Ein Weihnachtsfest der Hoffnung

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2015, Titel: 'Nightingales Under the Mistletoe', Originalausgabe

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Alexandra Hopf
Nightingales diesmal ohne London

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Nov 2017

Gegen Ende des Jahres 1941 hat sich die britische Bevölkerung weitestgehend, soweit man das sagen kann, an den herrschenden Krieg gewöhnt. Die Leute versuchen zur Normalität zurückzukehren und das Beste aus der Situation zu machen und auch das nahende Weihnachtsfest nicht zu vergessen. Da das Nightingale durch Bomben große Schäden davongetragen hat, wird es vorübergehend geschlossen. Die noch vorhandenen Schwestern werden in ein Dorfkrankenhaus in Billinghurst geschickt. Die junge Schwester Jess Jago tut sich schwer, mit dem Leben auf dem Land zurechtzukommen und eckt auch des Öfteren an. Es wird etwas leichter, als plötzlich ihre Freundin aus der Lehrzeit, Effie O'Hara auftaucht. Nachdem sie kurz nach der Ausbildung auf Wunsch der Mutter wieder nach Irland zurückgekehrt ist, hat sie nun der Drang nach einem etwas aufregenderem Leben wieder zurückgeführt. Die beiden freunden sich mit Daisy Maynard, einer Schwester aus Billinghurst an. Gemeinsam unternehmen sie etwas und lernen dabei auch so manchen smarten Soldaten kennen. Da die ausgebildeten Schwestern für die Pflege der Kranken und auch der vielen verwundeten Soldaten nicht ausreicht, kommen auch viele Hilfsschwestern zum Einsatz. Unter ihnen ist z.B. Daisys Schwester Grace, die eigentlich als Hausmädchen tätig war.

Unweit des Krankenhauses befindet sich der Landsitz Billinghurst Manor. Das Gut wird mittlerweile von der ehemaligen Nightingale-Schwester Millie Benedict, oder besser bekannt als Lady Amelia Rushton geleitet. Ihr Vater verstarb vor wenigen Monaten und auch ihr geliebter Mann Sebastian lebt nicht mehr. Er kam bei einem Einsatz als Flieger bei der britischen Armee ums Leben. In dieser Zeit wird Millie darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Landsitz vorübergehend als Luftwaffenstützpunkt dienen wird. So muss Millie mit ihrem kleinen Sohn Henry und ihrer strengen Großmutter Lady Rettingham vorübergehend ins Pförtnerhaus ziehen, um Platz für die Soldaten zu machen. Zu ihrer großen Überraschung trifft sie unter den stationierten Piloten ihre frühere Romanze William Tremayne. Er war damals Arzt am Nightingale Krankenhaus. Kurz vor Weihnachten liegen so einige Liebesgefühle in der Luft, aber ob es wohl für so manches Paar einen glücklichen Ausgang gibt...?

Immer noch Krieg, aber auch eine große Portion Liebe

Mit diesem "Weihnachtsband" liefert Donna Douglas bereits den siebten Band der erfolgreichen Nightingale-Reihe. Die Geschichte spielt zwar zur Weihnachtszeit, aber das Thema Weihnachten dominiert nicht so stark und kann das ganze Jahr über gelesen werden. Da dieser Roman von London ausgelagert auf dem Land spielt, bekommt man den Krieg nicht so hautnah zu spüren wie im vorhergehenden Band. Hier stehen eher die Folgen des Krieges im Fokus. Es werden die Schicksale von einigen verwundeten Soldaten aufgegriffen. Dem Leser wird bewusst, wie grundlegend sich das Leben eines jungen Mannes verändert, nur weil er durch Kriegsverletzungen Zeit seines Lebens behindert sein wird. Außerdem spielen im Weihnachtsfest der Hoffnung einige verschiedene Liebesbeziehungen eine zentrale Rolle. Fast erscheint der Originaltitel Nightingales under the Mistletoe treffender (Anm. d. Red.: Übersetzung: "Nightingales unter dem Mistelzweig"). Doch egal wie viele verschiedene kleine Geschichtchen sich im Buch abspielen, sie sind alle wunderbar miteinander verwunden und sorgen für kurzweiliges Lesevergnügen.

England nimmt, ohne Rücksicht vor Titel und Reichtum

Doch neben den ganzen Liebesbeziehungen greift die Autorin hier doch auch ein historisch belegtes Thema auf. Die britische Regierung fackelte zu Kriegszeiten nicht lange. Wenn es dem Krieg dienlich war, wurde dem englischen Landadel einfach kurzfristig das Land oder Herrschaftssitz genommen und dort Landebahnen, Soldatenunterkünfte und mehr errichtet, genauso eben wie es im Buch mit Billinghurst Manor passiert. Donna Douglas verweist sogar am Buchende in einem eigenen Nachwort auf die damals herrschende und übliche Vorgehensweise.

Die Nightingales werden nie langweilig

Auch wenn es bereits Band sieben ist, bietet sich immer etwas Neues, so auch im Personenregister. Hier erfahren wir nach einigen Bänden Abstinenz endlich, wie das Schicksal von Millie Benedict weitergeht. Es macht Freude dieser Sympathieträgerin wieder zu begegnen. Auch wieder von Jess Jago zu hören ist positiv. Als eine Person mit Ecken und Kanten, aber doch einem weichen Herz ist sie dem Leser ja schon bekannt. Und genauso unverändert findet man sie hier in Billinghurst vor. Sie kämpft gegen Ungerechtigkeit, auch wenn sie sich damit selbst in Schwierigkeiten bringt.

Die altbekannte Effie O`Hara ist zwar ebenfalls bekannt liebreizend. Doch ihre immer noch vorherrschende blinde Naivität in Liebesdingen nervt stellenweise etwas. Obwohl ja eine gewisse Zeit seit ihrer Ausbildung vergangen ist, hat sie diesbezüglich im Leben nichts dazugelernt. Premiere in dieser Geschichte haben die Geschwister Grace und Daisy Maynard. Die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander nimmt einigen Raum in diesem Roman ein, ist aber doch vorhersehbar.

Hoffentlich baldige Fortsetzung

Das Cover ist wie üblich gestaltet. Diesmal findet sich außerdem das Bild eines herrschaftlichen Anwesens unterhalb des üblichen Schwesternfotos. So kann man sich Billinghurst Manor vorstellen. Mit wieder um die 500 Seiten Länge reiht es sich in die Serie ein und man freut sich als Leser auf die nächste Fortsetzung. Die Nightingales sind einem schon so ans Herz gewachsen, dass man sich freut bald zu hören wie es mit ihnen weitergeht.

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