Die Frauen vom Savignyplatz

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2018, Titel: 'Die Frauen vom Savignyplatz', Originalausgabe

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Annette Gloser
Sympathisches Plädoyer für den Groschenroman

Buch-Rezension von Annette Gloser Mär 2019

Berlin, zum Ende des Ersten Weltkrieges: Vicky steht Tag für Tag hinter dem Ladentisch der elterlichen Metzgerei. Das Lyzeum musste sie auf Befehl des Vaters abbrechen, eine finanziell aussichtsreiche Ehe haben die Eltern auch schon arrangiert. Vicky ist natürlich ein braves Mädchen, aber glücklich ist sie so nicht.

Trost spenden ihr die Romane von Hedwig Courths-Mahler, da gibt es viel Liebe und die gehen immer gut aus. Das Leben ist schwer genug, findet Vicky, da muss man nicht noch „schwere“ Literatur lesen. Aber dann scheint sie der Erfüllung aller Liebesträume nahe, denn plötzlich taucht im Metzgerladen ein fremder Offizier auf, in den sich Vicky Hals über Kopf verliebt und den sie – gegen den Willen der Eltern – heiratet. Doch leicht ist das Leben nicht für Vicky und ihren Willi, dafür sorgt schon Vickys Vater. Bald wollen vier Kinder ernährt werden, das fünfte ist unterwegs, Willi verdient sein Geld als Boxer und mit halbseidenen Geschäften. Immer noch steht Vicky jeden Tag in der Metzgerei und verkauft Leberwurst, aber das Leben ist ihr noch was schuldig! Als Willi auszieht und die Scheidung verlangt, beschließt sie, ihrer eigenen Wege zu gehen. Sie will einen Buchladen für Frauen aufmachen, einen, in dem schöne Gedanken und süße Träume verkauft werden, Bücher, die garantiert immer gut ausgehen. Fraglich ist allerdings, ob dieses Vorhaben auch für Vicky gut ausgehen kann, Frauen gehören schließlich an den Herd und nicht in einen Buchladen!

Glück auf Papier

In den 1920er Jahren bewegt sich was in Deutschland, auch in der Welt der Frauen. Plötzlich wollen sie studieren, wollen einen Beruf, wollen ihr eigenes Geld. Sie wollen gleichberechtigt neben den Männern stehen und sich aus der Abhängigkeit befreien. Mitten hinein in diese Welt schickt Joan Weng ihre Leser, in die Roaring Twenties, die in diesem Roman eher leise im Hintergrund pulsieren, steht im Vordergrund doch eine junge Frau auf der Suche nach dem ganz privaten Lebensglück und einem erfüllten Berufsleben. Dazu steht scheinbar im Widerspruch, dass Vicky nun ausgerechnet einen Laden für die oft abfällig als „Schnulzen“ bezeichneten Liebesromane aufmacht. Wenn man es etwas genauer betrachtet, dann ist ein Buchladen nur für Frauen allerdings zur damaligen Zeit eine revolutionäre Idee. Dazu brechen die Protogonistinnen mehrfach eine Lanze für Bücher, die glücklich machen. Als seicht und trivial verschrien, bringen sie vor allem den Frauen Licht in ihr oft sehr düsteres Leben, bringen Träume  und schenken entspannte Stunden. Wenn man „Die Frauen vom Savignyplatz“ liest, dann versteht man sehr gut, warum gerade viele Frauen solche Romane lasen, denn sie ganz besonders hatten immer mal wieder eine Portion Glück auf Papier dringend nötig. Man bekommt eine Ahnung davon, wie das Alltagsleben der Frauen aussah, wie hart es oft war, und wie so ganz und gar normal das Kuratel der Ehemänner, die den Frauen oft genug auch noch das Lesen verbaten. Vicky und ihre Freundinnen kämpfen für etwas, was uns heute ganz normal erscheint: Lesen dürfen was ich will und wann immer ich es will.

