Land im Sturm

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2018, Titel: 'Land im Sturm', Originalausgabe

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Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich - und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Deutsche Revolution miterleben ...

Land im Sturm

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Letzte Kommentare:
25.10.2018 11:15:21
Nick Coll

Der neue Roman von Ulf Schiewe „Land in Sturm“ ist interessant und spannend zugleich, dass man sich mitgerissen fühlt und nur so durch die 900 Seiten und 900 Jahre fliegt, sodass man sich am Ende wünscht, die weitere Entwicklung der Geschichte mitzuerleben.

Der Schreibstil des Autors ist sehr angenehm und gut zu lesen. Die Charaktere jedes Buchabschnittes sind sehr gut ausgearbeitet, Freud‘ und Leid liegen oft nah beieinander, Angst, Schicksalsschläge und Kriege bestimmen immer wieder manches Leben. Es sind dramatische Ereignisse und Entwicklungen, die einen großen Raum in jedem von 5 Teilen des Romans einnehmen und mich sehr gefesselt haben. Ulf Schiewe hat hier wirklich sehr gut recherchiert, man merkt die Arbeit, die er sich für dieses Buch gemacht hat.

Mir hat es gefallen, wie die Handlung um Arnulf, Hedwig oder andere Protagonisten in jeden geschichtlichen Rahmen der Zeit eingefügt wurde, ob es um den Krieg gegen Ungarn oder um die beginnende Industrialisierung mit dem Eisenbahnbau ging; kriegerische Auseinandersetzungen im Land der Wenden oder das Leben in Preußen bilden eine tolle Kulisse für die persönlichen Schicksale der Figuren.

Es ist selten, dass in einem historischen Roman die Kulissen und Schauplätze, die Handlung und sogar die Charaktere und Protagonisten gleichermaßen beeindrucken und polarisieren. Die fünf Teile sind durch Vertreter einiger Familien (Schmitt, von Billung, von Falkenberg), denen wir in den verschiedenen Generationen immer wieder begegnen, in ein Großes verbunden. Und ein kleiner Augenzeuge aller Schicksale, Umbrüche, Fortschritte, Rückschläge und Freundschaften — ein alter krummer ungarischer Säbel.

Insgesamt hat mir das Buch wirklich sehr gut gefallen, nun will ich auch andere Romane des Autors lesen.

06.10.2018 18:11:01
kessi67

Klappentext

Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich - und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Deutsche Revolution miterleben ...



Zum Inhalt:

Dieser grandiose historische Roman ist in fünf Teile unterteilt, die jeweils in unterschiedlichen Epochen der deutschen Geschichte spielen.

Beginnend im Jahr 955 in Bayern mit Arnulf. Dieser wird beschuldigt, sich an einer jungen Frau vergriffen zu haben. Bei der Entdeckung, dieser angeblichen Tat, komm es zu einem dramatischen Zwischenfall. Arnulf dem jungen Schmied, bleibt nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen. Und damit beginnt die Wanderung durch die Epochen.

Arnulf rettet bei der Belagerung von Augsburg Ewalt von Bulling das Leben. Auch seine Familie, so wie noch ein paar andere, kann der Leser über die Jahrhunderte begleiten.

Angefangen mit der großen Schlacht König Ottos gegen die Ungarn. Eine wahre Meisterleistung, wie Otto mit seinem Heer sich den Ungarn gegenüber stellte, die Ungarn vernichtete und den kläglichen Rest in die Flucht geschlagen hatte.

Gefolgt von den Kriegen der Wenden, wo man die Anfänge der heutigen Hansestadt Lübeck verfolgen kann.

500 Jahre später befinden sich die neuen Generationen der bekannten Familien mitten im vernichteten Deutschland, wo der dreißig jähriger Krieg bald ein Ende haben wird. Eine spannende und zugleich grausame Zeit, in der sinnlos so viele Menschen ihr Leben lassen mussten.

Zuletzt das Jahrhundert im preußischen Reich, der Krieg Napoleons und dem preußischen Konig , die Revolutionen und wie die deutsche Geschichte eine Wendung nahm.



