Alchimie einer Mordnacht

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2017, Titel: 'Wolf on a String', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Tödliche Ränkespiele am Hofe von Rudolf II.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2019

Prag, Jahreswechsel 1599/1600. Christian Stern, unehelicher Sohn des unlängst verstorbenen Fürstbischofs von Regensburg, ist in Prag angekommen, um dort am Hof von Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Ungarn und Böhmen, Karriere zu machen. Bereits nach seiner ersten Nacht landet Stern jedoch im Kerker, nachdem er die Leiche der sechzehnjährigen Magdalena entdeckte. Der Tochter des kaiserlichen Leibarztes Dr. Kroll wurde die Kehle durchschnitten und Stern voreilig von Wenzel, Hofmeister seiner Majestät, als ihr vermeintlicher Mörder eingesperrt. Hiervon erfährt der Kammerherr Lang, der Stern aus seiner heiklen Lage befreit, zumal dieser von Rudolf II. bereits sehnsüchtig erwartet wird. Im Traum hatte ihm ein Geist die Ankunft eines Sterns aus dem Westen angekündigt und nun steht dieser lebend vor ihm. Rudolf II. hat auch sogleich einen Auftrag für den jungen Gelehrten, er soll den Mord an Magdalena aufklären. Wenig später erfährt Stern, dass das Mädchen die neue Geliebte des Kaisers war, aber wie soll er eigentlich einen Mord aufklären? Stern hat Naturphilosophie studiert und von der Aufklärung eines Verbrechens keine Ahnung. Zudem verliert er sich bald heillos in den Fängen der kaiserlichen Konkubine Caterina Sardo, mit der er eine leidenschaftliche Affäre hat. Auch die zahllosen Ränkespiele hinter dem Rücken des Kaisers gehen alles andere als spurlos an Stern vorüber. Dann geschieht ein zweiter Mord …

Sprachlich anspruchsvoller Stimmungsbild

Alchimie einer Mordnacht von Benjamin Black, ein Pseudonym des bekannten und international vielfach ausgezeichneten irischen Autoren John Banville, spielt von Dezember 1599 bis Januar 1600 und fängt die Stadt Prag sowie das Leben am Hof von Kaiser Rudolf II. farbenprächtig ein. Stimmungsvoll und ausschweifend erzählt Christian Stern über sein Abenteuer im Dienst seiner Majestät, wobei er einigen zwielichtigen Charakteren über den Weg läuft. Allen voran die sich in gegenseitiger Abneigung gegenüberstehenden Hofmeister Wenzel und Kammerherr Lang. Bald wird klar, dass sich Stern entscheiden muss, auf welcher der beiden Seiten er selber steht. Sind womöglich die beiden mächtigsten Männer des Hofstaates in den aufzuklärenden Mordfall verwickelt? Und hätte die Konkubine des Kaisers, Sterns neue Geliebte, nicht einen triftigen Grund, die deutlich jüngere Nebenbuhlerin aus dem Weg zu räumen? Oder war es der gehörnte Verlobte Magdalenas, von dem seit ihrem Tod jede Spur fehlt?

Geringer Spannungsbogen für einen Kriminalroman

Für einen „Historischen Kriminalroman“ ist Alchimie einer Mordnacht überraschend spannungsarm, da es dem Autor mehr um die (vergiftete) Atmosphäre am Hofe geht. So gibt es etliche (historische) Figuren, die für illustre Unterhaltung sorgen. Das Duell zwischen dem berühmten Astronomen Tycho Brahe und seinem Konkurrenten Johannes Kepler sei ebenso erwähnt wie das Mitwirken der bekannten englischen Magier und Alchimisten John Dee und Edward Kelley. Christian Stern begegnet noch weiteren interessanten Figuren, die alle umfassend vorgestellt werden. So kann man sich in das damalige Leben hineinversetzen, ebenso wie in die damalige Geisteswelt, die von Naturphilosophie, Astrologie, Astronomie und Hexenmeisterei sowie dem Streit zwischen den beiden großen christlichen Religionen geprägt war.

