Traum des Lebens

Erschienen: November 2018

Bibliographische Angaben

Aus dem Englischen von Martin Ruf
Originaltitel: Heads You Win
Originalverlag: Pan Macmillan
Hardcover mit Schutzumschlag, 704 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

Couch-Wertung:

68
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Alexandra Hopf
Schicksal auf zwei Kontinenten

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Feb 2019

1968 lebt der junge Alexander Karpenko mit seinen Eltern in Leningrad für damalige Verhältnisse ein relativ beschauliches Leben. Er selbst steht kurz davor einen erfolgreichen Schulabschluss zu absolvieren und gilt als Anwärter für das begehrte Lenin- Stipendium. Seine Mutter arbeitet als Köchin in der Offiziersmesse und sein Vater ist Hafenverwalter. Allerdings lehnt sein Vater den Kommunismus ab, er verweigert den Eintritt in die Partei und macht sich im Gegenzug dafür stark eine Gewerkschaft für die Hafenarbeiter zu gründen.

Diese demokratischen Züge werden kritisch von Nachbarn, wie zum Beispiel Alex Freund Wladimir, der ein überzeugter Anhänger des KGB ist, als auch vom KGB selbst verfolgt. Der mysteriöse Unfall im Hafen bei dem der Vater zu Tode kommt, trägt eindeutig die Handschrift des KGB. Und danach verändert sich das Leben von Mutter und Sohn drastisch. Alex erhält entgegen allen Erwartungen kein Stipedium, sondern muss als kleiner Dockarbeiter anfangen und auch Alex Mutter hat von da an ein schweres Los in der Küche. Schweren Herzens fasst Elena den Entschluss, mit ihrem Sohn aus der Sowjetunion zu fliehen. Hilfe bekommt sie dabei von ihrem Bruder Kolja. Er sorgt dafür, dass beide in einer Kiste versteckt mit dem Schiff Leningrad verlassen können. Sie müssen sich nur entscheiden, ob sie in eine Kiste steigen, die auf dem Weg nach England ist oder in die andere die mit dem Schiff Richtung USA fährt. Alex wirft eine Münze welche das Schicksal der beiden entscheiden soll....

Ein Münzwurf- zwei verschiedene Lebenswege

Ab diesem Moment des Romans bedient sich der Autor einer ganz besonderen Begebenheit des Erzählens. Er erzählt die Geschichte nun von Kapitel zu Kapitel wechselnd, zweisträngig weiter. Das heißt zunächst beschreibt er die Tatsache, dass Mutter und Sohn die Kiste Richtung England gewählt haben und wie es den beiden dabei ergeht. Um beim Fortgang der Geschichte etwas Klarheit zu schaffen, wird von nun an anstatt des Namens Alex der junge Hauptprotagonist Sascha genannt. Doch bereits beim nächsten Kapitel springt Archer in der Handlung zurück und beschreibt die Situation, welche sich durch die Wahl der USA Kiste für Alex und Elena ergibt. Dieser beständige Handlungsrücksprung auf den anderen Kontinent wird den Leser von da an durch das gesamte Buch begleiten. Einerseits mal eine ganz besondere Art eine Geschichte zu erzählen, aber unter dem Strich gesehen doch eher verwirrend. Auch die Hilfestellung der Namensabänderung der Hauptperson ist nicht besonders hilfreich. Es kommt doch vor, dass man noch eimal ein paar Seiten zurückblättern muss, um sie nochmal zu vergewissern welche Handlung nun genau zu welcher Geschichte gehört, vor allem, wenn man das Lesen einmal unterbrochen hat. Erschwerend ist auch die Tatsache, dass die Handlungen sich im Verlauf der beschriebenen 30 Jahre in bestimmten Kernpunkten sehr ähneln, zum Beispiel wo arbeitet Elena in welchem Restaurant oder auf welchem Kontinent heiratet Alex welche Frau. In beiden Geschichten legt der junge Karpenko eine steile Karriere vom mittellosen jungen Einwanderer zum erfolgreichen Mann hin. Es wäre einfacher gewesen, hätte der Weg auf dem anderen Kontinent eine deutlich andere Wendung genommen.

Ein Handlungsstrang hätte genügt

Letzendlich wäre es besser gewesen, Jeffrey Archer hätte sich für nur eine Möglichkeit entschieden. Das ständige Zurückspringen in der Handlung und der Wechsel des Kontinents führt häufig zu Verwirrungen und auch zu Überlängen. Man bekommt den Eindruck eines Deja-Vu. Das nimmt dem Roman die Spannung und bringt stellenweise eher Langeweile. Gerade hat man sich in einen Handlungsstrang eingelesen und ist gespannt wie es weitergeht, erfolgt auch schon wieder ein bremsender Cut.

Vor allem Kenner der bekannten Clifton Saga von Archer werden viele bekannte Paralleln finden, die auch dort schon über Gebühr behandelt wurden. So geht es auch hier viel zu ausführlich um die britsche Politik und den damit verbundenen Wahlkampf oder anderseits sehr ausufernd um das Thema Vorstandskarriere im Bankgeschäft.

Auch die strikte Trennung in Gut und Böse bei den beteiligten Personen ist typisch für Archer und so darf auch hier in der Geschichte das weibliche „Biest“ nicht fehlen.

Auch die Konstellation der Hauptprotagonisten ist altbewährt. Junger Mann der eine erfolgreiche, fast schon schnörkellose Karriere absoviert, allein auf sich gestellt mit der verwitweten, stets rechtschaffenen und arbeitsamen Mutter ( Alex/ Elena oder wie in der Clifton Saga Harry/ Maisie)

Amüsant sind die kleinen Querverweise zur Clifton Saga, die der Autor einstreut. So gibt es auch hier eine Barrinton Line und einen Inspektor Warwick, die dem Leser schon bekannt sind.

Unlogisches Ende lässt Leser unbefriedigt zurück

Am Ende lässt sich Archer erneut eine Besonderheit einfallen. Er führt die beiden Handlugsstränge zusammen. Doch diese Tatsache ist unlogisch und sorgt nun vollends für Verwirrung beim Leser.

Das ist sehr schade, denn ein Handlungsstrang alleine hätte ein gute spannende Geschichte abgegeben. Das Einstreuen realer geschichtlicher Begebenheiten machen das Buch interessant. Anschaulich vermittelt der Verfasser einen Eindruck wie sich der Wandel in der kommunisten Sowjetunion vollzogen hat. In dem für ihn typischen klaren Schreibstil lässt sich das Buch, von den Handlungswechseln abgesehen, flüssig lesen.

Das 700 Seiten umfassende Werk ist als Hardcover bei Heyne erschienen. Der Verlag hat mit der beindruckenden Covergestaltung ein optisch anziehendes Buch geschaffen, das die zweigespaltene Handlung optimal wiederspiegelt. So zeigt sich am unteren Buchrand das typische Bild Londons mit dem Wahrzeichen des Big Ben und dem gegenüber das Bild der Metropole der  Skyline New Yorks.

Fazit:

Ein typisches Werk von Jeffrey Archer , das aber leider durch die „Spaltung“ etwas an Qualität verliert.

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