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Jörg Kijanski
Carl Schurz – Der erste deutsche Innenminister Amerikas

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2019

Der Buchtitel verrät, es geht nach Amerika, genauer nach New York in den Battery Park. Hier sitzt 1901 jeden Tag Carl Schurz und beobachtet die Freiheitsstatue. Ob Lady Liberty ihm heute wohl zulächelt? Gelegentlich trifft sich Schurz mit Mark Twain, um bei einem Whisky auf sein Leben zurückzublicken. Auch mit seiner neuen Lebensgefährtin Fanny und seinen Kindern trifft er sich oft. Seine Ehefrau Margarethe hat er bereits seit einem Vierteljahrhundert überlebt. Angefangen hatte jedoch alles während der deutschen Revolution 1848/49…

Schurz ist 1849 bereits bekannt, als Sprecher der Revolutionäre gefürchtet, doch die Revolution neigt sich dem Ende. In Rastatt gelingt ein letzter Rückzug, es folgt die Flucht, da er steckbrieflich gesucht wird. Einmal geht es für Schurz noch zurück nach Deutschland, zum Gefängnis Spandau, wo er mit einer aufsehenerregenden Aktion Professor Kinkel befreien kann, seinen alten Truppenführer. Im Londoner Exil trifft Schurz 1852 auf seine große Liebe, Margarethe Meyer aus Hamburg, die er wenig später heiratet. Beide brechen noch im gleichen Jahr nach Amerika auf, folgen dem Ruf der Freiheit.

„Besorgen Sie sich eine Waffe. Ist besser so, glauben Sie mir.“

„Eine Waffe?“

„Sie sind jetzt in Amerika. Sie haben ja keine Ahnung.“

In Watertown beziehen sie ein Haus, Schurz versucht es zunächst mit Landwirtschaft, macht aber schon bald als Redner auf sich aufmerksam. Während Margarethe den ersten Kindergarten Amerikas gründet, zieht es Schurz in die Politik. 1858 macht er für Abraham Lincoln Wahlkampf, dessen Widersacher Douglas ein Befürworter der Sklaverei ist.

Unter Lincoln wird Schurz später Sonderbotschafter in Madrid, nimmt 1863 am Amerikanischen Bürgerkrieg teil, wo speziell die Ereignisse von Gettysburg seine Einstellung zur Gewalt grundlegend verändern. Unter Präsident Johnson zieht sich Schurz aus der Politik zurück, arbeitet als Journalist und wird später Senator von Missouri und unter Präsident Hayes sogar Innenminister. Er, der deutsche Revolutionär und Einwanderer, soll sich um die Belange der Indianer und die Umwelt kümmern. Vor allem aber reformiert er den öffentlichen Dienst, die dortige Vetternwirtschaft war ihm schon immer ein Dorn im Auge.

Die zweite Hälfte des (amerikanischen) 19. Jahrhunderts großartig erzählt

Andreas Kollender überzeugte zuletzt mit seinen Büchern „Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“, wobei letzteres von Leben und Werk des Ludwig Meyer erzählt, der einst das Psychiatriewesen reformierte. Mit diesem Ludwig Meyer steht auch Carl Schurz über viele Jahre in brieflichen Kontakt. „Libertys Lächeln“ erzählt die Lebensgeschichte von Schurz (1829-1906) auf zwei Ebenen. Die Gegenwart spielt 1901, wo der gealterte Schurz zurückblickt, inzwischen schon leicht vergesslich und dement, aber mitunter noch immer bei klarem Verstand. In der anderen Ebene wird dann sein Leben in Rückblenden wiedergegeben, wobei dieses auch sicher tausend Seiten problemlos gefüllt hätte. Andreas Kollender reichen dreihundert Seiten, um einen packenden Einblick in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Amerika zu geben, welche wahrlich nicht ereignisarm war.

„Die Menschen kaufen Baumwolle und wissen nicht, wie viel Blut daran klebt. Es mangelt an Aufklärung.“

„Dem Kapitalismus ist Aufklärung gleich. Das wird auch so bleiben.“

„Wie heißt Ihr deutscher Philosoph doch gleich? Dieser Kapitalismuskritiker?“

„Marx. Furchtbarer Typ.“

„Immer dumm, wenn furchtbare Typen kluge Sachen sagen.“

Der Traum von Freiheit ist das oberste Gebot der Amerikaner, jeder kann hier was werden. Doch dies gilt bei weitem nicht für alle Menschen, denn die Sklaverei trägt große Früchte. Unter Lincoln kommt es zum Bürgerkrieg, in der bekanntesten Schlacht von Gettysburg (1. bis 3. Juli 1863) gibt es allein über 40.000 Opfer zu beklagen. Schurz, der als Revolutionär gegen die Monarchie den Satz „Manchmal geht es nicht ohne Gewalt“ prägte, erlebt hier einen entscheidenden Wandel. Das hautnah erlebte, brutale Gemetzel geht ihm nahe, zumal er als Generalmajor für dieses mitverantwortlich ist. Immerhin kann er einem jungen Soldaten das Leben retten, der wegen Fahnenflucht gehängt werden soll. Nach dem Krieg ist Schurz bei einer Reise durch die Südstaaten entsetzt, dass der Bürgerkrieg sein großes Ziel, die Beendigung der Sklaverei, nicht ganz erreicht hat. „Nigger“ ist immer noch ein gängiges Wort, 1865 gründet sich der Ku-Klux-Klan.

Fazit:

Wer sich für die ereignisreiche Geschichte Amerikas im 19. Jahrhundert, aber auch für Werte von Freiheit und Gerechtigkeit als Kontrapunkte zum Imperialismus interessiert, sollte sich auf diesen spannenden und kurzweiligen Roman von Andreas Kollender einlassen. Nach Fritz Kolbe und Ludwig Meyer ein weiteres literarisches Denkmal für eine (deutsche) Persönlichkeit, die diese Anerkennung verdient.

Libertys Lächeln

Libertys Lächeln

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