Die Tochter des Uhrmachers

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2018, Titel: 'The Clockmaker's Daughter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

83
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Rita Dell'Agnese
Niemand kennt die Wahrheit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2018

Wer ist sie, diese geheimnisvolle schöne Frau, die die Archivarin Elodie Winslow auf einer rund 150-jährigen Sepia-Fotografie entdeckt? Das Interesse der jungen Londonerin ist geweckt. Erst recht, da sie zusammen mit der Fotografie aus dem Jahr 1862 auch die Zeichnung eines wunderschönen Hauses an einer Flussbiegung entdeckt, das ihr bekannt vorkommt. Durch einen Tipp ihrer Freundin kommt Elodie auf den talentierten, aber früh und tragisch verstorbenen Maler aus dem 19. Jahrhundert: Edward Radcliffe. Je eingehender sich Elodie mit Radcliffe beschäftigt, desto näher rückt sie auch der geheimnisvollen Fremden. Die junge Archivarin findet heraus, dass es sich bei der Frau um die Muse des Künstlers handelt, die für den Diebstahl eines wertvollen Schmuckstücks verantwortlich gemacht wurde, in dessen Verlauf die Verlobte des Künstlers erschossen wurde. Fasziniert von der Geschichte wie auch vom Haus, das nun ein Museum ist, versucht Elodie das Geheimnis um das Verschwinden von Birdie, der Tochter des Uhrmachers und Muse des Künstlers zu lösen. Dabei begegnet sie dem Glücksritter Jack Rolands, der den Auftrag hat, das damals verschwundene Schmuckstück zu suchen.

Ein Reigen von Geheimnissen

Die Autorin Kate Morton präsentiert den Leserinnen und Leserin mit ihrem jüngsten Roman Die Tochter des Uhrmachers eine verschlungene Geschichte, die auf mehreren Ebenen spielt und einen ganzen Reigen von Geheimnissen bereithält. Das Publikum muss sich dabei allerdings über die Kapitelüberschriften mit den Jahreszahlen orientieren, fehlt doch ein Personenregister, das es erleichtert hätte, die Charaktere der jeweiligen Epoche zuzuordnen und Licht in die Zusammenhänge zu bringen. Das erst recht, da sich auch immer wieder kleine Nebenschauplätze auftun, die in ihrer Aussagekraft zwar viel Potenzial haben, aber die Geschichte als Ganzes teilweise eher belasten. Die Autorin schneidet zahlreiche Themenbereiche an, verlässt sie jedoch nach verhältnismässig kurzer Zeit wieder und lässt den Leser etwas ratlos mit dem Ergebnis zurück.

Der Hang zur Fantasy

Mit der Figur der Uhrmacher-Tochter hat die Autorin eine Gestalt geschaffen, die sich deutlich vom historischen Hintergrund entfernt und eher im Bereich Fantasy einzuordnen ist. Die einstige Lebenskünstlerin, Meisterdiebin und Muse taucht als Geistwesen wieder auf. Das gibt zwar der Autorin Spielraum, nimmt aber der Atmosphäre der historischen Geschichte zu viel weg. Ähnlich verhält es sich mit der Anlehnung an die Geschichte von Oliver Twist des Autors Charles Dickens. Die Verbindung passt zwar grundsätzlich in den Ablauf der Geschichte, wirkt aber wenig kreativ, obwohl die Figur von Birdie einen starken Charakter darstellt, der als tragende Person des Romans durchaus stimmig und überzeugend ist.

Gute Unterhaltung

Trotz einigen gewöhnungsbedürftigen Elementen präsentiert Kate Morton erneut einen unterhaltsamen Roman, der nicht nur die Freunde von Geheimnissen bedient, sondern auch das historische Element nicht zu kurz kommen lässt. Die Autorin entführt ihre Leser in verschiedene gesellschaftliche Schichten und lässt sie teilhaben an den jeweiligen Gepflogenheiten. Sie macht dies mit einer schönen Sprache, die zu fesseln vermag und den Lesern die Grundlage gibt, sich ganz in die Situation hinein zu bewegen und mit den jeweiligen Figuren mitzuleben und mitzuleiden. Selbst der Wechsel zwischen der Gegenwart und den früheren Zeitebenen ist so schlank gehalten, dass die Geschichten richtiggehend ineinander verschmelzen und die Verbindung nicht zu aufgesetzt erscheint. Für Kate Morton-Fans ist dieser Roman eine wunderbare Lektüre und wer sich neu mit der Autorin befasst, wird auf jeden Fall gut unterhalten sein.

Die Tochter des Uhrmachers

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