Nicht nur nette Mädels

Natürlich funktioniert so ein Roman nicht ausschließlich mit Frauen, und so bevölkern die Seiten nicht nur die netten Mädels aus Vickys Freundeskreis sondern auch diverse Herren. Überhaupt ist das charakterliche Spektrum der Protagonisten breit gestreut: Es gibt die modern denkenden jungen Frauen und Männer, es gibt die Ewiggestrigen und die schrägen Typen, gleichfalls beiderlei Geschlechtes, arrogante Kerle und brave Hausmütterchen, und da wir in den 1920er Jahren sind, tauchen auch die ersten Schlägertypen in braunen SA-Hemden auf. Joan Weng gelingt damit eine ausgesprochen authentisch wirkende Atmosphäre, die den Leser sofort mit auf die Reise durch diese Geschichte nimmt, was auch für eine gründliche Recherche spricht. Die Story ist mit Verve und Witz erzählt, immer wieder gibt es Stellen zum Schmunzeln und Augenverdrehen, da macht das Lesen durchaus Spaß. Vicky mit ihrem bodenständigen Pragmatismus ist eine ausgesprochen sympathische Heldin, auch der ungetreue Ehemann hat durchaus gute Seiten, ein Widerling entpuppt sich als netter Kerl, eine brave Mutti als aufständische Helferin ihrer Tochter… Es ist ordentlich was los in diesem Roman und es bleibt spannend, sogar überraschend, bis zum Schluss. Sehr erfreulich übrigens auch der Umgang der Autorin mit dem Berliner Jargon, da merkt man deutlich, sie kennt sich damit aus und der Leser hat eine zusätzliche Portion Spaß dabei.

Fazit:

„Die Frauen vom Savignyplatz“ ist ein herzerfrischender Roman, sehr lebendig, mit einem interessanten Sujet und ebenso interessanten Protagonisten. Der Aufbau-Verlag hat hier (wieder einmal!) ein feines Gespür bewiesen. Diesen Roman kann man immer und überall lesen, und auch wenn Frauen im Mittelpunkt stehen sei er doch auch den Männern unter den Lesern ausdrücklich empfohlen. Und natürlich all jenen, die auf Liebesschnulzen genauso verächtlich gucken wie auf Küchenlieder, denn vielleicht gelingt gerade diesen Lesern mal ein ganz neuer Blick auf das ach so verpönte seichte Zeug! Vor allem aber bleibt Joan Weng dem Motto des Frauenbuchladens treu: Ein glückliches Ende ist garantiert!

Die Frauen vom Savignyplatz

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Letzte Kommentare:
27.11.2018 14:23:28
leseratte1310

Berlin, 1925: Vicky und Willi wollten für immer zusammenbleiben. Sie haben vier Kinder und eins ist unterwegs und nun trennt sich Willi von ihr wegen einer anderen. Vicky verfällt nicht in eine depressive Stimmung, ganz im Gegenteil, sie krempelt ihr Leben um und will beweisen, dass Frauen mehr draufhaben als nur Ehefrau und Mutter zu sein. Mit ihrer Freundin eröffnet sie am Savignyplatz eine kleine Buchhandlung für Frauen.
Joan Weng führt uns mit ihrem Roman ins Berlin der Zwanziger Jahre. Ihr Schreibstil ist lebendig und die Atmosphäre ist sehr authentisch.
Die Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und kommen realistisch rüber. Vickys Eltern waren von dem Schwiegersohn, den Vicky ihnen vorstellt, gar nicht begeistert. Sie hatten jemand anderes im Blick und nun sehen sie die Chance, Vicky mit dem Fabrikanten Jakob Ebert zu verheiraten. Doch Vicky denkt nicht daran. Willi ist unbekümmert und hat seine Frauengeschichten. Als seine Jugendliebe von ihm schwanger ist, verlässt er dafür seine schwangere Frau. Hilfe erhält Vicky aber trotzdem von ihm und auch von Jakob Ebert. Mit Lisbeth verbindet Vicky eine langjährige Freundschaft und sie konnten sich immer aufeinander verlassen. Auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet.
Ihre Buchhandlung für Frauen trifft nicht überall auf Begeisterung, sie müssen auch eine Menge Anfechtungen aushalten, selbst Vicky Vater macht Schwierigkeiten.
Es ist eine Zeit, als von Frauen erwartet wurden, dass sie heiraten, Kinder kriegen und dann ihr Glück am heimischen Herd finden. Aber es gibt auch Frauen, die mehr wollen und ihnen bläst zu der Zeit noch ein kräftiger Wind entgegen. Immer be3nötigen Frauen die Erlaubnis eines Mannes, wenn sie etwas auf die Beine stellen wollen. Mit dem Aufkommen der Nazis gibt es dann eine rückwärts gerichtete Entwicklung.
Emanzipierte Frauen in den Zwanziger Jahren – eigentlich ein interessantes Thema, aber trotz interessanter Zeit und sympathischer Protagonisten wurde ich nicht so gepackt wie erwartet, da die Geschichte so vor sich hinplätschert.

