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Jörg Kijanski
Zeithistorischer Thriller beleuchtet den ungarischen Volksaufstand

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2019

Nach Kriegsende arbeiten Ephraim Rosenberg und Dan Vanuzzi für den Schai, den israelischen Nachrichtendienst, Vorgänger des Mossad. Beide vermissen den ehemaligen Kommissar Andreas Eckert, mit dem sie nach Kriegsende in Südtirol die Operation Rattenlinien durchführten, um flüchtige SS-Schergen aufzuspüren. Als sie den wahren Grund der Aktion erkannten, wendete sich das Blatt und Eckart geriet in amerikanische Gefangenschaft. Nun verdichten sich die Hinweise, dass er dort in einer militärischen Psychiatrieanstalt untergebracht wurde, um ihn dort zu foltern und sein Gedächtnis zu zerstören. In einer spektakulären Aktion gelingt es Eckart zu befreien, wobei sie erneut auf die Hilfe von Liam Ciskey zurückgreifen können, der Eckart einst in den 30er Jahren zur Flucht vor den Nazis in die USA verhalf.

1953 kehrt Eckart nach Deutschland zurück und muss sich von den Misshandlungen erholen. Drei Jahre später erhält er überraschend Besuch von Vanuzzi, der seine Hilfe bei einer Aktion in Ungarn benötigt. Ein geheimnisvolles Dossier soll eine Liste mit Agenten und Doppelagenten enthalten, aber Eckart will seine Ruhe, nicht nach Budapest, wo es bedingt durch erste Aufstände unruhig wird. Doch Vanuzzi hat einen Trumpf in der Hand, denn er hat vorab einen Auszug aus dem Dossier enthalten, in dem die Namen Aghawni und Sarkis auftauchen. Aghawni, eine armenische Terroristin, hatte Eckart Anfang der 1920er Jahre während der Aktion Nemesis kennen und lieben gelernt. Als sie ihn verließ, teilte sie ihm in einem Abschiedsbrief mit, dass er einen Sohn habe. Dieser heißt Sarkis und spielt eine wichtige Rolle im Aufstand der ungarischen Bevölkerung. Eckart will seinen ihm unbekannten Sohn kennenlernen und verfängt sich dabei in privaten wie politischen Abgründen…

Der Volksaufstand von 1956 ist noch heute ein Thema in Ungarn

Martin von Arndt gelingt es hervorragend, seine Geschichte um den inzwischen über 70 Jahre alten Eckart fortzuführen. Gekonnt lässt er die Ereignisse der beiden Vorgänger („Tage der Nemesis“ spielt 1921, „Rattenlinien“ 1946) einfließen, so dass man diese nicht unbedingt gelesen haben muss. Ging es im ersten Roman noch um den Völkermord an den Armeniern, so waren Eckart und seine Partner in „Rattenlinien“ auf der Jagd nach deutschen Kriegsverbrechern. Hier lernten sich Eckart und Vanuzzi kennen und es zeigte sich, dass die Beziehung zwischen den beiden nicht unbelastet war. War Eckart eher der kluge Denker und Taktierer, fiel Vanuzzi eher durch Großmäuligkeit und Egoismus auf.

„Das Dossier ist ausführlich. Sehr ausführlich. Ein AVH-Mann der in Moskau Einsicht in KGB-Akten…“

„AVH?“

„Der ungarische Geheimdienst.“

„Ungarischer Geheimdienst? Klingt ein bisschen wie „kasachischer Chocolatier“. Ist das ernst zu nehmen?“

Vor dem Hintergrund des ungarischen Volksaufstandes (23. Oktober bis 10. November 1956) schaffen es die beiden Protagonisten nach Budapest, wo sie bei „Freunden“ unterkommen. Eigentlich ist die Aufgabe einfach: Das Dossier beschaffen, bezahlen und wieder zurück. Doch die Stadt liegt durch die Aufstände in Trümmern, Leichen und Schuttberge bestimmen das Straßenbild, ein Einmarsch der Russen scheint jederzeit möglich und zudem ist auch noch der Inhaber des Dossiers tot.

„Du willst nicht ernsthaft behaupten, dass alle Kommandanten der Aufständischen KGB-Leute sind!“

„Wissen wir’s?“

„Das sind junge Männer, Dan. Ein paar glauben in ihrer Selbstüberschätzung bestimmt, dass es Ungarn mit den Sowjets aufnehmen kann. Die meisten zählen auf den Westen…“

„Keine gute Idee.“

Die politischen Hintergründe sind fein recherchiert, zeigen das Taktieren auf ungarischer und russischer Seite, während die Demonstranten auf Hilfe aus England hoffen. Doch der einzige Mann des MI6 ist Vanuzzi selbst, schließlich steht bei England und Frankreich der Suez auf der Tagesordnung, denn dort gilt es Erdölvorräte zu sichern. Ungarn spielt für Westeuropa keine Rolle und wird so den Russen überlassen, die mit brutaler Gewalt einmarschieren. Einen weiteren unabhängigen Trabantenstaat wie Jugoslawien soll es nicht geben, auch als Warnung für andere Länder des Warschauer Paktes. So wird der Einmarsch in Ungarn zur Blaupause für spätere Aktionen, beispielsweise beim „Prager Frühling“ 1968. Und auch die heute, teils noch deutlich vorhandene Zurückhaltung gegenüber der Europäischen Union wird verständlich. Damals hofften die Ungarn auf westeuropäische Hilfe, sie wurde ihnen verwehrt. Stattdessen tausende Opfer; ein nationales Trauma, das in die Gegenwart ausstrahlt.

Fazit:

Ein spannender zeithistorischer Politthriller, der viel Hintergrundwissen enthält. Dazu reichlich Action und – wie üblich – die Frage, wer steht auf welcher Seite; ist Sarkis der Anführer der Aufständischen oder ein Agent provocateur der Russen? Wer wird den Einmarsch der Russen überleben und wie sich das Verhältnis von Vater und Sohn entwickeln? Ein gelungener Abschluss der Eckart-Trilogie.

Sojus

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