Als das Leben unsere Träume fand

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

1899, ganz Berlin ist im Orient-Fieber, denn der Archäologe Robert Koldewey hat soeben das mythische Babylon aus dem Wüstensand gegraben. Auch die junge Senta ist den jahrtausendealten Kulturen verfallen, doch als Frau ist ihr der Zugang versperrt. Sie beschließt, eine eigene Expedition auszustatten, begleitet von dem Assyriologen Winfried, der sie liebt, und dem undurchschaubaren Briten Christopher. Auf der strapaziösen Reise in das umkämpfte Land zwischen den Strömen brodeln gefährliche Leidenschaften. Die Lage spitzt sich zu, als die Gruppe von Beduinen als Geiseln genommen wird. Einzig Faysal, der Sohn des Sheik, sieht in den Europäern mehr als ein Faustpfand. Er und Senta gehören verschiedenen Welten an, doch in den schwarzblauen Nächten der Wüste brechen sich Gefühle Bahn, die so berauschend sind wie der Zauber des Orients und so alt wie seine im Sand verborgenen Kulturen ...

Couch-Wertung:

88
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Rita Dell'Agnese
Die Suche nach einer besseren Welt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2018

Rocco lehnt sich gegen die Mafia auf. Der junge Sizilianer will nicht in die Fussstapfen seines Vaters treten und Leute unterdrücken oder ermorden. Das trägt ihm den Zorn des Mafiabosses ein, der Roccos verstorbenem Vater allerdings noch einen Gefallen schuldig war. Um Rocco vor der Vernichtung zu retten und dennoch nicht sein Gesicht zu verlieren, schickt der Mafiaboss den jungen Mann 1912 per Schiff nach Buenos Aires, wo er unter den Fittichen von Toni, einem Neffen des Mafiabosses, in Argentinien Fuss fassen soll. Auf dem Schiff begegnet Rocco der jungen Sizilianerin Rosetta. Sie ist auf der Flucht, nachdem sie einen Adligen niedergeschlagen hat, der sie vergewaltigen wollte. Rosetta hatte sich erst nach vielen Demütigungen und heimtückischen Zerstörungen bereit erklärt, dem Adligen ihren Eltern-Hof zu verkaufen, nach dem er so lange schon gierte. Nun bezichtigt der Adlige die junge Frau jedoch, ihn bestohlen zu haben. Auf dem Schiff in Gewahrsam genommen, gelingt Rosetta nach der Ankunft in Buenos Aires dank Rocco die Flucht. Sie kann untertauchen, hält sich aber am Versprechen Roccos fest, dass dieser sie finden werde.

Auch die russische Jüdin Racquel hofft auf ein neues Leben in Buenos Aires. Bei einem Pogrom in ihrem Dorf flüchtet das Mädchen, das eher einem Knaben gleicht und schliesst sich einer Gruppe von jüdischen Mädchen an, die von ein paar Juden angeheuert wurden, sich in Buenos Aires als Dienstmagd zu verdingen oder einen jüdischen Auswanderer zu heiraten. Doch Racquel muss erkennen, dass sich damit in grosse Gefahr gebracht hat. Sie taucht in Buenos Aires ebenfalls unter und begegnet Rocco, der ihr hilft, sich ein eigenes Leben aufzubauen.

Viele Themenkreise angesprochen

Drei starke Protagonisten, drei Schicksale: Luca Di Fulvio schöpft einmal mehr aus dem Vollen. Alle drei Hauptfiguren bringen ein individuelles Schicksal mit, das als solches schon ausgereicht hätte, als Grundlage für einen Roman zu dienen. Dass es dem italienischen Autor gelingt, die drei Charaktere und ihre jeweiligen Schicksale so zu verbinden, dass eine Einheit entsteht, und die Geschichte in sich schlüssig ist, ist daher grosses schriftstellerisches Können. Dennoch ist etwas viel in den Roman hineingepackt: Die Pogrome in Russland, die Mafia, Menschenhandel, geldgierige Adelige auf Sizilien, Auswandererschicksale, Prostitution, Gewalt, bigotte Religionsgemeinschaften, unterdrückte Frauen und Bandenkriege auf den Docks kommen ebenso vor, wie wirtschaftliche Not, ausgebeutete Arbeiter und vieles mehr. Hier wäre manchmal weniger mehr.

Schwarz-Weiss und Klischees

Obwohl es sich um eine packende Geschichte handelt, der man sich kaum entziehen kann, kommt man nicht umhin, das sehr deutliche Schwarz-Weiss-Schema zu bemerken, mit dem Luca Di Fulvio arbeitet. Die drei Hauptfiguren sind in ihrer Gesinnung und Handlung makellos, mutig und erfolgreich. Die Bösen sind wahrhaft Böse und die zwei Bösewichte, die eigentlich gar nicht so böse sind, sind im Grunde von edlem Charakter. Hier dürften ruhig mehr Ecken und Kanten vorkommen, die Protagonisten könnten den einen oder anderen Makel vertragen. Leider nutzt der Autor auch einige Klischees, was dem an sich wunderbar gezeichneten Bild vom Leben in Buenos Aires Anfang des 20. Jahrhunderts ein wenig in die Quere kommt. Trotzdem lohnt es sich, die über 750 Seiten des Romans auf sich wirken zu lassen und in die Abenteuer von Rocco, Rosetta und Raquel einzutauchen. Geboten wird ein ungeschminkter, oft höchst brutaler und blutiger Roman, der dennoch viele Feinheiten aufweist und wunderbar unterhält.

Als das Leben unsere Träume fand

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