Meine Meinung:

Ulf Schiefe ist ein Meister seines Faches. Wie vom Autor gewohnt, ist alles enthalten. Angefangen mit einer enormen Spannung, die historisch belegten Hintergründe, die mein Wissen um einiges bereichert haben. Die Gabe, die Schlachten und Kriege über die Jahrhunderte hinweg, so bildhaft zu beschreiben, dass man das Interesse nicht verliert, ist grandios.

Ich kann mit meiner Rezension nicht dem gerecht werden, was Ulf Schiefe mit diesem fast tausend seitigen Roman geleistet hat.

Ein interessantes Werk, welches mir großes Lesevergnügen bereitet hat.

06.10.2018 15:24:43
mabuerele

„...Der junge Arnulf, Sohn eines Hufschmieds im Welschen, ahnt an jenem Sommerabend des Jahres 955 noch nicht, was ihm bevorsteht. […] Wir befinden uns in den Alpen, genauer gesagt: im unteren Inntal, durch das die alte Römerstraße flussaufwärts bis Innsbruck führt […] Es ist Ende Juni, die Heumahd ist eingebracht.[...] An diesem Abend begeht die Dorfgemeinschaft wie jedes Jahr das Johannisfest. […] Und damit beginnt die Geschichte...“

Das Eingangszitat stammt aus dem kursiven Vorwort zum ersten Kapitel des Romans. Arnulf und Hedwig sind die Protagonisten dieses Teils. Doch nicht nur ihre Nachkommen darf ich durch tausend Jahre deutscher Geschichte begleiten.
Der Autor hat einen spannenden und abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. In fünf Kapitel blättert er fünf Stationen deutscher Geschichte auf. Es beginnt mit dem Einfall der Ungarn und setzt sich fort mit dem Kampf gegen die Wenden im Jahre 1146. Danach folgen der Dreißigjährige Krieg, der Napoleonfeldzug und zum Schluss die Revolution im Jahre 1848.
Der Schriftstil ist ausgereift. Jedes Kapitel beginnt mit einer kursiven Einleitung, die auf das eigentliche Thema hinführt. Die geschichtlichen Zusammenhänge werden in ihrer Wirkung auf die Menschen ihrer Zeit dargestellt.
Im ersten Kapitel muss Arnulf aus seiner Heimat fliehen. Unterwegs trifft er auf Hedwig, die von ungarischen Söldnern vergewaltigt wurde und fliehen konnte. In Augsburg ist er Teil des Kampfes gegen die Ungarn. Treffender wie das folgende Zitat kann man die Befindlichkeit der Verteidiger nicht beschreiben:

„...Ganz gleich, wie tapfer sie sich gaben, die Angst ritt mit...“

Im zweiten Teil leben Arnulfs Nachkommen, die Brüder Arnulf und Gero, in Lümburg. Auch sie sind wieder Schmiede. Doch nach einer Auseinandersetzung in der Kneipe mit fremden Söldnern wird Schmiede und Haus ein Opfer der Flammen. Die Familie geht zur Schwester Irmgard nach Lübeck. Neben dem Leben in der Stadt wird hier auch der Handel über die Ostsee thematisiert. Wieder aber wird ein Krieg das Leben zerstören. Der erst 18jähige Heinrich, den man später Heinrich den Löwen nennen wird, plant einen Feldzug gegen die Wenden. Die aber sind schneller und machen Lübeck fast den Erdboden gleich. Auf die einheimische Bevölkerung nimmt keiner Rücksicht. Mord, Totschlag und Vergewaltigung sind an er Tagesordnung. Glücklicherweise konnte sich die Familie rechtzeitig in den Wald retten.Irmgard stellt angesichts der brennenden Stadt die richtige Frage.

„...Und deshalb müssen die armen Leute da drüben sterben? Nur damit er Adolf zeigen kann, was er für ein Kerl ist?...“

1647 befinden wir uns fast am Ende des Dreißigjährigen Krieges. Das Land ist ausgeblutet. Jeder kämpft gegen jeden und wechselt mal schnell die Seite, wenn der andere besser bezahlt. Hunger und Seuchen sind an der Tagesordnung. Ein junger Schmied kämpft in den Reihen von Ewalt von Billung. Der aber will sich nach einem gelungenen Husarenstück in die Heimat absetzen. Detailgenau beschreibt der Autor, auf welche Verhältnisse sie auf ihren Weg in den Norden treffen. Die Menschheit hat immer noch nichts dazugelernt. Wieder säumen die Folgen der Gräuel ihren Weg. Das folgende Zitat sieht die Lage sarkastisch.

