Die Bücherjäger

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2018, Titel: 'Die Bücherjäger', Originalausgabe

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Konstanz 1417: Poggio Bracciolini ist ein Meister im Aufstöbern antiker Texte - ein Bücherjäger, der sich in altehrwürdige Klosterbibliotheken einschleicht. In einem Bergkloster am Bodensee entdeckt er ein Buch, das an eine Kette gelegt ist. Doch kaum hat Poggio die ersten brisanten Zeilen entziffert, ist der Foliant verschwunden. Entschlossen nimmt der Bücherjäger die Verfolgung der Diebe auf. Denn wenn der Text in die falschen Hände gerät, wird er die gesamte abendländische Welt ins Wanken bringen.

Die Bücherjäger

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Letzte Kommentare:
22.02.2019 23:08:32
Teresa

Die Bücherjäger / Dirk Husemann - Buchbesprechung mit Überlegungen

Der Roman ist in erster Linie eine Liebeserklärung an Bücher und Wissen und erinnert an jene Zeiten vor der Erfindung des Buchdruckes, wo dieses sehr leicht verloren gehen konnte, das besonders, wenn die Inhalte gewissen Personen nicht genehm waren …

Poggio (eine bekannte historische Figur) und Protagonist dieses Romans gehört zu einer Gruppe von Menschen, die unabhängig von einander, eines verbindet. Sie alle versuchen Bücher und Wissen zu bewahren. Wer Bücher liebt und schätzt, dürfte sich daher mit der Hauptfigur leicht identifizieren können, es ist doch wirklich schlimm, wenn ein Bucheinband beschädigt wird, nur weil jemand um des "schnöden" Geldes willen oder für politische Pläne ein Buch stehlen will.

Bücher müssen in dieser Geschichte überhaupt einiges erleiden, zwei von ihnen landen regelrecht auf dem Scheiterhaufen - eine Art Feuerprobe … Ein weiteres Buch muss geopfert werden, um jemanden das Leben zu retten, und es war für mich eigentlich ein sehr berührender Moment, dass der Held, das ist Poggio wohl, dieses für ihn schwere Opfer bringt, also letztlich, das Leben eines Menschen doch höher schätzt, als ein Buch. Dieses Thema ist konsequent umgesetzt, die Rollen, die einigen historischen Akteuren hier zugeteilt werden, sind unter diesem Aspekt durchaus gut durchdacht und das Ende des Romans, das hier aber natürlich nicht verraten werde, eindeutig schlüssig.

Daneben bietet der Roman jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Themen und Hinweise. Da gibt es zum Beispiel eine heute sehr umbestrittene Theorie, die hier vorkommt, aber auch die naheliegende, doch in diesem Kontext gewöhnlich in der Forschung bisher nicht wirklich gestellte Frage, ob es denn tatsächlich die behauptete Katastrophe ist, wenn sie stimmen würde.
Eigentlich sind "Die Bücherjäger" ein sehr ernstes und philosophisches Buch, das allerdings mit viel (subtilen) Humor und dank abenteuerlicher und anderen unterhaltsamer Elemente als lockerer "Lese-Ritt" umgesetzt ist. Bei den humorvollen Stellen ist besonders hervorzugeben, dass die Komik keineswegs platt und durchaus angemessen eingesetzt wird.

Sehr deutlich ist das an den beiden Anfangsszenen zu erkennen. Wenn der Gegenpapst Johannes XXIII. (Baldassare Cossa) um sein Leben rennt, dann ist das zwar durchaus mit viel Komik dargestellt (gerade die Papstwürde ist hier besonders hinderlich, will doch jeder gesegnet werden etc.), nichtsdestoweniger werden jedoch die Situation und der Akteur, der zumindest im Roman zu Recht um sein Leben fürchtet, keineswegs dem Hohn und Spott preisgegeben.