17.11.2018 18:34:50
PMelittaM

Berlin 1916: Vickys Eltern haben ihre Zukunft bereits geplant, doch sie selbst stellt sie sich ganz anders vor. 9 Jahre später wird Vicky, schwanger mit dem 5. Kind, von ihrem Ehemann verlassen, doch sie gibt nicht auf, und plötzlich scheint ihr langgehegter Wunsch erfüllbar zu werden.

Wer bereits Romane der Autorin kennt, wird sich freuen, bekannte Charaktere wieder zu treffen. Das ist eine Spezialität Joan Wengs, die ich sehr mag, bisher gab es in jedem ihrer Romane Wiedersehensfreude. Sogar Vicky ist dem Leser bereits bekannt, auch wenn das nicht sofort ersichtlich ist, spätestens, wenn ein bestimmter Name fällt, wird es einem klar. Bisher kennt man sie nur aus einer anderen Perspektive, die neue Betrachtungsweise tut ihr aber sehr gut, und lässt sie in einem ganz anderen Licht erscheinen, als bisher. Wer noch keine Romane der Autorin kennt, verpasst übrigens nicht, jeder Roman spricht für sich selbst, es ist nur ein besonderer Bonus für die Fans der Autorin.

Wie schon in „Das Café unter den Linden“ hat Joan Weng sich wieder eine starke Frauengestalt als Protagonistin ausgesucht, auch wenn Vicky ein ganz anderer Typ als Fritzi ist, und auch in einem ganz anderen Lebensabschnitt steht, als diese, Vicky steht als Mutter vor ihren ganz eigenen Herausforderungen. Apropos Fritzi: Natürlich taucht auch sie hier wieder auf..

Gut gefallen mir, wie immer, die Charaktere, die gut ausgearbeitet sind und auch schon mal für Überraschungen sorgen. Man kann sich herrlich über sie aufregen, sich mit ihnen freuen, ihnen die Daumen drücken, oder mit ihnen leiden, und gerade die in jedem Roman etwas verschobenen Perspektiven fügen manchmal neue Merkmale hinzu.

Die Geschichte lässt sich flüssig lesen, man taucht schnell ein in das Leben der Charaktere und in die 1920er Jahre. Dazu fehlt es der Erzählung nicht an Humor, so dass der Roman insgesamt gelungene Unterhaltung bietet. Ich freue mich schon sehr auf Joan Wengs nächsten Roman, und bin gespannt, wen ich dann in welchen Situationen wiedertreffe.

Joan Wengs Romane mag ich einfach, ich mag es sehr, dass ihre Romane miteinander verknüpft sind, und ich Charaktere immer wieder treffe, und sie dadurch auch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten kann, außerdem erfahre ich so immer wieder, wie es ihnen weiterhin geht. Ich mag auch den Humor, der den Romanen zu eigen ist und fühle mich immer gut unterhalten. 87° und eine Leseempfehlung.