Die vergessene Burg

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2018, Titel: 'Die vergessene Burg', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Rita Dell'Agnese
Spurensuche am Rhein

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2018

Paula Cooper ist nicht glücklich. Die 32-jährige Londonerin wurde von einer Verwandten zwar als Gesellschafterin engagiert und hat damit ein bescheidenes Auskommen, doch fühlt sie sich bei Cousine Harriet nicht wohl. Das graue Haus ist stickig, die Verwandte anspruchsvoll und missgünstig. Als Paula von der Pfarrersfrau angefragt wird, bei einer Aufführung ein paar Gedichte vorzutragen, begegnet die unglückliche Frau einer faszinierenden Welt: Der Loreley, die über dem Rhein thront. Gerade als Paula das Gefühl bekommt, bei Harriet endgültig zu ersticken, erreicht sie ein Brief von einem unbekannten Onkel, der sie bittet, nach Bonn zu kommen. Aufgelöst reist Paula nach London, um ihre Mutter zur Rede zu stellen. Warum hat ihr diese niemals etwas vom Bruder ihres verstorbenen Vaters erzählt? Doch die Mutter schweigt verbissen. Als Paula dann auch noch erfährt, dass es mit dem Tod des Vaters etwas Seltsames auf sich hat, beschliesst sie, nach Bonn zu ihrem Onkel zu reisen. Für eine Frau im Jahr 1868 ohne Begleitung ein gewagtes Unterfangen. Doch Paula wächst über sich selber hinaus und lernt in Bonn nicht nur ihren Onkel Rudy kennen, sondern auch den Fotografen Benjamin Trevor, dessen Vater Reisebücher verlegt. So sehr sie von der Stadt am Rhein und der Welt ihres Onkels angetan ist, so verzweifelt versucht Paula hinter das Geheimnis zu kommen, dass auf ihrer Familie wie ein dunkler Schatten zu liegen scheint. Benjamin soll sie auf der Reise auf dem Rhein begleiten, die Licht ins Dunkel bringen könnte.

Eine Liebeserklärung an den Rhein

Die Autorin Susanne Goga legt die Verzückung über den Rhein zwar ihrer Protagonistin Paula in den Mund, doch ist es unschwer zu erkennen, wie stark sich die Autorin mit dem Rhein und der Region um Bonn verbunden fühlt. Manchmal scheint es etwas gar viel der Schwärmerei und trotz des Nachholbedarfs der Protagonistin in Sachen schönen Erlebnissen wird die leicht säuselnde Liebeserklärung an die Gegend über welche die Loreley wacht, manchmal etwas zu dick aufgetragen. Die verschiedenen Gedichtpassagen, die Susanne Goga ihrem Roman beifügt, sind zwar passend, verstärken aber mit der Zeit das Gefühl, dass es nun doch genug der Schwärmerei wäre.

Ein paar Stolpersteine

Unbeirrbar macht sich Paula, die 32 Jahre lang ein behütetes, in den letzten Jahren langweiliges Leben geführt hat, auf Spurensuche. Dass die Geschichte da und dort eine leichte Wendung nimmt oder sich die eine oder andere Spur als unerklärliche Fehlinformation herausstellt, trägt zum Spannungsbogen bei und lässt die zusammen mit der Protagonistin rätseln, was denn vor 30 Jahren am Rhein tatsächlich passiert ist. Ein farbloser Briefwechsel zwischen Paula und ihrer Mutter, ein gekonntes Ausweichen von Onkel Rudy, wenn er nach seinem Bruder gefragt wird und die lange Zeitspanne, seit den Ereignissen von damals scheinen Paulas Unterfangen zum Scheitern zu verurteilen. Doch immer wieder sind es ein paar Zufälle, die Paula einen Schritt weiter bringen. Zufälle, die für den Leser teilweise eher Stolpersteine darstellen, denn sie scheinen reichlich weit hergeholt. Auch die Auflösung des Rätsels wirft bei näherem Hinsehen eher weitere Fragen auf, als geklärt werden.

Hässliches Entlein, schöner Schwan

Dass die Protagonistin, die für die Epoche, in der sie sich bewegt, mit ihren 32 Jahren schon deutlich über die Jugend hinaus ist, sich vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan verwandelt, mag man der Autorin nachsehen. Die etwas verwinkelten Liebesgeschichten, die in den Plot eingeflochten sind, können ebenfalls durchaus etwas Würze in den Roman bringen. Allerdings fehlt der Geschichte das gewisse Etwas, das sie über den durchschnittlichen Mainstream hinaus heben würde. Einige Ereignisse sind etwas gar weit hergeholt, anderes ist zu stark in die Länge gezogen. Von der Autorin liegen wesentlich stärkere Werke vor. Dennoch dürfte dieser Roman mit einem unbestritten feinen Schreibstil und durchaus etwas Unterhaltungswert durchaus seine Anhängerinnen finden.

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