In der zweiten Szene, die zeitgleich spielt, ist Poggio in Begleitung von Oswald von Wolkenstein zu einem Kloster unterwegs, wo er ein besonders Buch zu finden hofft. Auch diese Szene beginnt zunächst sehr komisch, denn Poggio ist von seinem Begleiter genervt, dessen Gesang - Oswald ist schließlich nicht nur Ritter, sondern auch ein bedeutender Minnesänger - ihm gehörig auf den Geist geht. Wenn aber wenig später beide über einen Abgrund müssen und Oswald dabei vorübergehend vor Furcht abschaltet und gerade deshalb abzustürzen droht, ist das keineswegs als eine spaßige Situation auf Kosten Oswalds umgesetzt, sondern die Lage, dass ein Mensch in Lebensgefahr schwebt, wird ernst genommen. Komisch wird es erst wieder, als beide das Kloster erreichen, und der Vorsteher erstaunt ist, dass dieser Weg überhaupt noch existiert, wo sein Kloster doch seit vielen Jahren über eine Straße von Bregenz aus erreichbar ist, die auch mit Fuhrwerk sehr leicht zu befahren ist.

Husemann mischt in seinem Roman mehrere Genres und Motive: ein historischer Hintergrund, wenn gleich mit einigen fiktiven Elementen, ein wenig Detektivgeschichte, ein wenig Liebesgeschichte, meistens geht es sehr abenteuerlich zu, einige Szenen erinnern an den Schelmenroman, auch die "Gothic Novels" lassen in einer Szene direkt grüßen, und Schauplätze wie Klöster, Burg, Bordell etc. verweisen darauf. Es gibt eine Männerfreundschaft, es gibt sehr, sehr böse Schurken, in den beiden ersten Rückblenden ergibt sich für Poggio, wenn gleich nur ansatzweise so etwas wie ein Entwicklungsroman.

An einigen Stellen geht es allerdings sehr brutal zu, wenn die beiden Handlanger (fiktive Figuren, deren Namen in die Literatur verweisen) des "Oberschurken" (eine historische Figur) agieren. Die sind nur böse und sadistisch, sie sind aber wie dieser Nebenfiguren. Die tatsächliche Brutalität wird wenigstens nicht vollständig gezeigt, sondern nur der Beginn, wenn diese Schurken auf ihre Opfer losgehen, dann wird weggeblendet oder entscheidende Details hinter die Kulissen verlegt.

Insgesamt sind "Die Bücherjäger" ein sehr abwechslungsreiches Buch, das eine Menge für unterschiedliche Leserinnen und Leser bietet und das jedenfalls gut unterhält, sowohl die, welche nur Unterhaltung suchen, aber auch die, welche etwas Tiefgang oder Entdeckungen, Zitate, Anspielungen oder Verweise lieben. "Die Bücherjäger" gehören zu jenen im 21. Jahrhundert äußerst seltenen historischen Romanen, die zum Nachdenken anregen, die Lust auf die Hinterfragung gängiger Sichten und der angeblich einzigen wahren Sicht machen und die zur selbständigen Auseinandersetzung und Weiterbeschäftigung mit einem Thema einladen.

Gerade Menschen, die geschichtlich tatsächlich versiert sind, dürfte der Roman sogar sehr gut gefallen, bietet er doch eine interessante Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen und Zugängen zur Geschiche wie Historizität, geschichtliche Fakten (Zuverlässlichkeit), geschichtliche Wertungen / Maßstäbe etc., nicht belehrend, aber sehr unterhaltsam.
Der Autor selbst beansprucht für sich keineswegs die Deutungshoheit. (Das hat er nicht notwendig.) Er tritt keineswegs mit dem ausdrücklichen Anspruch auf, die wahre Geschichte über das Konzil zu erzählen, sondern er selbst bezeichnet seine Geschichte als eine fiktive Episode zum Konzil von Konstanz, betont die Fiktivität der von ihm erzählten Geschichte über das Konzil von Konstanz also ausdrücklich. Wobei gerade seine fiktiven Details bei näherer Betrachtung zeigen, dass er mit historisch tatsächlich belegten Fakten sehr vertraut ist - also einer jener Autoren, die es sich leisten können, mit geschichtlichen Fakten eigenwillig umzugehen, gerade weil sie sich sehr gut mit Geschichte auskennen. Aufgrund seiner Geschichtskenntnisse kann sich Husemann ein Spiel mit den historischen Fakten oder dem, was dem Zeitgeist als Fakten gegolten hat, noch immer gilt oder heute gilt, erlauben. Dabei ist er durchwegs innovativ, wie auch in seinen anderen Buch, den "Seidendieben", das ich gelesen habe. Ist es dort der Bau der Haggia Sophia, wird in den "Büchernjägern" die Bedeutung des Konzils von Konstanz sehr einfallsreich auf die Schippe genommen und in ihrer tatsächlichen Bedeutung kritisch hinterfragt. Gerade für Menschen, die sich gerne ihre eigenen Meinung bilden und die kritisch denken und Spaß an einer Entdeckungsreise (im Sinne des "Was wäre wenn"),dürfte der Roman, sehr ergiebig sein.

