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Karin Speck
Macht, Intrigen und Verrat

Buch-Rezension von Karin Speck Jun 2019

Michael und Stephan sind die Erben des Handelshauses Loytz. Es ist die Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Familie zu Ruhm, Macht und Geld kommt. In Stettin betreibt sie ihren florierenden Handel. Nichts ist wichtiger als dieses Geschäft am Leben zu erhalten. Es steht über allem und ist wichtiger als die Familie. Als dann aber der Patriarch, der alles zusammenhielt, stirbt, zerstreiten sich die Brüder und ein erbarmungsloser Kampf um das Handelsimperium beginnt.  

Denkt man an den Handel mit Geld und wertvollen Waren im 16. Jahrhundert, denkt man vermutlich als erstes an die Familie Fugger aus Augsburg. Sie steht wohl wie keine andere Familie für Macht und Reichtum. Aber es gab auch andere Familien, die große Geschäfte tätigten, die dem Adel und sogar Königshäusern mit Krediten aushalfen. Die Familie Loytz war eines dieser Handelshäuser. Der Autor Axel S. Meyer hat diese Geschichte aufgespürt und glaubhaft erzählt. Er beginnt allerdings zu einer Zeit, wo bereits das Ende der Familie abzusehen war.

Eine Familie am Abgrund

Die Zusammenhänge erläutert er glaubhaft und authentisch. In kurzen Rückblenden erfährt man, wie die Familie seinerzeit zu Reichtum und Ansehen kam. In dem vorliegenden Buch wird erzählt, wie ihr Ende ausgesehen haben könnte.

Die Protagonisten hat Meyer so ausgearbeitet, dass sie nicht nur schwarz-weiß daher kommen. Sie haben ihre Ecken und Kanten. Die Vielzahl der Charaktere sorgt dafür, dass man ein umfangreiches Bild dieser Epoche bekommt. Die Brüder wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, erst im Laufe der Handlung merkt man, wie gleich sie doch sind. Der eine kämpft für sein Imperium und der andere für seine Liebe und seinen Glauben. Beide machen dies aus voller Überzeugung und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Wer von beiden am Ende die Oberhand behält, sei mal dahingestellt, beide geben ihr Bestes und der Autor hat dies glaubwürdig in Szene gesetzt.

Dreiecksgeschichte

Natürlich darf bei so einer Geschichte die Liebe nicht fehlen. Hier ist es Leni, die sich in einen der Brüder verliebt, aber den anderen heiraten muss. Ihr Schicksal ist es, das die Leser berührt. Sie bringt nicht etwa Romantik in die Handlung, sondern den klaren Willen einer Frau, die weiß, was sie will. Leider kann sie nicht immer durchsetzen, was sie wie möchte. Im 16. Jahrhundert fehlten einer Frau dafür einfach die Mittel. Sie hatte zu gehorchen und sich unterzuordnen. Mehr oder weniger ist das auch bei Leni der Fall. Aber sie findet ihren Weg und der Leser darf daran teilhaben.

Kleine Anekdoten sorgen vermutlich für Kopfschütteln, aber gerade diese etwas unglaubwürdigen Geschichten sind es, die sich am Ende als historisch belegt herausstellen. Sie zeugen davon, wie gut hier im Vorfeld recherchiert wurde. In seinem Nachwort klärt der Autor dann Fiktion und Wahrheit.

Fazit:

„Das Handelshaus“ erzählt das Leben einer Familie, die ihren Zusammenhalt verliert. Der Niedergang, der Kampf um Macht, Geld und Liebe entführt den Leser nach Stettin um 1566. Es wird aus dem Leben dieser Epoche erzählt, von Menschen, die alles versuchten, um sich ihr Leben zu sichern. Authentisch, spannend und unterhaltsam.

Das Handelshaus

Das Handelshaus

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