„...Im Krieg ist es immer noch besser, ein Wolf zu sein als ein Lamm...“

Im Jahre 1813 steht eine junge Frau im Mittelpunkt der Erzählung. Sie ist die Tochter eines Schmiedes. Selbstbewusst geht sie ihren Weg. Mit Jakob, einem jüdischen Journalisten, diskutiert sie über die Zeitverhältnisse. Dann lernt sie Ewalt von Billung kennen. Er wirbt behutsam um sie. Doch Preußen wird gegen Napoleon in den Krieg ziehen. Hat ihre Liebe eine Zukunft?

Im letzten Teil begegne ich Hedwig und ihren Bruder Gero wieder. Beide haben die Gunst der Stunde genutzt und aus der einstigen Schmiede ein florierendes Industrieunternehmen gemacht. Jetzt aber werden die Zeiten härter, denn im Volk brodelt es. Hedwigs Sohn Ewalt ist Ingenieur und tüftelt an einer verbesserten Lokomotive. Im Gespräch mit Hedwig sieht Jakob fast vorausschauend in die Zukunft.

„...Diese Begeisterung für alles Deutsche und alles Nationale geht mir zu weit. Und dann wird gern über den Erbfeind Frankreich gefaselt, Germania und die Wacht am Rhein. Ich halte das für gefährlich...“

Interessant finde ich die Diskussionen zwischen Aaron, Jakobs Sohn, und Ewalt. Ewalt ist durchaus neuen Gedanken gegenüber aufgeschlossen und sich bewusst, dass er als zukünftiger Fabrikbesitzer Verantwortung für seine Arbeiter hat. Aaron genügt das nicht. Er träumt von der Herrschaft der Arbeiter.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Geschickt vermittelt der Autor anhand persönlicher Schicksale, wie grausam der Krieg ist. Über tausend Jahre hat er immer wieder in das Leben der Menschen eingegriffen, weil die Gier nach Macht und Reichtum die Triebkraft des Handelns war.

18.09.2018 16:12:40
Venatrix

Der für seine fesselnden historischen Romane bekannte Autor Ulf Schiewe beschenkt seine Leser wieder mit einem opulenten knapp 1.000 Seiten umfassenden Werk.
In fünf Epochen wird an Hand miteinander verknüpfter Familiengeschichten das Werden Deutschlands erzählt.
Die fünf Zeitabschnitte sind:

• Die Ungarn
• Die Wenden
• Der große Krieg
• Napoleon und Preußen
• Revolution

Der zeitliche Bogen spannt sich von 995 n. Chr. bis zur Revolution 1848. Wir erhalten Einblick in die verschiedenen Stände, lernen die Willkür der Adeligen kennen und begeben uns häufig auf Kriegsschauplätze.

Gleich zu Beginn gerät ein ungarischer Säbel in die Familie des Schmiedes Arnulf, der Generation für Generation weitergegeben wird.

Wir lernen auch Familienmitglieder, ob adelig oder nicht, kennen, die es mit der Wahrheit und dem Einhalten des 8. Gebotes (Du sollst nicht stehlen) nicht ganz so eng sehen. So basiert der Reichtum der Familie Fischer von 1848 auf einem Diebstahl von früher.
Auch das Vermögen derer von Billung hat mit dem Entwenden einer Regimentskasse zu tun.

Meine Meinung:

In seinem unnachahmlichen, bildhaften Schreibstil können die Leser den Schlachtenlärm und das Schreien der Verwundeten hören. Der Geruch von Lagerfeuern, abgefackelten Gebäuden und letztlich der Lokomotiven ziehen sich durch die Geschichte. Der ungarische Säbel zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Deutschlands, die ja durchwegs eine Aneinanderreihung von Kriegen ist. Ganz subtil wird hier historisches Wissen vermittelt. Der Leser, der in der dramatischen Geschichte gefesselt ist, merkt das im Allgemeinen fast gar nicht.

