Die goldene Stadt

Erschienen: August 2017

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2017, Titel: 'Die goldene Stadt', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Auf der Suche nach einem alten Traum

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2019

El Dorado – Traum eines jeden Forschers, der sich mit Südamerika beschäftigt, und so auch Traum von Rudolph August Berns, der 1842 in Uerdingen geboren wird. Schon früh träumt er davon, einmal etwas Bedeutendes zu entdecken, und zufällig bekommt er ein Buch über Südamerika in die Hände, wodurch er fortan gefesselt ist. Von seinem Vater auf das gehasste Französische Gymnasium geschickt, verfolgt er in der Tageszeitung das wissenschaftliche Geschehen.

Mittlerweile nach Berlin gezogen, verläuft das Leben inzwischen schneller. Durch ein Versehen lernt er den berühmten Forscher Alexander von Humboldt kennen, den er als Kind einst angeschrieben hatte, aber keine Antwort bekam. Auch der grosse Humboldt wusste keine Antwort auf die Frage nach El Dorado. Als Rudolph zum Militär geschickt werden soll, fährt er zwar nach Bremerhaven, wo er eingesetzt werden soll, besteigt aber ein Schiff nach Amerika, wo er seinen Traum von der Entdeckung El Dorados wahrmachen will.

Wochen später kommt er in Lima an und muss zunächst Geld verdienen, damit er sich Gerätschaften und Träger für eine Dschungelexpedition leisten kann. Er gewinnt falsche und richtige Freunde und dringt immer weiter in den Regenwald der Anden fort, als er eines Tages einen Ort entdeckt, der hoch oben auf einem Felsplateau liegt und den er für El Dorado hält, aus dem alles Gold von den Nachfahren der Inka fortgeschafft wurden. Die Wissenschaft wird diesem Ort den Namen Macchu Picchu geben.

Von der Entdeckung Macchu Picchus

Es ist ein bewegtes Leben, das die Autorin Sabrina Janesch dem Leser präsentiert. Ganz in der Art von Abenteuerromanen, die an Jules Verne erinnern, erzählt sie die Lebensgeschichte von Augusto Berns, wie er sich später nannte. Zusammengesucht aus den wenigen Quellen und eigenen Recherchen erzählt sie eine Geschichte, die unglaublich anmuten mag, die aber glaubhaft herüberkommt und den Leser in eine völlig unbekannte Welt entführt.

Peru ist das Ziel, die Welt der alten Inkas. Janesch beschreibt Berns‘ Leben von Kindheit an, so dass man seine Entwicklung und seine Faszination für Peru und El Dorado minutiös mitverfolgen kann. Das wird auch nicht langweilig, da er immer sein Ziel vor Augen hat und dafür viel riskiert. Seine Träume sind für ihn Realität, was immer wieder deutlich wird, und er muss nur unterscheiden, was Traum und was Realität ist. Doch er hat lässt sich nicht so leicht entmutigen und schafft es 1867 an den Ort seiner Träume, auch wenn nicht sicher ist, ob das El Dorado ist.

Intensive Beschreibungen

Doch hiermit ist das Buch noch lange nicht zu Ende. Janesch beschreibt weiterhin Berns‘ Arbeit am Panamakanal, wo er Geld verdient für eine erneute Expedition. Der Schatz soll schließlich geborgen werden, dafür wird Geld benötigt, und mit einer gut geplanten Aktion will auf einmal halb Südamerika an seiner Entdeckung teilhaben. Geschickt wickelt die Autorin hier die Leser um den Finger und enthüllt am Ende eine der größten Betrugsfälle Perus.

Obwohl die Entdeckung Macchu Picchus der Höhepunkt des Romans ist, für den sich die Autorin den nötigen Raum lässt, schafft sie es zudem, auch danach die Spannung hochzuhalten. Überhaupt ist von der Dramaturgie her keine Schwäche im Roman zu erkennen. Ihre Beschreibungen von Landschaft und den Strapazen im Dschungel nehmen den Leser durchaus mit, beinahe mag man selber hinter der nächsten Nebelschwade den nächsten Felsen entdecken, der vielleicht das große Geheimnis birgt. Man merkt, dass die Autorin vor Ort war.

Spannend und schelmisch

Auch tauchen Nachfahren der Inka auf, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so erscheinen mögen. Mit viel Respekt beschreibt Janesch die Menschen und ihre Traditionen vor Ort und gibt dem Leser somit das Gefühl, selber ein Geheimnis zu entdecken. Alle anderen Figuren, vor allem den amerikanischen Abenteurer Singer, haucht sie ein buntes Leben ein. Niemand ist perfekt, aber man muss immer aufpassen, wem man den Rücken zudreht. Gerade Singer ist ihm Partner und Freund und der einzige, mit dem er Macchu Picchu erreicht. Was machen mit dem Reichtum, der gar nicht da ist? Ein kleine goldenes Figürchen, das von einstiger Größe des Plateaus zeugt, finden sie und nehmen es mit, als Beweis für die Welt, daraus lässt sich doch eine schöne Geschichte machen, auch wenn man selber nicht weiß, ob sie wahr ist.

Das Lebensende von Berns ist unbekannt, allerdings ersinnt Janesch eine Version, die nicht überrascht und die ins Gesamtbild des Romans passt. Empfehlenswert ist das Nachwort der Autorin, in dem sie noch einmal bekräftigt, dass Berns wirklich gelebt hat. Der aufklappbare Buchumschlag zeigt eine Karte des Dschungels. Ob der Mann auf dem Cover Augusto Berns ist? Er weiß das schon so genau…

Fazit:

„Die goldene Stadt“ ist nicht etwas Prag, sondern El Dorado, oder hätte es sein sollen, denn statt eben die sagenumwobene goldene Stadt zu entdecken, fand Augusto Berns die Inka-Stadt Macchu Picchu und sein eigenes bescheidenes Plätzchen in den Geschichtsbüchern. Der Roman besticht durch intensive Reisebeschreibungen und Ortskenntnissen. Die Autorin schafft es, spannend zu erzählen und den Leser bei Laune zu halten. Prominente Gastauftritte von Alexander von Humboldt und Ferdinand de Lesseps ergänzen einen gelungenen Roman, der jedem Geschichtsfreund ans Herz gelegt sein soll, zumal er ein Sujet beschreibt, das selten bis nie in einem Roman verewigt wird. Wer braucht den hundertsten England-Roman, wenn er einmal durch die Anden wandern kann? Lesenswert.

Die goldene Stadt

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