Anastasia - das zweite Leben der Zarentochter

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2018, Titel: 'Anastasia - das zweite Leben der Zarentochter', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ein Festakt für Verschwörungstheoretiker

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2019

1918. In Jekatarinburg wird die Familie von Zar Nikolai II. von den Bolschewiki gefangen gehalten. Da die zaristischen Weißgardisten auf die Stadt vorrücken, um die Zarenfamilie zu befreien, wird deren Ermordung angeordnet. Unter dem Kommando von Jakow Jurowski wird die gesamte Familie nebst der noch verbliebenen Dienerschaft in der Nacht auf den 17. Juli 1918 exekutiert.  

In dem Roman „Anastasia – das zweite Leben der Zarentochter“ überlebt die jüngste Tochter das Massaker der Soldaten schwer verletzt. Die Wachposten Alexej und Sergey Tschaikowski, die eigentlich gar keinen Dienst haben sollten, entdecken sie auf dem zum Abtransport der Leichen bereitstehenden LKW und bringen sie in Sicherheit. Mit ihrer Schwester Veronika, einer gelernten Krankenschwester, fliehen sie mithilfe eines Planwagens aus der Stadt und versuchen zunächst Rumänien zu erreichen. Auf ihrer beschwerlichen Flucht landen sie 1922 in Berlin und geraten in eine der zahlreichen Demonstrationen, die das Stadtbild jener Tage prägen. Dabei werden Anastasia und die Geschwister getrennt, wobei Alexej schon zuvor einem Raubüberfall in Rumänien zum Opfer fiel. Anastasia, von ihren Freunden getrennt, glaubt überall von Bolschewiken verfolgt zu werden und stürzt sich in einen Fluss, aus dem sie allerdings gerettet wird.

Spannend inszenierte Histo-Fiktion

So beginnt – stark verkürzt – der vorliegende Roman. Er bietet somit immerhin eine Erklärung, wie es zumindest theoretisch möglich gewesen sein könnte, dass die jüngste Zarentochter überlebte. Der Rest der (realen) Geschichte dürfte weitreichend bekannt sein. Jene Frau, die aus dem Fluss gerettet wurde, behauptete jahrzehntelang Anastasia zu sein. Tatsächlich soll es sich jedoch um eine einfache Fabrikarbeiterin gehandelt haben, die später unter dem Namen „Anna Anderson“ in die Geschichte einging. Allerdings als eine der größten Hochstaplerinnen aller Zeiten, denn (weit nach ihrem Tod im Jahr 1984) ergaben DNA-Tests 1996 und 2007, dass es sich nicht um Anastasia gehandelt haben kann.  

Dennoch ist der Roman von Antje Windgassen spannend und lesenswert, denn minimale Restzweifel dürfen, nicht zuletzt im Zeitalter von Fake News, erlaubt sein. So wird in dem Roman beschrieben, wie etliche Angehörige und Bekannte der Familie Romanow die Zarentochter wiedererkannt haben. Allerdings weigerte sich Anastasias Großmutter auch nur darüber nachzudenken, dass ihr Enkelin unter höchst bedenklichen Umständen, viele Jahre davon in Krankenhäusern und Irrenanstalten, leben könnte. Für sie, die - in ihrer eigenen Welt - in Dänemark lebte, war klar, dass noch die ganze Familie leben musste. Ein Enkel Zar Nikolays I. und ein Cousin Nikolais II. kämpften derweil in der Mitte der 1920er Jahre um die Vorherrschaft im Hause Romanow. Im Fall von Anastasia waren sich die Gegner jedoch einig; eine lebende Tochter des Zaren konnte und durfte nicht sein. Schließlich stand viel zu viel auf dem Spiel. Noch war zumindest denkbar, dass Russland wieder zu einer Monarchie zurückfinden könnte und dann musste ein Thronfolger parat stehen. Und selbst, wenn dies nicht passieren sollte, so ging es immerhin noch um den stattlichen Nachlass des Zaren auf einer englischen Bank. Die Rede war von 35 Millionen Goldrubel. So gab es Gegner und Anhänger von Anastasia (Anna Anderson), deren Intrigenspiel man sich angesichts des hohen Einsatzes gut vorstellen kann. Auch dieses wird in dem Roman eindrucksvoll dargestellt.

Anna Anderson hieß ursprünglich Franziska Schanzkowsky, eine Bauerntochter und spätere Fabrikarbeiterin. Und hier müssen - allen DNA-Analysen zum Trotz - ein paar Fragen erlaubt sein. Wenn diese Hochstaplerin Jahrzehntelang ihr Umfeld blenden konnte, wie mag sie dies angestellt haben? Wie konnte sie zahlreiche Personen aus dem Umfeld des Zaren derart täuschen, denn sie muss ja - und woher sollte sie diese haben? - über intimste Kenntnisse aus der Zarenfamilie verfügt haben, um nicht umgehend aufzufallen? Eine Missbildung am Fuß der Zarentochter hätte sie ebenfalls kaum nachstellen können und woher sollte eine Frau aus einfachsten Verhältnissen neben russisch auch noch (wie Anastasia) deutsch, englisch und französisch sprechen können? Der Fall mag wissenschaftlich eindeutig geklärt sein, ein großes Festmahl für Verschwörungstheoretiker bleibt er allemal. Antje Windgassen liefert hierzu den spannend aufbereiteten Stoff.

Anastasia - das zweite Leben der Zarentochter

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