Vor allem Leserinnen und Lesern, denen die eher philosophischen, aber kurzweiligen Romane des vielseitig gebildeten Schriftstellers Robert Löhr gefallen haben, könnte auch dieser Roman gut gefallen. Husemann ist zwar sprachlich keineswegs so versiert wie Löhr, abgesehen davon aber bietet er wie dieser eine gelungene Mischung aus Fiktion mit Tiefgang und Wissen aus unterschiedlichen Forschungsbereichen, das er sehr unterhaltsam und scheinbar leicht und kurzweilig aufbereitet.

Insofern ist sein Roman aber nichts für eine Leserschaft, die sich nur auf bequeme und unterhaltsame Weise "bilden". Diese wird wohl mit den "Bücherjägern" nicht viel anfangen können.
Mir selbst hat der Roman (wie auch "Die Seidendiebe" von Husemann) sehr gut gefallen, er war nicht nur gute Unterhaltung, wobei Handlung und Figuren trotz Komik und Kurzweil ernst genommen werden, sondern hatte auch einiges an interessanten Anspielungen und versteckten Hinweisen und "Zitaten" zu bieten. Außerdem - als ich fertig gelesen hatte, kamen mir eine ganze Menge Gedanken und Fragen - und es spricht für ein Buch, wenn es zum Nachdenken anregt ...

14.10.2018 19:16:37
Theo Körner

Die katholische Kirche tief gespalten, ein Papst und zwei Gegenpäpste ringen um die Macht im Gottesvolk: Mit einer Versammlung aller Kirchenoberen soll die Einheit wiederhergestellt werden: Alles das liegt rund 600 Jahre zurück und genau in diese Zeit nimmt der Autor Dirk Husemann die Leser seines Buches „Die Bücherjäger“ mit. Die Jahre des Konstanzer Konzils bilden einen bizarren Hintergrund für einen historischen Roman, der voller Spannung und Abenteuer steckt. Zur gut angelegten Dramaturgie der Geschichte gehört es, dass schon gleich zu Beginn ein Diebstahl für Aufsehen sorgt. Verschwunden ist ein Buch, dessen Inhalt, so viel kann verraten werden, zur Gefahr für bestimmte herrschende Kreise der damaligen Zeit werden könnte. Dass der Foliant, in einer Klosterbibliothek aus Sicherheitsgründen an eine Kette gelegt, nun plötzlich zu einem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden ist, als ein Vertrauter von einem der Gegenpäpste auftaucht, sorgt für weitere Brisanz.

Poggio heißt der Mann, der als Handschriften- oder auch Bücherjäger unterwegs ist, um alte oder auch vergessene Texte wieder neu im Umlauf zu bringen. Doch nicht nur der wertvolle Band ist nicht mehr an Ort und Stelle, auch der Begleiter Poggios und die einzige Nonne, die in dem Kloster lebt, sind wie vom Erdboden verschluckt. Da der Abt weiß, was das Bekanntwerden des wohl gehüteten Geheimnisses auslösen könnte, bittet er nun den Gast, das Buch wiederzufinden. Der macht sich natürlich prompt auf den Weg und ist schon gleich großen Gefahren ausgesetzt. Dabei muss er auch miterleben, dass sein Kompagnon, der Dichter und Minnesänger Oskar von Wolkenstein, nicht nur eigene Interessen im Sinn hat, sondern sich im Zweifelsfall nicht an Treueschwüre und Freundschaften hält.

