Land im Nebel

Erschienen: September 2018

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2018, Titel: 'Land im Nebel', Originalausgabe

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Heike Stepprath
Verbotene Liebe im besetzten Rheingebiet

Buch-Rezension von Heike Stepprath Aug 2019

Herzogtum Berg, 1796. Nachdem das linksrheinische Gebiet von den Französischen Truppen besetzt wurde, berät der Adel, wie man sich zur Wehr setzen sollte. Theodor Freiherr von Hallberg-Broich und Attenbach entwickelt eigene Pläne, die Herrschaft der Franzosen einzuschränken. Seine Tochter Johanna hat ebenfalls eigene Vorstellungen vom Leben. Sie erhielt eine umfassende Bildung und übernimmt einige Aufgaben, die das elterliche Gut mit sich bringt. Die Bediensteten und Pächter schätzen ihre umsichtige Art. Sie weigert sich allerdings, den von ihrer Mutter favorisierten Mann zu heiraten. Stattdessen hat sie sich in Henri verliebt, ein französischer Desserteur, der sich als Franziskanermönch getarnt im Kloster Bödingen aufhält.

Sorgfältige Figurenzeichnung

Die Lebenssituation im Gebiet des besetzten Niederrheins während des ersten Koalitionskriegs nach der Französischen Revolution ist detailliert beschrieben. Nicole Peters wählt einen leichtgängigen Erzählstil, um die Schicksale der Bewohner unter der sich verändernden Herrschaft zu beschreiben. Das Augenmerk ist auf die Zivilbevölkerung gerichtet. Nur vereinzelt wird versucht, aktiv in die politische Entwicklung einzugreifen. Vielmehr ahnt man durch die beiden Desserteure Henri und Charles, was seinerzeit von den Soldaten verlangt wurde. Während Charles als Handwerker zum Soldatentrupp gehörte, befahl Henri Benoit de Montfort eine ganze Legion. Das Kloster ist ein idealer Zufluchtsort, um Wunden heilen zu lassen und sich vor den Augen der Umwelt zu verstecken.

Historisch belegte Charaktere und erdachte Figuren ergänzen sich in den Handlungen. Das Personenverzeichnis im Anhang gibt Aufschluss, wer tatsächlich gelebt hat und wer fiktiv auf die Geschichte Einfluss nimmt. Jeder hat eine Aufgabe und sorgt dafür, dass die Geschichte plausibel klingt. Die einzelnen Stände der Gesellschaft werden ebenfalls mit Charakteren besetzt, sodass auch die üblichen Umgangsformen in die Handlungen einfließen. Die Umbruchszeit brachte einige Veränderungen mit sich. Die Befreiung des Proletariats in der Französischen Revolution setzte sich in den verschiedensten Bereichen fort. Bildung gewann zusehends an Priorität und war bald nicht nur der höheren Gesellschaft vorbehalten. Unter welchen Bedingungen die einfachen Bauern lebten, wird an Familie Pauls deutlich. Durch das Eintreiben der überhöhten Pacht waren sie oftmals zur Wilderei gezwungen, worauf harte Strafen ausgesetzt waren.

Gesellschaftsformen im 1. Koalitionskrieg

Der historische Roman spiegelt die Ereignisse, die vier Jahre nach Beginn des ersten Koalitionskrieges in den angrenzenden Gebieten passierten. Seit der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich, stellte sich das Königreich Preußen auf die Seite der Angegriffenen. Der Roman kommt allerdings ganz ohne Kriegsstrategien oder Beschreibungen der Feldzüge aus. Vielmehr lässt er seine Leser nachfühlen, wie sich die Bewohner der besetzten Gebiete gefühlt haben. Freiherr und Graf sind sich in der Abwehr jedoch uneins, sodass keine Lösung herbeigeführt wird, die die Tatsachen verfälschen würden. Die Gefahr, in der jeder schwebte, wird aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Henri wäre ganz sicher vor einem Kriegsgericht verurteilt worden, ebenso wie Charles. Beide fanden beim Feind Unterschlupf und halfen so gut es ging bei handwerklichen Tätigkeiten. Vor allem die Einschübe französischer Worte lassen die Epoche lebendig werden. Seinerzeit parlierten die Adeligen vorzugsweise in der Sprache der benachbarten Kolonialmacht. Die Ausdrücke sind gängig, sodass nur wenige auf Deutsch wiederholt werden.

