Die ganze Welt ist Bühne

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Medu, 2016, Titel: 'Die ganze Welt ist Bühne', Originalausgabe

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Annette Gloser
Ein Junge, der ein Mädchen spielt, das einen Jungen spielt...

Buch-Rezension von Annette Gloser Jan 2018

Im Jahr 1595 ist es in England Frauen nicht erlaubt, auf der Bühne zu stehen. Zwar gibt es gerade in den Stücken Shakespeares wunderbare Frauenrollen, doch sie werden von Jungen gespielt. Judith träumt davon, selbst auf der Bühne zu stehen, in diese Rollen zu schlüpfen, diesen Phantasie-Frauen eine Seele zu geben. Aber in der Theatertruppe ihres Vaters ist sie für den Fundus zuständig und nichts anderes wird ihr je erlaubt sein. Allerdings darf sie soufflieren, darum kennt sie die Texte jeder einzelnen Rolle vermutlich besser als die Schauspieler selbst. Aber dann wird einer der Schauspieler verletzt und die Truppe hat einen wichtigen Auftritt. Es bleibt kein anderer Ausweg: Judith muss die Rolle spielen! Einmal nur, ein einziges Mal, so scheint es, erfüllt sich ihr Traum. Doch dann ergibt sich eine weitere Gelegenheit: Der Mäzen der Truppe holt sie auf sein Anwesen und noch einmal darf Judith eine Shakespeare- Rolle spielen. Dieser Abend wird ihr ganzes weiteres Leben bestimmen.

Hommage an Shakespeare

Schon der Titel dieses Romans, Die ganze Welt ist Bühne, ist ein Shakespeare-Zitat, entnommen dem Stück "Wie es euch gefällt". Und mit Zitaten aus Shakespeare-Stücken wird man regelrecht überhäuft wenn man diesen Roman liest. Immer wieder sprechen die Protagonisten des Romans nicht mit eigenen Worten, sondern drücken ihre Wünsche und Gefühle mit Passagen aus verschiedensten Shakespeare-Stücken aus. Das wirkt manchmal überzogen und etwas schwülstig, in anderen Situationen wieder berührt es den Leser sehr. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass man hier über eine junge Frau liest, die ihr Herz der Bühne verschrieben hat, die mit den Texten der Dramen und Komödien lebt und atmet. Und es erinnert den Leser daran, wie nahe gerade Shakespeares Stücke den menschlichen Gefühlen und Taten sind, selbst wenn sie in einer Phantasiewelt spielen. Im Gegensatz zu den gelegentlich überhöht wirkenden Zitaten steht die Erzählweise der Autorin, die ihre Geschichte in moderner Sprache einfach und geradlinig vorantreibt. Die Verwendung einer etwas moderneren Shakespeare-Übersetzung hätte diesen Gegensatz möglicherweise etwas gemildert, andererseits passen die Zitate in der verwendeten Form natürlich wunderbar zu der Zeit, in der dieser Roman spielt.

Immer wieder wird man als Leser mit den Moralvorstellungen des 16. Jahrhunderts konfrontiert, spürt die Enge, in der sich ein Frauenleben abspielte. Hier lernt man das Theater nicht als gehobene Unterhaltung kennen, sondern als den Rand der Gesellschaft, auf dem man sehr vorsichtig balancieren muss, um nicht vollends ausgestoßen zu werden.

Ein Leben für die Bühne

Judith, die Hauptprotagonistin des Romans, wird von ihrer Jugendzeit bis ins reife Alter begleitet. So bekommt der Leser einen tiefen Einblick in das Leben einer Theatertruppe zu Shakespeares Zeiten. Das reicht vom Kostümfundus über die Auswahl der Schauspieler bis hin zum Abhängigkeitsverhältnis gegenüber dem jeweiligen Mäzen. Auch die Erarbeitung der einzelnen Rollen kann man zum Teil miterleben. Hier spürt man deutlich auch die eigenen Erfahrungen der Autorin, die eine abgeschlossene Schauspielausbildung hat und unter anderem Theaterwissenschaft studierte.  Das sind auch die stärksten und interessantesten Passagen des Romans. Und besonders spannend wird es, wenn Judith wieder einmal die Chance bekommt, eine Rolle zu spielen. Oft genug gibt es in Shakespeares Stücken ja auch Hosenrollen und Judith, die als Mädchen ja nicht auf der Bühne stehen dürfte, spielt dann einen Jungen, der ein Mädchen spielt, das einen Jungen spielt... Das ist verwirrend, teilweise absurd, und könnte durchaus witzig sein, wenn es für die Heldin Judith nicht so traurig wäre.

Erika Brunner hat einige durchaus vielschichtige Protagonisten geschaffen, die mit ihren spannenden Charakteren die Geschichte bereichern. Und doch wünschte man sich oft, gerade über Judiths Gefühlsleben mehr zu erfahren. Immerhin ist sie die junge Frau mit den unerfüllten Träumen, die dennoch einen Weg findet, mit dem Theater zu leben und es mit dem, was sie geben darf, zu bereichern. Und Sir Edward, gerade der Mann, der Judith am meisten bedeutet, bleibt eher farblos und blutleer. Shakespeare selbst bekommt Gastauftritte, allerdings nur kurz. Damit bekommt die Handlung jedoch jeweils einen neuen Impuls und der Gastauftritt auch wirklich einen Sinn.

Die Geschichte einer starken Frau

Die ganze Welt ist Bühne ist ein interessanter Blick auf die Theaterwelt zu Shakespeares Zeiten. Der Roman erzählt eine Geschichte mit vielen Enttäuschungen und doch die Geschichte einer starken Frau. Er liest sich gut und flüssig, bietet immer wieder interessante Passagen, die vielen Shakespeare-Zitate sind jedoch Stolperfallen, mit denen man sich vermutlich als Leser erst einmal anfreunden muss, vor allem, wenn man den Inhalt der einzelnen Stücke nicht so ganz genau kennt. Gute Unterhaltung für ein verregnetes Wochenende und auf alle Fälle eine Anregung, mal wieder ins Theater zu gehen, am besten in eine Shakespeare-Aufführung.

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