In Zeiten der Liebe und des Krieges

Erschienen: Februar 2018

Bibliographische Angaben

  • Pendo, 2018, Titel: 'In Zeiten der Liebe und des Krieges', Originalausgabe

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Annette Gloser
In Zeiten der Liebe und des Krieges

Buch-Rezension von Annette Gloser Aug 2019

Man schreibt das Jahr 1912 in Wien und der Familie Korff geht es gut, scheinbar. Die Firma wirft Gewinn ab, man hat ein Palais in der Stadt und eine wunderbare Sommervilla an der Donau. Der gutaussehende, erfolgreiche Ehemann Maxim mit seiner schönen, gebildeten Gattin Livia und dem vielversprechenden Sohn Philipp, sie sind der Inbegriff des gutsituierten Wiener Bürgertums. Doch hinter der schönen Fassade brodelt es. Livia, der eine eigene Karriere als Wissenschaftlerin verwehrt war, hat gemeinsam mit ihrem Mann die fachlichen Grundlagen des Erfolges geschaffen, hat über ihren Vater die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt, ist für die Eheschließung vom Judentum zum katholischen Glauben konvertiert. Mittlerweile hat sie nur noch einen Lebenszweck: Ihren Sohn. Denn Maxim interessiert sich nicht mehr für seine Frau. Gerade jetzt hat er es auf die Hausdame Katrin abgesehen und glaubt, dass die junge Frau die eine und einzige Liebe seines Lebens wäre. Katrin ist aber mit Maxims Chauffeur verlobt. Währenddessen hat die Jugend ihre eigenen Probleme, denn Maxims Nichte Alexandra und sein Sohn Philipp haben sich heftig ineinander verliebt, sehr zum Unwillen des Familienpatriarchen Julius, der alles tut, um das Pärchen auseinander zu halten.

Da erschüttert ein Mord die Wiener Gesellschaft und Maxim gerät in den Verdacht, daran beteiligt zu sein.

Ein schonungsloser Blick

Michael Wallner bereitet mit diesem Roman vor seinen Lesern ein opulentes Bild des Wiener Großbürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus. Das hat nichts mit zuckrigem Flair und schwülen Amouren zu tun. Der Blick auf diese Gesellschaft ist hart und schonungslos realistisch. Eine ganze Reihe von Männern und Frauen trägt auf den Romanseiten ihre Konflikte aus, verliebt sich, will geschäftlichen Erfolg, reibt sich an Problemen auf, verfällt in Depressionen oder ist auf der Suche nach dem großen Lebensglück. Dabei sind die weiblichen Protagonisten mit weitaus mehr Schwung und wesentlich akzentuierter dargestellt als die Herren der Schöpfung. Auch diese haben ihre Auftritte, ihre Auseinandersetzungen mit sich selbst oder anderen, aber die Damen stellen die Männer schnell in den Schatten und man spürt, wo die Sympathien des Autors liegen. Livia, Katrin und Alexandra, jede für sich und in der ihnen vom Leben zugewiesenen Rolle, sind klug, wollen mehr von ihrem Leben und rennen gegen die Mauern an, die ihnen von der Gesellschaft vor die Nase gesetzt werden. Sie unterwandern die Konventionen, von denen sie eingeengt werden und gehen zumindest zeitweise eigene Wege. Sie sind starke Charaktere, vielschichtig, gelegentlich widersprüchlich, spannend. Das Interesse der Leser ist ihnen gewiss und kein Mann in diesem Roman kommt dagegen an. Dabei lenkt Michael Wallner die Aufmerksamkeit des Lesers auf schwerwiegende Probleme, mit denen die Frauen jener Zeit zu kämpfen haben. Nicht zu vergessen der große Krieg, auf den die k.u.k. Monarchie zusteuert, der forciert wird von bestimmten militärischen Kreisen, eine reinigende Brise, um die Wirtschaft anzukurbeln und lange schwelende politische Konflikte zu beenden. Der Krieg spielt immer mit, dezent, im Hintergrund, nur auf wenigen Seiten drängt er sich nach vorne. Während vor Verdun tausende Soldaten in den Schützengräben verrecken, geht man in Wien weiter gerne ins Kaffeehaus, um ein Stückchen Torte zu essen.

Interessant und unterhaltsam

Michael Wallner stellt in den einzelnen Kapiteln immer wieder andere Protagonisten in den Mittelpunkt, gibt jedem eine Möglichkeit, sich zu äußern und seine Gedanken und die Motive für bestimmte Handlungen darzulegen. Dabei treibt die Handlung vom Jahr 1912 bis zum Kriegsende. Auch wenn der Spannungsbogen dabei gelegentlich etwas abflacht, so bleibt der Roman immer unterhaltsam und interessant. Der Roman spricht auch die Gefühle des Lesers an, seinen Gerechtigkeitssinn, sein Mitgefühl und seine Empörung über sinnlose Verbote und Einschränkungen für Frauen. Maxim Korff ist ein Protagonist, der wenig Sympathie finden dürfte, andere dagegen umso mehr. Es entsteht beim Lesen das Gefühl einer authentischen Atmosphäre, man verschwindet regelrecht in der Zeit und in der Geschichte, die hier erzählt wird. Kein Wunder, wenn man gelegentlich beim Lesen die Zeit vergisst. Am Ende möchte man gerne wissen, wie es weiter geht mit der Familie Korff und freut sich, dass es eine Fortsetzung gibt.

Fazit:

„In Zeiten der Liebe und des Krieges“ ist der gelungene Einstieg in eine Familien-Saga. Ein Roman, der in eine scheinbar goldene, in Wahrheit jedoch ziemlich spießige und beengte Welt zurück führt. Der Pendo Verlag hat das Buch mit Hardcover und einem Schutzumschlag ausgestattet, auf dem ein großartiges Originalfoto aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts den Leser auf den Roman einstimmt. Ganz bezaubernd altmodisch ist das Leinenbändchen, das als Lesezeichen dienen soll. Aber man braucht es kaum, denn wenn man einmal angefangen hat, dann hört man so schnell nicht wieder auf zu lesen. Ein Roman, nicht nur für Wien-Fans, aber für die ganz besonders.

In Zeiten der Liebe und des Krieges

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