Das 460-seitige Buch lässt sich durch den flüssigen Schreibstil und eine stetig ansteigende Dramaturgie flugs lesen. Schon nach dem ersten Drittel steht die verbotene Liebesgeschichte zwischen der Tochter des Freiherrn und dem desertierten Offizier im Mittelpunkt. Man fiebert mit beiden mit, obwohl bereits an diesem Punkt auch das Ende zu erahnen ist. Peters kann mit unvorhergesehenen Wendungen zwar noch ein bisschen Verwirrung stiften, was allerdings auch das Tempo mindert.

Fazit:

Land im Nebel ist eine lesenswerte Unterhaltung, die gerade jetzt zum 250. Geburtstag von Napoleon Aktualität erlangt. Die Ausarbeitung der Charaktere ist ebenso gelungen wie die zeitgeschichtliche Rekonstruktion der Begebenheiten.

Land im Nebel

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Letzte Kommentare:
15.11.2018 19:07:50
dorli

Rheinland, 1796. Henri Benoît de Montfort, ein Offizier der französischen Revolutionsarmee, ist desertiert und als Mönch verkleidet in das Herzogtum Berg geflüchtet. Er findet Unterschlupf im Kloster Bödingen. Schon nach kurzer Zeit verlässt er das Kloster jedoch wieder, kommt allerdings nicht weit, weil er von vorbeipreschenden Reitern in Dornenbüsche geschleudert wird und schwer verletzt liegen bleibt. Johanna, Tochter des Freiherrn von Hallberg-Broich und Attenbach findet Henri und bringt ihn zurück ins Kloster…

Johanna ist im Gegensatz zu anderen Adligen ohne gesellschaftliche Zwänge aufgewachsen und hat eine umfassende Bildung genossen. Sie interessiert sich für Kräuterheilkunde und liebt vor allen Dingen ihre Unabhängigkeit. Eine Ehe kommt für sie nicht infrage, weil sie ihre Freiheit nicht aufgeben will. Daher stemmt sie sich vehement gegen das Bestreben ihrer Mutter, sie mit dem Sohn des Grafen von Hatzfeld zu verheiraten…

In ihrem historischen Roman „Land im Nebel“ entführt Nicole Peters den Leser in die Zeit des Ersten Koalitionskrieges ins Rheinland und wartet mit einer Mischung aus Historie und Romantik auf.

Nicole Peters beschreibt das Alltagsleben in der Region, sie erzählt von den Sorgen und Nöten der Landebevölkerung, vom Klosterleben, von Weinlese und Gutverwaltung – viele interessante Themen, die gut vermittelt werden. Dennoch hat mir etwas gefehlt. Es passiert zwar ständig etwas, so dass man immer Weiterlesen möchte, aber richtig gepackt hat mich das Geschehen trotzdem nicht. Ich hätte gerne von allem ein bisschen mehr gehabt, mehr Historie, mehr politische Hintergründe, mehr Spannung und auch etwas mehr Romantik.

Die Akteure werden interessant und facettenreich dargestellt, so dass ich mir jeden Einzelnen gut vorstellen konnte. Bruder Ignatius hat mich mit seiner Hilfsbereitschaft und Aufrichtigkeit begeistert. Henris Schuldgefühle seiner Familie gegenüber konnte ich nachvollziehen. Über die Überheblichkeit der von Hatzfelds konnte ich mich prima aufregen. Nur Johanna war mir etwas zu modern gezeichnet, sie und ihr Verhalten habe ich als zu wenig authentisch empfunden.