Die Charaktere der einzelnen Protagonisten sind liebevoll gestaltet. Sie alle haben ihre Ecken und Kanten, manchmal echte Macken. Wir erleben diese Figuren in einem bestens recherchierten historischen Kontext, der einen besonderen Einblick in die jeweilige Lebensart gibt. Vom kleinen Schmied auf einer Burg bis hin zum Großindustriellen reicht die Spannweite.

Sehr gut gefällt mir, dass die Frauengestalten teilweise ziemlich aufmüpfig sind. Sie lassen sich wenig bieten – weder vom Ehemann noch von der Herrschaft. Einige nehmen ihr Leben selbst in die Hand und pfeifen auf Konventionen. Hier ist besonders Gisela Fischer zu erwähnen, die obwohl Tochter des reichen Fabrikanten 1848 mithilft, Barrikaden zu bauen.

Fazit:

Ein opulenter historischer Roman, der die Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

08.09.2018 16:46:40
tigerbea

Ulf Schiewe hat hier ein sehr außergewöhnliches Buch geschrieben. Es behandelt die Jahre 925 bis 1848 in Deutschland. Aufgeteilt ist diese immense Zeitspanne in 5 Kapitel und wird durch verschiedene Peronen dargestellt, die alle ihren familiären Ursprung in der vorher behandelten Zeit haben.

Dieses außergewöhnliche Projekt ist dem Autor wieder einmal rundum gelungen. Hier werden, wie man es bei ihm gewohnt ist, wahre geschichtliche Hintergründe mit verschiedenen Charakteren dargestellt, die teils fiktiv, teils real sind. Man kann sich hervorragend in diese Charaktere hinein denken, denn Ulf Schiewe hat einen einmalig guten Stil, deren Handlungen und Meinungen darzustellen. Dadurch, daß sich die einzelnen Familien im Laufe der Jahrzehnte immer wieder begegnen, läuft ein gut ausgearbeiteter roter Faden durch die Handlung und man hat das Gefühl, hier wirklich wie in einer Chronik die Familie zu verfolgen. Man bekommt eine innere Verbundenheit mit den Personen und lebt ihr Leben intensiv mit. Die damalige Zeit wird auch in diesem Buch wieder sehr gut dargestellt. Man erlebt die Sorgen und Nöte hautnah und zittert zu Kriegszeiten richtig mit. Denn gerade die Kriegsszenen gehen hier extrem unter die Haut, da sie wirklich realistisch und nicht geschönt geschrieben sind. Halt "aus dem Leben gegriffen".  Als Ausgleich dazu sind die gefühlvollen Szenen dann wieder pure Erholung. Gekonnt vermittelt der Autor hier neues, bisher eher unbekanntes Wissen über das Deutschland in diesen Jahrhunderten, so daß man zum guten Schluß das Buch zuklappt und sich denkt: "Wieder etwas dazugelernt!". Man kann sich vorstellen, wieviel Arbeit Ulf Schiewe in sein Buch investiert hat, denn die Recherchen dazu waren mit Sicherheit sehr umfangreich und zeitintensiv. Da merkt man die Liebe des Autors zu seinen Büchern!