Zudem zeigt sich auch schon bald, was es denn eigentlich mit der jungen Dame auf sich hat, die als Ordensfrau ein scheinbar so züchtiges Leben führt. Agnes, so ihr Name, hat eine durchaus bewegte Vergangenheit und da taucht dann auch bald die Frage auf, was sie mit dem Buch zu tun haben könnte.

Zu den Protagonisten des inzwischen vierten historischen Romans von Dirk Husemann gehört schließlich noch Baldassare Cossa. Als (Gegen-)Papst nannte er sich Johannes XXIII, wobei hier keine Irritationen aufkommen sollte, denn es gab bekanntermaßen später noch einmal einen Papst gleichen Namens, der von 1958 bis 1963 Pontifex war. Baldassare hat es – salopp gesagt – faustdick hinter den Ohren. Von ihm könnte auch der Spruch von einem der späteren Päpste stammen, der da meinte, dass man vor allem das hohe Amt doch genießen solle. Unter anderem anhand des aus Neapel stammenden Parvenü bietet der Autor Einblicke in das Gebaren und Treiben der Geistlichkeit, die an dem Konzil teilgenommen hat. Prüde geht sicherlich anders.
Poggio, dessen aufregende Biografie der Verfasser fesselnd schildert, muss indes nicht nur einmal um sein Leben fürchten und ist, was wesentlich zum Spannungsbogen des Buches gehört, auch ganz zum Schluss noch einmal äußerst brenzligen Situationen ausgesetzt.

Dirk Husemann überzeugt einmal mehr mit einer packenden Erzählkunst, die plastisch und prägnant das Leben im Mittelalter in Erinnerung ruft. Dabei geht er detailreich, aber ohne sich in Einzelheiten zu verlieren, auf Kampftechniken, Handwerkskunst und natürlich das Bibliothekswesen der damaligen Zeit ein. Leserfreundlich ist das Glossar am Ende des Buches, wo man beispielsweise findet, dass Onager früher eine bestimmte Art von Katapult war oder Hübscherlein eine Bezeichnung für Prostituierte darstellte. Hilfreich ist zudem eine Auflistung der handelnden Figuren, eine Kennzeichnung, welche wirklich existiert haben und welche nicht. Eine Kurzbeschreibung der wichtigsten Persönlichkeiten ist darüber hinaus eine Bereicherung für den gesamten Kontext.
Im Übrigen hat es auch eine besondere Note, dass das verschollene Buch offensichtlich Informationen mit fraglichem Wahrheitsgehalt aufweist. Das Mittelalter als ferner Spiegel: eine originelle Kombination.

27.07.2018 21:32:04
speedy208

Ach ja, ehe ich's vergesse: das Ende. Ich musste schmunzeln, weil es mir sehr bekannt vorkam. Warum? Weil ich so was Ähnliches für meinen historischen Roman auch gebraucht habe: 30 Jahre später, mit Sohn ins Abendrot reiten. Aber so schliesst sich wenigstens der Kreis einer gelungenen Story. Ich gratuliere dem Autor zur Idee, die ja die meine hätte sein können.

27.07.2018 21:20:15
speedy208

Mein 2.Buch von Dirk Husemann. Gefiel mir, habe ich trotz der 400 Seiten verschlungen. Warum? Ich nehme mal an, weil es atmosphärisch stimmig war: Süddeutschland, das Konstanzer Konzil, Mönche und Nonnen, Ritter und Könige - Geschichte (Mittelalter) zum Anfassen/-lesen!
Poggio und Baldassare - zwei Helden wie Pech und Schwefel, erinnerten mich irgendwie an Bud Spencer & Terence Hill (nur intellektueller).
Irritiert haben mich lediglich die 400 (unterschlagenen) Jahre. Klar, dass das erfunden war, aber hier beginnt eben die künstlerische Freiheit eines historischen Romanautors. Toll am Buch auch: das stimmige Cover, die eingeklappten Karten der Handlung, die Infos des Autors am Ende, die handelnden Personen.
Fern von Burgfräulein-Romantik, vermittelte das Buch einen Hauch "Realität" von Turnieren und Leben auf einer Burg bzw. den "Hort der Schätze" Bibliotheken.
Werde mich demnächst auf den "Elefanten für Karl" stürzen....passt irgendwie als Fortsetzung, wenn schon in diesem Buch an Karls Existenz gerüttelt wurde.

