Die Teerose

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • , 2003, Titel: 'The Tea Rose', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Kirsten Lambeck
Flucht aus dem Londoner Arbeiterviertel

Buch-Rezension von Kirsten Lambeck Mai 2007

London 1888: Die Familie der jungen Fiona Finnegan lebt in Whitechapel, einem Arbeiterviertel im Eastend, von der Hand in den Mund. Fiona verdient in als Packerin in Burtons Teefabrik einen kargen Lohn und träumt gemeinsam mit ihrem Verlobten Joe, einem Gemüsehändler, von einer besseren Zukunft und einem eigenen Laden. Doch alles kommt anders: Fionas Vater, ein Arbeiterführer, stirbt bei einem fingierten Arbeitsunfall, die Mutter fällt dem berühmten Massenmörder Jack the Ripper zum Opfer. Zu allem Überfluss ist ihr Verlobter gezwungen, die Tochter eines Großhändlers zu heiraten. Als sie dann auch noch den Mördern ihres Vaters auf die Spur kommt, muss Fiona England gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Seamus verlassen.

Ein neues Leben in New York - und ein Teeimperium

Die Geschwister kommen zunächst bei einem Onkel unter, der in New York einen heruntergekommenen Laden führt. Die findige Fiona übernimmt das Geschäft und baut es langsam, aber sicher zum größten Teehandel der Stadt aus. Sie findet Freunde, Unterstützer und auch eine neue Liebe, doch sie schwört Rache an den Mördern ihres Vaters - der Konkurrenz von Burton Tea. Und die Liebe zu ihrem Jugendfreund Joe bleibt für immer unvergessen.

Plastische Schilderung des Alltags der Londoner Unterschichten

Die Teerose erweist sich als durchaus nicht nur kitschiger, sondern vor allem packender historischer Roman aus dem London des späten 19. Jahrhunderts. Die Autorin beschreibt plastisch und in einfacher, aber nie platter Sprache das Leben in den Armenvierteln und den Beginn der Arbeiterbewegung im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Teilweise scheint sie sich in den Schilderungen der sozialen und politischen Umstände der Zeit zu verlieren, was der Spannung jedoch nur selten einen Abbruch tut. Parallel zu Fionas Leben wird auch Joes Geschichte in London weitererzählt und auf den Höhepunkt, ein mögliches Wiedersehen nach vielen Jahren, hingeführt.

Sympathische Charaktere und der amerikanische Traum

Die Familie Finnegan, aber auch die anderen Personen sind liebevoll und ausführlich gezeichnet. Natürlich ist Fiona der Inbegiff des amerikanischen Traums, eine Selfmade-Frau, der es trotz übelester Schicksalsschläge unbeirrt gelingt, sich ein eigenes Handelsimperium aus dem Nichts aufzubauen. Aber ihre Beweggründe sind stets plausibel, ihre Handlungen nachvollziehbar. Joe dagegen wirkt manchmal blass und passiv.

Jack the Ripper wird zur Nebensache

Die Nebenhandlung um Jack the Ripper, dem Fionas Mutter zum Opfer fällt, tritt nicht zu sehr in den Vordergrund, verleiht der Geschichte aber einen Spannungsfaktor mehr. Insgesamt ist Jennifer Donnely mit diesem ersten Teil einer Trilogie ein spannender und sehr solide gemachter Roman aus der Zeit der Industrialisierung gelungen.

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