält man viele Informationen über eine weitgehend in Vergessenheit geratene Religion. Hinzu kommt der aktuelle Aspekt der Themen „Flucht und Vertreibung“ und – selbstredend – gibt es die obligatorische Liebesgeschichte obendrein. Abschließend sei noch das informative Nachwort sowie der Anhang gelobt, welche zwei Karten über die Waldensergebiete an der französischen Grenze zum Herzogtum Savoyen sowie an der Westgrenze des Herzogtums Württemberg enthalten. Eine gut lesbare Karte mit den in dem Roman vorkommenden Orten der Handlung wäre allerdings - zum besseren Verständnis - ebenfalls wünschenswert gewesen.

Waldenserblut

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