04.09.2018 14:14:35
leseratte1310

Es ist ein ungewöhnliches Buch, das uns der Autor Ulf Schiewe hier geliefert hat. Wir hüpfen einmal durch die deutsche Geschichte, beginnend im Jahre 995 und endend im 19, Jahrhundert.
Alles beginnt mit dem jungen Schmied Arnulf, der auf eine schöne Frau reingefallen ist und von ihr verraten wurde. Auf seiner Flucht trifft er Hedwig, die von den Ungarn verschleppt, aber entkommen ist. Sie ziehen nach Augsburg und geraten in die Ereignisse um König Ottos Lechfeld-Schlacht.
Im 12. Jahrhundert lernen wir die Nachkommen von Arnulf und Hedi kennen und wieder geraten sie in eine kriegerische Auseinandersetzung, der Wendenkreuzzug findet statt.
Danach gibt es einen großen Sprung ins die Zeit des „Dreißigjährigen Krieges“, als Ewalt von Billung sich mit Jan van Werth anlegt.
Auch im 19. Jahrhundert Zeit begegnet Hedwig Schmitt dem jungen Freiherrn Ewalt von Billung. Doch ihnen ist kein langes Glück beschieden, denn es gibt wieder Krieg. Man will sich von Napoleon befreien.
Die kleine Schmiede der Schmitts ist zu den angesehenen Schmitt-Werken geworden. Nicht nur die politischen Verhältnisse machen Schwierigkeiten, es gibt auch noch einen rücksichtslosen Konkurrenten.
Das Verbindende bei diesen Geschichten ist, dass es sich über die vielen Jahre um Mitglieder der gleichen Familien handelt. Es tauchten auch immer wieder die gleichen Namen auf. Dazu kommt ein Säbel, der einst einem Ungar gehört hat und innerhalb der Familie weitgegeben und in Ehren gehalten wurde.
Ich mag die Bücher des Autors, der es auf eine ganz besondere Weise schafft, historisches Wissen in unterhaltenden Geschichten zu verpacken. Das ist auch in diesem Buch wieder gut gelungen und doch war ich immer etwas zwiespältig, denn kaum hatte ich die Protagonisten kennengelernt, musste ich auch schon wieder loslassen und mit ihren Nachkommen vorliebnehmen. Dabei hätte ich über jeden Einzelnen gerne noch mehr erfahren. Trotzdem hat wir dieser „Wälzer“ mit über 900 Seiten sehr gut gefallen.
In jedem Abschnitt gab es Personen, die einem gleich sympathisch waren und mit denen man gefiebert hat. Aber immer war da auch ein Gegenspieler, bei dem man am liebsten selber den genannten Säbel benutzt hätte.
Es gab viele kriegerische Auseinandersetzungen und es wurde mir noch einmal bewusst, wie viel Hin und Her es über die Jahrhunderte gegeben hat und wie viele unterschiedliche Interessen, Bündnisse, Kriege und Revolutionen es gab, bis sich unser heutiges Deutschland gebildet hat. Da fragt man sich doch glatt: Ist man überhaupt deutsch?
Sehr schön fand ich auch die Anfänge der Eisenbahn und der beginnenden Industrialisierung beschrieben.
Ich kann diesen unterhaltsamen und spannenden historischen Roman nur empfehlen.

03.09.2018 13:33:44
Gelinde

Land im Sturm, von Ulf Schiewe

Cover:
Passend zu einem historischen Roman.

Inhalt:
Eine Reise durch Deutschland, von 925 bis 1848.
Aufgeteilt in 5 Abschnitte.
Eine unglaubliche Zeitspanne in der wichtige Etappen geschildert werden.
Aus der Sicht „normaler“ Menschen, die sich immer wieder auf frühere Generationen zurückführen lassen, werden die Ereignisse geschildert und beleuchtet.

Meine Meinung:
Der Autor versteht es einzigartig, geschichtliche Fakten und Ereignisse, mit Menschen und deren Denken und Handeln zu verbinden.
Vor allem hier, da es über so einen langen Zeitraum geht ist es unglaublich super gemacht, dass sich die Familien immer wieder begegnen und über den Weg laufen. Sich treffen, verbinden und wieder verlieren.
Dadurch ist ein Bogen durch das ganze Buch gespannt, quasi ein roter Faden der sich durch die Geschichte zieht – echt klasse gemacht.
Die Lebensumstände, die Handlungen, Gefühle und Beweggründe werden so realistisch, bildlich und „normal“ geschildert, dass ich mich als Leser mitten unter den Protagonisten fühle.
Klar werden hier die bewegten Zeiten, u.a. Krieg und Revolution beschrieben, und da gibt es dann eben einige Kampfhandlungen und grausame Zeiten.
Es gibt viele geschichtliche Punkte die ich wieder neue gelernt habe.

Aber auch das Herz und die Emotionen (Liebesgeschichten) haben ihren Raum und freuen mich beim Lesen.

Autor:
Ulf Schiewe, geb. 1947, war seit frühester Jugend eine Leseratte. Im Lauf der Jahre erwuchs daraus der Wunsch, selber große historische Romane zu schreiben.
Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

Mein Fazit:
Mit seinen 900 Seiten ein unglaublich toller Schmöker, in dem wir viel über die Geschichte von Deutschland erfahren, aber auch nach Herzenslust mit den Protagonisten bangen und fiebern können und ihren Alltag erleben und bewältigen.
Von mir eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.