11.07.2018 00:16:29
Barbara Freudenthal

"Der Papst rannte" - Schon der erste Satz des neuen Romans von Dirk Husemann ist genial. Die Mischung aus Witz, Geschichte und Phantasie ist dem Autor in seinem vierten Werk noch besser gelungen als in seinen vorherigen Romanen. Sie sind spannend und lehrreich, entspannend und sprachlich literaturreif.

05.07.2018 18:43:41
Gina1627

Ein unglaublich fesselnder und faszinierender historischer Roman!
Jedes Mal, wenn man ein Buch öffnet, lernt man etwas!
(Chinesisches Sprichwort)
Poggio Bracciolinis Leidenschaft ist es alte ehrfürchtige Bücher aufzustöbern und ihre geheimen Botschaften und vergangenes Wissen zu entdecken. Seine neuen Recherchen führen ihn im Jahr 1417 in Begleitung von Oskar von Wolkenstein zum Bergkloster Sankt Flavius, wo ihn Schwester Agnes auf ein altes Buch aufmerksam macht, das an einer Kette hängt. Eine unglaubliche Geschichte offenbart sich ihm auf den ersten Seiten, die einigen Personen zum Verhängnis werden könnte und Vergangenes in einem anderen Licht erscheinen lässt. Entsetzen breitet sich bei Poggio aus, als am nächsten Tag der Foliant spurlos verschwunden ist. Eile ist jetzt geboten, denn großes Unheil könnte geschehen und Poggio macht sich auf die abenteuerliche Verfolgung der Diebe.

„Die Bücherjäger“ ist für mich das erste Buch aus der Feder von Dirk Husemann, dass ich von ihm gelesen habe und ich war sofort hingerissen von seiner wunderschönen, sehr bildhaften und zwischendurch auch lyrischen Erzählweise, die vollgepackt ist mit schmeichelnden Worten und gleichzeitig auch Ironie und Wortwitz. Der spannende Aufbau der Geschichte auf zwei Zeitebenen, die tolle düstere, entbehrungsreiche und gefahrvolle Atmosphäre und die einzigartigen Charaktere haben mich vollkommen in den Bann gezogen. Andauernd lief mein Kopfkino bei Poggios Suche nach dem Folianten, wenn er sich gegen Widersacher wehren, sich aus Notlagen befreien, um sein Leben kämpfen und seine Freunde retten musste. Unglaublich spannend und mit vielen unvorhersehbaren und genialen Wendungen weiß Dirk Husemann einen hier zu überraschen. Sehr besonders und ein tolles Stilmittel von ihm fand ich, den Erzählpart aus Poggios Vergangenheit mit der Überschrift eines „Stundenglases“ zu versehen.

Die vier charismatischen Protagonisten Poggio, Papst Johannes XXIII, genannt Baldassare, Oskar von Wolkenstein und Agnes von Mähren machen einen unglaublichen Reiz in der Geschichte aus. Lebensnah und glaubwürdig für die damalige Zeit ziehen sie einen mit all ihren Ecken und Kanten, Vorzügen, Lastern und Fehlern in den Bann. Poggio, mein Lieblingscharakter, ist ein selbstloser und unheimlich liebenswerter Mensch mit Herz und Verstand, der sein ganzes Leben lang anscheinend immer das richtige Quäntchen Glück hat. Als Sekretär von Baldassare ist er ein angesehener Mann und weiß seine, durch ihn gewonnenen Fähigkeiten, sehr gut einzusetzen. Überaus interessant ist auch Baldassares Charakter, der mehr wie ein gewitzter Filou und Intrigant, als einer der mächstigsten Kirchenmänner rüberkommt. Oskar von Wolkenstein verkörpert hier den Part der Menschen, deren Antrieb im Leben die Gier nach Macht und Reichtum ist. Ja, und Agnes ist die Frau, die mich durch ihre offene und selbstbewusste Art immer wieder zu überraschen weiß.
Unglaublich schön und mit einem mystischen Moment findet der Autor hier ein wunderschönes Ende für diese historische Reise.

