Die Rose der Leibköchin

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2006, Titel: 'Die Rose der Leibköchin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70
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Carsten Jaehner
Morde in der Kaiserstadt

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2007

Während sich die Stadt Aachen im Jahr 1376 für die Krönungsfeierlichkeiten schmückt, bei denen der junge Wenzel zum König ausgerufen werden soll, ist die junge Franziska als Köchin für den Tuchhändler Meister Schnidder tätig. Bei einem ihrer Spaziergänge findet sie zusammen mit einem neuen Gast des Hauses, dem Gaukler Joslin, eine tote Frau. Mitten im Gewühl der sich füllenden Stadt beschließt sie, den Fall aufzuklären.

Ihr zur Seite stehen die Mägde Suse und Maria, die ebenfalls bei Meister Schnidder arbeiten. Zudem lernt sie Thomas kennen, Neffe der beiden nebenan lebenden Witwen und ein gutaussehender Mann, der in Diensten der Gendarmerie steht. Er und Franziska scheinen sich bald besser zu verstehen, als es Franziska zunächst lieb ist. Schon bald finden Franziska und Suse den toten Gaukler in seinem Zimmer und so müssen sie ihn ohne Skandal verschwinden lassen. Bei sich trug er zwei Silberketten mit Initialen und jeweils einer Rose darauf. Es beginnt eine gefährliche Suche, bei der es um mehr geht, als Franziska es sich anfänglich auch nur erträumen konnte.

Gute Beschreibungen, wenig Spannung

Dagmar Schnabel hat mit ihrem Erstlingswerk einen Roman aus ihrer Heimatstadt Aachen geschrieben und man merkt ihm an, dass sie sich vor Ort gut auskennt. Detailreich und wortgewandt schildert sie die Stadt zur Zeit der Krönung des Königs Wenzel und auch die Krönungsfeierlichkeiten werden in bunten Farben dargestellt. Die sozialen Unterschiede der Stände werden fein gezeichnet, auch wenn sich die Protagonisten nicht unbedingt daran halten. Besonders die Zunft der Gerber spielt eine Rolle in den Beschreibungen, die den Leser gelegentlich die Nase rümpfen lassen.

Und dennoch mag irgendwie die richtige Spannung in dem Roman nicht aufkommen. Immer wieder verschlägt es die Handlung in Nebenschauplätze, die zwar ganz nett sind, das Geschehen aber nicht vorantreiben. Die Situationen wiederholen sich und das bringt auf Dauer mehr Desinteresse hervor als Gewohnheit. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, denn die Personen hätten eigentlich eine größere Vielfalt an Geschehnissen zugelassen.

Nette Charaktere, konstruierte Beziehungen

Neben Franziska, der jungen und agilen Köchin und Suse, der Magd, ist Maria, die eigentlich als fest angestellte Dienstfrau bei Meister Schnidder tätig ist und die sich mit Franziska auch anfänglich gar nicht gut versteht, eine der Hauptpersonen. Der Meister selbst taucht nur am Rande auf, im Gegensatz zu den beiden Nachbarswitwen, bei denen es im Hause wohl spukt und die damit Franziska in den Ohren hängen. Zudem wollen sie natürlich ihren Neffen mit Franziska verkuppeln. Das macht aus den beiden Alten zwei niedliche, aber nervige Personen, die der Geschichte zwar die nötigen Farbtupfer verleihen, dies aber leider allzu oft tun.

Die Charaktere insgesamt sind recht treffend gezeichnet. Bis in die kleinste Nebenrolle versteht es die Autorin, den Figuren glaubhaftes Leben einzuhauchen. Thomas ist ein etwas tumber, aber gutaussehender Stadtsoldat und daher Kandidat für eine Liebelei mit Franziska. Andreas Grever ist Gerber und ein alter Freund aus Kindertagen, den eine lange Freundschaft mit Franziska verbindet. Teil dieser Freundschaft ist ein unangenehmes Geheimnis aus Franziskas Vergangenheit, das ihr auf der Seele lastet und Schuld am Bruch mit ihrem Vater ist. Hier bekommt man das Gefühl, dass die Figur der Franziska etwas Geheimnisvolles bekommen muss, um die Geschichte etwas anrüchiger zu gestalten. Leider wirkt das doch zu konstruiert, um sich fließend in den übrigen Handlungsablauf einzufügen.

Wenige Überraschungen

Neben einer vor sich hin plätschernden Geschichte, die schließlich allzu plötzlich aufgelöst wird, sind es vor allem die wenig überraschenden Wendungen und altbekannten Klischees, die dem Leser das Gefühl geben, alles schon mal irgendwo gelesen zu haben. Dadurch wird der Roman sehr durchsichtig und wenig überraschend und es besteht die Gefahr, das Buch auch einmal länger liegen zu lassen.

Insgesamt ist gerade die Mischung aus Spannung des Kriminalromans und übriger Erzählung nicht überall gelungen. Der rote Faden wird zwischendurch immer mal wieder zugunsten von umsichtigen Nebenschauplätzen vergessen. Das ist schade, denn das Thema und die Auflösung hätten mehr Spannung durchaus vertragen können. Aber die Kulisse der Stadt Aachen birgt noch viel Raum für weitere kriminalistische Ausflüge.

Die Rose der Leibköchin

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