Erben des Todes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2017, Titel: 'Erben des Todes', Originalausgabe

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Nicole Goersch
Ärgerliche Mogelpackung

Buch-Rezension von Nicole Goersch Dez 2017

"Kurz hintereinander sterben in einem Seniorenheim mehrere Menschen. Dem Zivildienstleistenden Franz Benedikt Zacher kommen die Todesfälle höchst seltsam vor. Er glaubt nicht, dass es sich dabei um eine zufällige Häufung handelt. Franz fängt an, sich näher für die verstorbenen Bewohner zu interessieren, bis er merkt, dass auch er Teil einer Intrige ist. Seine eigene Vergangenheit und die seiner Familie scheinen mit den Verstorbenen zusammenzuhängen."

So verspricht es zumindest der Klappentext dieses als "Kriminalromans" bezeichneten Buches. Allerdings bezieht sich diese Beschreibung auf höchstens die letzte Hälfte des Buches, eigentlich noch weniger. Zuvor masturbiert und flucht sich der Zivildienstleistende durch sein verkorkstes Leben.

Erinnerungsfetzen sind lose aneinandergereiht

Die Perspektive wechselt zwischen dem erwachsenen Franz Zacher und seinem kindlichen Pendant, das die Ferien immer bei den Großeltern in Mittenwald verbracht hat, bis der Großvater bei der Jagd erschossen und ihm die Zunge herausgeschnitten wird.  Dieser Mordfall scheint aber nichts mit der aktuellen Zeitebene zu tun zu haben. Zudem ist der Großvater ein paar Erinnerungen weiter wieder quietschfidel, ebenso wie die Großmutter, die zwei Jahre später im brennenden Haus stirbt.

Weiterhin sind die einzelnen Kapitelabschnitte ziemlich durcheinander und nicht chronologisch, als habe jemand einfach das, was ihm gerade an Erinnerungen eingefallen ist, niedergeschrieben. Das verwirrt, wenn nicht nur der tote Großvater wieder aufersteht, sondern auch von der Freundin des Ich-Erzählers die Rede ist, mit der er im nächsten Abschnitt auseinander ist und dann wenig später noch nicht zusammen (S. 49 ff.: Celine hat ihn verlassen und er trauert, dann S. 60 ff.: Szene, in der Celine ihn verlässt).

Viele Wortwiederholungen

Man gewinnt wirklich den Eindruck, dass der Autor entweder ein Wort besonders liebt und es deshalb so häufig benutzt oder aber, dass er sich nicht anders auszudrücken weiß. Zum Beispiel grinsen die Figuren "schadenfroh" zwischen den Seiten 54 und 63 insgesamt vier Mal, stochert und fuchtelt ein Heimbewohner mit seinem Stock drei Mal in der Luft herum (S. 46) oder zischt jemand einen anderen alle paar Sätze an (allein zwei Mal auf S. 147). Das langweilt beim Lesen. Zur Langeweile trägt auch bei, dass bis zur Hälfte des Romans so gut wie nichts passiert, außer dass der Hauptcharakter ejakuliert, masturbiert, Sex hat, an Sex denkt, andere dabei beobachtet oder belauscht. Das gehört weder zum Thema des Buches, noch zum Fortgang der Geschichte. Der einzige Sinn scheint, Seiten zu füllen, weil ansonsten der Roman zu einer Kurzgeschichte schrumpfen würde. 

Irreführender Klappentext

Die Morde, die alle ziemlich am Ende zu finden sind, sollen "vor dem historischen Hintergrund ungesühnter Wehrmachtsverbrechen in Griechenland" passieren. Davon ist das erste Mal auf S. 210 die Rede und dann in einer Nachrichtensendung, die keinen Bezug zu den Personen im Altenheim hat.

Einzig ein paar Szenen mit den alten Bewohnern des Pflegeheims sind anschaulich beschrieben. Leider wird dem Leben der Senioren nur jeweils ungefähr eine Seite gewidmet, in der pauschal die Lebensdaten heruntergeleiert werden. Dafür wird dem Schweißgeruch zweier Pflegeschwestern auch eine Seite gewidmet.

Alles in allem ein ärgerliches Buch, das nichts einhält, was es verspricht. Es ist weder ein historischer noch ein Kriminalroman, sondern einfach eine Aneinanderreihung  pubertärer Gedanken, die sich dem Anstrich geben, seriös wirken zu wollen. 

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