Mein Fazit:

Mit „Die Bücherjäger“ hat Dirk Huseman in mir einen neuen Fan seiner Romane gewonnen. Ich war fasziniert von seiner fesselnden Schreib- und Erzählweise und habe die Jagd nach den alten Schriften mit faszinierenden Charakteren in einer unglaublich bildhaften Kulisse genossen. Sehr interessant fand ich noch die im Nachwort erwähnten geschichtlichen Grundlagen, Ideen und frei erfundenen Elemente des Buches. Für diesen sehr beeindruckenden historischen Roman vergebe ich eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne!

30.06.2018 13:38:20
PMelittaM

Konstanz 1417: Papst Johannes XXIII flieht während des Konzils, alle seine Begleiter werden dadurch vogelfrei. So auch Poggio Bracciolini, der davon nichts ahnt, da er gerade auf dem Weg in ein Kloster ist, um nach antiken Schriften zu suchen. Tatsächlich findet er ein Werk, das Ungeheuerliches enthüllt, und deshalb an die Kette gelegt wurde – und dann verschwindet das Buch und Poggio setzt sich auf seine Fährte.

Dirk Husemann hat mich schnell mit seiner Erzählkunst gepackt. Bereits der erste Satz zog mich unwiderstehlich in den Roman. Der Autor erzeugt plastische Bilder, mein Kopfkino hatte viel zu tun, er erzählt sehr lebhaft, spannend und bringt den Leser immer wieder zum Schmunzeln.

Nicht alles ist historisch korrekt, mal gibt es eine zeitliche Verschiebung, mal sind historische Persönlichkeiten im Spiel, die zu dieser Zeit eigentlich schon verstorben sind – dazu erklärt sich der Autor im Nachwort – doch das nimmt dem Roman nicht seinen Unterhaltungswert, dass er unterhaltsam ist, steht für mich außer Frage. Fans historischer Romane werden sich sowieso zusätzliche Informationen zum Geschehen und den Charakteren z. B. aus dem Internet holen.

Die Charaktere sind echte Typen, auch zu ihnen werden in meinem Kopf plastische Bilder erzeugt. Die vier Protagonisten, neben Poggio und dem Papst sind das Agnes von Mähren und Oswald von Wolkenstein, alle vier historische Persönlichkeiten, lernt man als Leser sehr gut kennen, mit all ihren Stärken und Schwächen, sie wirken authentisch, auch wenn, wie schon erwähnt, der Autor sich nicht immer an die historischen Tatsachen gehalten hat. Man baut schnell Sym- und Antipathien auf, fühlt mit ihnen, hadert mit ihnen – die Gefühlpalette beim Lesen ist groß.

Das brisante Thema, das sich in dem gestohlenen Buch versteckt, gibt es wirklich, man mag es kaum glauben, auch hierzu kann man sich durch Recherchieren Informationen holen. Thema, Charaktere und Geschehen hat der Autor gut aufeinander abgestimmt.

Sehr gut gefallen mir auch die Rückblicke (und eine Vorschau), die in mit „Stundenglas“ betitelten Abschnitten erzählt werden, hier erfährt man viel aus Poggios Vergangenheit und über sein Verhältnis zum Papst. Der Autor hat sie jeweils sehr passend in die Geschichte integriert, sie erhöhen das Verständnis des aktuellen Geschehens.

Wie es sich für einen guten historischen Roman gehört, gibt es auch hier Zusatzinhalte: Ein interessantes Nachwort, ein Glossar, ein Personenverzeichnis (mit Kenntlichmachung der historischen Persönlichkeiten) und eine Karte werten den Roman zusätzlich auf.

Mir hat dieser historische Roman sehr gut gefallen, er ist sehr unterhaltsam und spannend, toll erzählt und mit interessanten vielschichtigen Charakteren ausgestattet. Dirk Husemann werde ich mir merken, ich freue mich schon auf weitere Romane von ihm. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für alle Fans historischer Romane, für die es nicht unbedingt nötig ist, dass jede Szene historisch korrekt ist, solange der Autor sich dazu äußert. 88°