Gut gefallen hat mir der Schreibstil. Die Geschichte lässt sich angenehm zügig lesen. Besonders gelungen fand ich die zahlreichen französischen Einsprengsel, weil damit Ort und Zeit der Handlung unterstrichen werden.

„Land im Nebel“ hat mir insgesamt gut gefallen, konnte mich aber nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft hatte.

22.10.2018 07:13:17
Venatrix

Nicole Peters nimmt ihre Leser mit in das Jahr 1796. Die Truppen der französischen Revolutionsarmee stehen am Rhein.
Wir begleiten Henri Benoit de Montfort, einen als Franziskaner verkleideten Deserteur und Überlebenden des Massakers in der Vendée auf seiner Flucht durch das Herzogtum Berg. Unterwegs macht er die unliebsame Bekanntschaft des Herrmann von Hatzfeld. Ausgerechnet in jenem Kloster, in dem Herrmanns Bruder Markus als Mönch lebt, findet Henri Aufnahme.
Wir lernen Johanna, die Tochter des Freiherrn von Hallberg-Broich und Attenbach kennen, die ihren Vater darum bittet, den Pächtern Pauls die Abgaben zu erlassen, weil ein Feuer deren Scheune vernichtet hat. Bei einem ihrer Besuche im Kloster begegnet sie Henri und beide erleiden den „Coup de foudre“.

Meine Meinung:

Diese Liebesgeschichte ist im Umfeld der politischen Wirren der Revolutionskriege angesiedelt. Der Stern Napoleons geht langsam auf. Er schwebt wie ein ferner Nebel über dem Rheinland. Handfester sind da schon die französischen und österreichischen Truppen, die über das Land fegen und abwechselnd Zerstörung hinterlassen. Interessant ist die Unschlüssigkeit des Landadels dargestellt. Soll man sich den revolutionären Franzosen anschließen oder nicht?

Johannas Vater ist gegen die Invasionstruppen und hat so manches blutiges Geheimnis. Die Herren von Hatzfeld stehen vor allem auf ihrer eigenen Seite und versuchen aus dem Chaos Nutzen zu ziehen.
Die Personen sind gut charakterisiert, wenn auch einen Tick zu modern. Vor allem Johanna ist sehr unkonventionell dargestellt. In Ermangelung eines Sohnes erhält sie eine gute Schulbildung und am Ende die Leitung des Gutes.
Eine gute Figur macht auch Pater Ignatius, der christliche Nächstenliebe ohne viel zu fragen einfach lebt. So sagt er einfach zu Henri „...ich hätte dir auch geholfen, wenn du keine Kutte getragen hättest. So steht es in unseren Büchern geschrieben...“
Der Schreibstil ist locker und flüssig. Für meinen Geschmack drückt sich die einfache Landbevölkerung in den Dialogen ein bisschen zu gewählt aus. Die von Henri eingestreuten Zitate Voltaires finde ich dagegen sehr passend.
Aufgefallen ist mir, dass Henri an seinen Reitkünsten zweifelt. Also, wenn man einmal reiten kann, verlernt man das nicht so schnell. Als Adeliger aus der Vendée konnte er wahrscheinlich reiten, bevor er laufen konnte.
Das Personenregister und die Anmerkungen sind eine gute Ergänzung.
Ganz sicher bin ich mir nicht, ob dieser Roman eine Liebesgeschichte oder eine Story über die geschichtlichen Ereignisse sein soll. Für die Romanze treffen sich Johanna und Henri zu selten. Das politische Geschehen ist nicht eindeutig genug. Aus dem Motiv, die Franzosen vertreiben zu wollen, hätte schon einiges mehr werden können. Zum Bespiel Verbündete suchen, konspirative Treffen etc.. Das eine Gespräch auf diesem Ball ist mir da zu wenig.