„Sagt mir, Stern, auf welcher Seite steht Ihr?“

„Ich habe keine Ahnung, was für Seiten es gibt.“

„Ach, kommt, Mann! Ihr wisst doch, es gibt Rom und es gibt uns.“

„Uns?“

„Die Partei der Reform und der Stabilität.“

„Die Protestanten, meint Ihr?“

Da kann der eigentliche Kriminalfall schon mal in den Hintergrund gedrängt werden, zumal – wie erwähnt – der Ich-Erzähler keinerlei Erfahrung diesbezüglich hat. So recherchiert er erst gar nicht, sondern führt lange Gespräche, in denen man nur gelegentlich auf die Todesfälle zu sprechen kommt. So überrascht es nicht, dass die Umstände der Todesfälle von Magdalena und ihrem Verlobten später von einer anderen Person aufgeklärt werden. Zumindest ist dies glaubwürdig dargestellt, wenngleich der Plot mangels Ermittlungen für reine Krimifans zu viele Längen und zu wenig Spannung (im kriminalistischen Sinne) haben dürfte.

„Ich bin Naturphilosoph. Gott ist in allen Dingen.“

„In allen Dingen, ja? In dem Krebsgeschwür, das meinen Vater mit dreißig umbrachte? In dem Eisenklumpen, den dieser Tölpel gerade aus dem Schlamm gezogen hat? In dem Messer, das Magdalena Krolls jungen Hals durchschnitten hat? Sind meine Fürze ein göttlicher Hauch? Der Gott von allen Dingen ist der Gott von keinen Dingen.“

„Ich hätte Euch nicht für einen Theologen gehalten, Herr Hofmeister.“

Alchimie einer Mordnacht ist ein sprachlich anspruchsvoller wie lesenswerter Roman, der den Leser an einen von Intrigen getränkten kaiserlichen Hof führt, dessen Herrscher sich als nicht ganz zurechnungsfähig erweist. Und selbst der Protagonist blickt lange Zeit nicht durch, wer die Fäden seiner eigenen Marionette in den Händen hält.

Alchimie einer Mordnacht

Alchimie einer Mordnacht

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Letzte Kommentare:
25.11.2018 18:17:47
Batyr

Sorry, Benjamin Black: die ‘Alchimie einer Mordnacht‘ als Kriminalroman zu bezeichnen, halte ich für einen Etikettenschwindel!
Gewiss, zwei Leichen verzeichnet gleich der Beginn des Handlungsverlaufs; zugegeben, allerlei Ränke werden geschmiedet; ja, wer auf der Seite der Guten, der Bösen, wird dem Leser nicht immer gleich deutlich.
Doch insgesamt gesehen ist die Stimmung so behaglich und beschaulich, wie sie ein historischer Roman nur zu schaffen vermag. Das liegt in erster Linie am Ehrgeiz des Autors, die Epoche vor dem Dreißigjährigen Krieg vor den Augen des Lesers so recht lebendig werden zu lassen. Insbesondere die Figur des Kaisers vermittelt ein prägnantes Bild von Müdigkeit und Weltabgewandtheit, so versponnen, wie er in seine Spekulationen und Träume ist. Dazu kommt der Schauplatz der Stadt Prag, dessen Zauber selbst der heutige Besucher sich kaum zu erwehren vermag.
Behaglich und beschaulich
Ein In der Literatur häufig verwendetes Konstruktionsprinzip tut ein Übriges, echte Spannung nicht wirklich entstehen zu lassen: wenn der Erzähler aus der Perspektive eines alten Mannes von den Ereignissen der Vergangenheit berichtet, liegt es auf der Hand, dass alle Abenteuer für IHN glimpflich abgelaufen sind, der Leser also seine Lektüre in entspannter Atmosphäre genießen kann.
Mein Urteil: 3 Sterne