03.09.2018 11:03:07
Thommy28

Fünf historische Happen - als „Appetizer“ ganz nett

Einen kleinen Einblick in die Handlung (mit Schwerpunkt auf dem ersten Abschnitt des Buches) findet der Leser hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:

Das gut 900 Seiten starke Buch in in 5 Abschnitte unterteilt. Die Abschnitte sind jeweils in 7 bis 9 kurze, knackige Kapitel unterteilt.

Die Abschnitte sind jeweils einem Zeitpunkt gewidmet, den der Autor für einen wesentlichen Zeitpunkt in der deutschen Geschichte erachtet. Es sind dies :

Abschnitt 1 angesiedelt im 10.Jahrhundert zur Zeit König Ottos und er Schlacht auf dem Lechfeld
Abschnitt 2 angesiedelt im 12. Jahrhundert zur Zeit des sogenannten „Kreuzzuges gegen die Wenden“
Abschnitt 3 angesiedelt im 17. Jahrhundert zur Zeit des „Dreißigjährigen Krieges“
Abschnitt 4 und 5 angesiedelt im 19. Jahrhundert zur Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon und der revolutionären deutschen Einheitsbewegung

In allen Abschnitten gibt der Autor einen sehr schönen und detaillierten Überblick über die jeweilige Zeit und das damalige Geschehen bevor die eigentliche Erzählung beginnt.

.Im Anschluss folgen recht kurze, fiktive Geschichten, die in dem jeweiligen Zeitraum spielen und das Leben und die Lebensumstände wunderbar darstellen. Dabei wechseln natürlich von Abschnitt zu Abschnitt die Protagonisten. Dabei handelt es sich überwiegend um fiktive Personen, gelegentlich werden aber auch für den jeweiligen Zeitraum wichtige tatsächliche Personen integriert - oder zumindest erzählerisch erwähnt. Eine Klammer zwischen den zeitlich doch sehr auseinander driftenden Abschnitten versucht der Autor durch ein Artefakt (einen Säbel) und durch Familienbande und Namensgleichheiten herzustellen. Das ist aus meiner Sicht - bis auf die letzten 2 Abschnitte - nicht gelungen. Ich habe sogar das Bemühen um Namensgleichheiten eher als hinderlich empfunden, weil ich für die Person ja ein Bild im Kopf hatte, das dann - hunderte Jahre später - erstmal wieder aus dem Kopf musste um einem neuen Bild und einer völlig neuen Person Platz zu machen.

Um das Buch nicht „ausufern“ zu lassen, mussten die einzelnen Geschichten natürlich ziemlich kurz gehalten werden und sie brechen leider immer sehr abrupt ab. Das hat bei mir ein Gefühl von Enttäuschung, hervorgerufen. Da hatte man sich gerade mit den Protagonisten angefreundet, der Funke war übergesprungen, die Flamme der Lesefreude begann aufzuflackern - da wurde sie auch schon ausgeblasen! Sehr schade!

Die kurzen Geschichten (im Schnitt „Heftchenformat“ von ca. 180 Seiten) waren von unterschiedlicher Qualität; mal mit viel Kampfgetümmel, mal mit leicht kitschiger Liebesgeschichte, mal mit einer Räubergeschichte usw.! Die Schreibweise war aber immer gut, leicht und flüssig zu lesen und vermittelte ein schönes Zeitgefühl. Die Verbindung bzw. schriftstellerische Ausprägung zwischen der fiktiven Erzählung und dem tatsächlichen, wichtigen historischen Ereignis war mal gut ausgeprägt (z.B. in dem letzten Abschnitt des Buches), mal wenig bis fast garnicht spürbar.

Das Gesamtkonzept des Buches einen Zeitraum von fast 1000 Jahren durch einzelne Kurzgeschichten abzuhandeln, hat mir nicht gefallen. Ich hätte es vorgezogen länger in der jeweiligen Zeit zu bleiben und den Werdegang der einzelnen Protagonisten weiter zu verfolgen. Eine Buchreihe wäre für meinen Geschmack die bessere Wahl gewesen.

Das Buch ist nicht schlecht, kann aber mit den übrigen Büchern des Autors - sicher auch konzeptionsbedingt - nicht mithalten.