Der Than von Cawdor

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Bookspot, 2017, Titel: 'Der Than von Cawdor', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes...

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Okt 2017

Schottland, im 11. Jahrhundert. Im Kampf gegen die Wikinger erlebt der junge Duncan an der Seite seines Herrn Mac Bethad seine erste Schlacht. Sein Dienstherr, vom König mit dem Titel des Than von Cawdor belohnt, gibt sich jedoch nach einer düsteren Begegnung mit drei Hexen mit dem Erreichten nicht zufrieden und strebt nach Höherem. Duncan und seine Angebetete, Gwynn, die im Dienste der Gemahlin des Thans steht, finden sich unversehens inmitten einer Intrige wieder, die den König das Leben kostet und einen blutigen Konflikt heraufbeschwört ...

Shakespeares Drama in Romanform

Wer die Namen "Cawdor" und "Mac Bethad" hört, wird - so denn er oder sie in der Schule das Vergnügen hatte, Shakespeare zu lesen " vielleicht an dessen Drama mit dem leicht abweichenden Namen "Macbeth" erinnert werden, in dem sich ein machtgieriger Adliger von drei Hexen im Wege einer selbsterfüllenden Prophezeiung zum Königsmord aufschwingt. Die Geschichte wird hier nacherzählt, ergänzt um die Figuren Duncan und Gwynn, deren privater Lebensweg sich mit denen der Mächtigen verbindet.

Die Bezugnahme auf Shakespeare führt auch dazu, dass es sich bei diesem Roman weniger um eine akkurate Darstellung Schottlands im 11. Jahrhundert handelt - wie die Autorin selbst im Nachwort erklärt - sondern den Leser viel mehr eine fiktive Geschichte mit historischen Elementen und ein wenig Mystik erwartet. Doch da weder Autorin noch Verlag einen historischen Roman im engeren Sinne anpreisen, ist das auch vollkommen legitim, denn das Buch wartet mit einer spannenden und düsteren Geschichte auf, die den Leser durchaus in ihren Bann ziehen kann.

Ein Erstling mit kleinen Anfangsschwächen

Silvia Stolzenburg berichtet in ihrem Nachwort, dass es sich bei dieser Geschichte um ihren ersten Roman handelt, der lange darauf wartete, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken. Der Erstling ist in seiner Urform erhalten geblieben, und das spürt man auch und gerade, wenn man spätere Werke der Autorin kennt. Einige Elemente, wie der leichte Schreibstil und die intensive Darstellung auch von Kampf- und Gewaltszenen, machen bis heute die Bücher der Autorin aus.

Gleichzeitig fehlt dem Schreibstil noch der Schliff späterer Werke: Die Sätze sind teilweise mit ein paar Adjektiven zu viel überfrachtet, manche zusätzliche Beschreibung erschwert den Lesefluss etwas. Das darf bei einem Debütroman aber durchaus so sein - und dass Silvia Stolzenburg eine beeindruckende Entwicklung hingelegt hat, erkennt man umso mehr, wenn man dieses Werk mit ihren aktuellen Romanen vergleicht.

Beste Unterhaltung wenn die Erwartungshaltung stimmt

Die Figurenzeichnung ist jedoch schon ganz "Stolzenburg" - flache und platte Charaktere wird man bei ihr nicht finden: Gwynn und Duncan sind ein überzeugendes und charmantes junges Liebespaar, Lady Mac Bethad ist so gefährlich wie schön und der titelgebende Than in allen Wesenszügen so maßlos wie in seiner Machtgier.

Wer sich gut unterhalten lassen will und Shakespeares Drama mal aus einem anderen Blickwinkel erleben will, der ist bei diesem Roman genau richtig - sollte sich aber stets vor Augen halten, dass der Roman aus frühen Schaffenszeiten stammt.

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