Die verlorenen Töchter

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2018, Titel: 'Die verlorenen Töchter', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Das Schicksal eines Deutschenflittchens

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2019

Åse ist sich gewiss, sie will mit den Deutschen, die ihre Norwegische Heimat besetzen, nichts zu tun haben. Da tritt Kurt Thalbach in ihr Leben – auf eine ruhige und unaufdringliche Art. Obwohl sich Åse lange dagegen sträubt, verliebt sie sich in den Besatzungssoldaten.

Die beiden Liebenden planen eine gemeinsame Zukunft, sobald der Krieg vorbei ist. Plötzlich wird Kurt an die Ostfront versetzt, Åse verliert jeden Kontakt zu ihm. Sie kann ihm nicht mehr erzählen, dass sie ein Kind erwartet. Kurz nach Kriegsende 1945 schenkt Åse der kleinen Katrine das Leben. Doch die junge Norwegerin wird von ihrem Kind getrennt und als Deutschenflittchen interniert. Als sie aus dem Straflager entlassen wird, hat sich die Spur von Katrine verloren. Das Kind wurde nach Deutschland gebracht und dort über ein Waisenhaus zur Adoption frei gegeben. Verzweifelt versucht Åse, ihre Tochter und den verlorenen Geliebten zu finden.

Kurts Mutter begegnet der jungen Norwegerin voller Hass, sie eröffnet ihr, wer für die plötzliche Verlegung von Kurt an die Ostfront und damit für dessen Tod verantwortlich war. Ein schwerer Schlag für Åse, die sich indirekt die Schuld gibt. Auch ihre Suche nach der Tochter führt Åse in seine Sackgasse.

Menschlich erzählte Geschichte

Hannelore Hippe versetzt sich gut in ihre Protagonistin hinein und schildert auf eingängige Weise, wie sich die junge Norwegerin nach und nach für den Deutschen öffnet und damit in den Augen ihrer Landsleute zu einer Verräterin wird. Schnörkellos beschreibt die Autorin, wie sich die norwegische Gesellschaft nach dem Krieg gegen die jungen Frauen stellt, die sich mit deutschen Soldaten eingelassen haben und sie ausgrenzen, beschimpfen und quälen.

Dabei steht Åse stellvertretend für die vielen Frauen, die ihr Schicksal teilen und deren Kinder zur Adoption frei gegeben werden. Zwar bleibt Hannelore Hippe sehr an der Oberfläche und man wünschte sich einen noch etwas vertiefteren Einblick ins Leben der „Deutschenflittchen“ im Lager, doch vermittelt die Autorin schon so ein nachdenklich stimmendes Bild von den Verhältnissen, unter denen die betroffenen Frauen leben müssen. Auch wenn von der Autorin kein mahnender Finger erhoben wird, so ist es doch eine leise Anklage.

Unbekannter Erzähler

Åses Geschichte wird in eingängiger Sprache erzählt und lebt von einer dynamischen Entwicklung. Gestört wird dieser Ablauf jedoch durch kurze Einschübe eines «Ich-Erzählers», dessen Identität bis kurz vor Schluss nicht gelüftet wird. Dieser Part ist für den Romanablauf weder Bereicherung noch Erklärung. Vielleicht hätte der Sichtwechsel besser funktioniert als Intro. So aber provoziert der auch optisch abgesetzte Teil eher ein «Überlesen» der kurzen Einschübe, da sie sich lediglich in vagen Andeutungen und bemüht geheimnisvollen Worten niederschlagen. Der Wechsel der Erzählperspektive ist unter diesen Umständen eher Stilbruch, denn Stilmittel.

Tod von Isdal als Lockvogel

Angepriesen wird der Roman «Die verlorenen Töchter» unter anderem mit dem Hinweis auf den Tod einer mysteriösen jungen Frau, die 1970 in Isdal ermordet wurde. Wer sich also bei dieser Geschichte auf ein Krimi-Element gefreut hat, wird schnell enttäuscht. Der Mordfall spielt nur eine untergeordnete Rolle, dient quasi eher als Lockmittel denn als Thema für das Buch. Allerdings hat die Geschichte es an sich gar nicht nötig, unter einem falschen Label angepriesen zu werden. Das Schicksal der jungen Frauen in einem besetzten Land, die in den Besetzern Menschen gesehen haben, bietet genügend Anreiz. Hannelore Hippe hätte zwar noch mehr aus dem Plot herausholen können, doch bietet sie ihrem Publikum ein eindrückliches Leseerlebnis zu einem wenig bekannten Thema. Davon dürfte es ruhig noch mehr geben.

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