Fazit:

Ein netter historischer Roman, der einige interessante Ideen aufweist, aber noch einige Luft nach oben hat. Gerne gebe ich gute 3 Sterne.

19.10.2018 21:38:11
mabuerele

„...Johanna schickte einen leisen Gruß zu ihren alten Hauslehrer. Er hatte sie immer belehrt, wie wichtig die Kenntnis der örtlichen politischen Ränkesysteme war. […] Mangelnder Einfluss ließe sich nur durch einen Überfluss an Wissen wettmachen...“

Wir schreiben das Jahr 1796. Die französischen Revolutionstruppen stehen am Rhein. Bei Bonn kehrt Henri Benoit de Montfort, der als Mönch gekleidet ist, in ein Gasthaus ein. Dort benimmt sich gerade Herr von Hatzfeld daneben. Er macht einer Magd klar, was er von ihr erwartet.
Auf dem Gut des Freiherrn von Hallberg-Broich und Attenbach bittet Johanna ihren Vater, einen der Pächter die Abgaben zu erlassen. Auf dessen Hof hat es gebrannt.
Henri darf im Kloster übernachten. Dort tritt er allerdings auch auf Markus von Hatzfeld.
Die Autorin hat einen spannenden und abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Sie lässt die Verhältnisse während des Kampfes am Rhein sehr lebendig werden. Rechtsrheinisch gelten die alten Regeln, linksrheinisch setzen die Franzosen die Prinzipien der Revolution durch.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Die französischen Einschübe stören dabei nicht. Sie geben der Handlung ihre Authentizität.
Gut charakterisiert werden die Protagonisten. Johanna ist eine selbstbewusste junge Frau. Den Heiratsplänen ihrer Mutter steht sie ablehnend gegenüber. Ihr Vater hat ihr viele Freiheiten gelassen. Ihre gediegene Bildung verdankt sie einen Hauslehrer, mit dem sie noch im Briefwechsel steht. Das Eingangszitat bezieht sich darauf.
Henri ist aus der französischen Armee desertiert. Warum, entschließt sich im Laufe der Handlung. Auf ihn wartet eine ungewisse Zukunft. Gleichzeitig flammt immer wieder seine tiefe Traue auf.
Eine der Nebenfiguren gehört besonders erwähnt. Das ist der Mönch Ignatius. Der hat den christlichen Glauben im wahrsten Sinne des Wortes verinnerlicht. Er tritt jedem freundlich gegenüber, hat keine Vorurteile, sondern ein offenes Ohr für die Sorgen seines Nächsten. Er ist derjenige, der Henri in schwierigen Situationen ein Fürsprecher ist und ihm zur Seite steht. Im Gespräch sagt er folgenden Satz:

„...ich hätte dir auch geholfen, wenn du keine Kutte getragen hättest. So steht es in unseren Büchern geschrieben...“

Deutlich wird, dass es selbst in Adelskreisen unterschiedliche Einstellungen gibt. Während Johannas Vater für einen aktiven Kampf gegen die Franzosen ist, übt sich Herr von Hatzfeld im Stillhalten. Weitaus schwieriger aber das Verhalten seines Sohnes Herrmann einzuschätzen. Er fühlt sich vom Vater hinter Markus zurückgesetzt und nimmt gern das Recht in die eigene Hand.
Am Beispiel der Familie Pauls erhalte ich einen Einblick in das schwere Leben der Pächter. Sie kämpfen um das tägliche Brot. Glücklicherweise gibt es während der Weinlese im Kloster Verdienstmöglichkeiten für die Jungen.
Ab und an verwendet Henri an passende Stelle Zitat von Voltaire. Eines davon ist.

„...Die Verleumdung ist schnell, und die Wahrheit langsam...“

Schön ausgearbeitete Gespräche, die einen Einblick in die Gefühlslage der Protagonisten geben, gehören zu den stilistischen Feinheiten.
Ein Personenregister und Anmerkungen ergänzen das Buch.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen.