Das Gold des Lombarden

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2017, Titel: 'Das Gold des Lombarden', Originalausgabe

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Nicole Goersch
Solider Start einer neuen Reihe um eine starke Frau

Buch-Rezension von Nicole Goersch Okt 2017

Köln im Jahre 1423: Aleydis ist mit Nicolai Golatti, einem lombardischen Geldverleiher, verheiratet. Nur wenige Monate nach der Trauung wird Nicolai tot vor den Toren der Stadt aufgefunden. Aleydis kann nicht glauben, dass er sich selbst erhängt haben soll und stößt bald auf Ungereimtheiten, die sie dazu bewegen, den Mord untersuchen zu lassen. Ausgerechnet Vinzenz van Cleve soll die Nachforschungen übernehmen, dessen Vater in erbittertem Streit mit Nicolai gelegen hat. Hat er am Ende selber seine Hände im Spiel gehabt, um den unliebsamen Konkurrenten loszuwerden? Je tiefer Aleydis gräbt, desto gefahrvoller wird es, denn auch ihr geliebter Mann barg ein düsteres Geheimnis.

Fragwürdige Handlungsweise

Der Leser lernt Nicolai Golatti nur flüchtig kennen, dann wird er schon ermordet. Die Testamentseröffnung ist nicht nur für Aleydis eine große Überraschung, denn ihr Mann hat sie als Alleinerbin eingesetzt. Eine große, zweifelhafte Maßnahme, denn die Ehe währte nicht nur erst wenige Monate, sondern Aleydis ist auch erheblich jünger, ohne jegliche Erfahrung und sehr naiv.

Zumindest zu Beginn, denn die Entwicklung der Figur ist durchaus glaubhaft dargestellt. Ins kalte Wasser geworfen muss sich Aleydis gegen Missgunst, Anfeindungen und sogar körperliche Übergriffe zu Wehr setzen und reift dadurch bis zum Ende des Romans zu einer selbständigen Frau.

Auch die weiteren Charaktere sind detailreich dargestellt und vermitteln einen guten Eindruck der verschiedenen Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit, in der Aberglaube eine ebenso große Rolle spielte wie Wissen. Ein Schmankerl für alle Kenner der Adelina-Reihe, die die Autorin nach sechs Bänden beendet hatte, ist das Auftreten einiger Figuren aus diesen Büchern.

Ernsthafte Recherchearbeit

Dank vieler kleiner Details wie ein spezielles Schloss, das sich mithilfe eines Buchstabencodes öffnen ließ, entsteht vor dem geistigen Auge eine bunt bevölkerte, alltägliche Welt des Spätmittelalters am Rande der Renaissance. Die Autorin hat, wie sie im Nachwort selbst beschreibt, gründlich recherchiert, was man ihrem Roman erfreulicherweise anmerkt. Ergänzend dazu findet man im vorderen Teil des Buches nicht nur einen Stadtplan von Köln, sondern auch ein Personenverzeichnis mit erläuternden Anmerkungen.

Die Sprache ist der heutigen angepasst, enthält nur ab und an fremd klingende Wörter wie "klaafen" oder "Galgenschwengel", deren Sinn sich aber, wenn nicht schon von sich aus eindeutig, aus dem Kontext heraus ergibt. Auch sorgt der Perspektivwechsel zwischen Aleydis und Vinzenz für Dynamik und beleuchtet die Geschichte von verschiedenen Seiten, ohne zu viel zu verraten.

Allerdings muten manche Aktionen wenig nachvollziehbar an. Wenn der Gewaltrichter mitten in der Nacht zu Aleydis Haus geht, nur um zu prüfen, ob sie bei merkwürdigen Geräuschen allein hinauskommt, erscheint das etwas weit hergeholt, um romantische Spannung zwischen den beiden zu erzeugen.

Das Cover wirkt mit seiner Mischung aus Fotografie und Gemälde dem seriösen Anspruch entgegen, denn es erinnert eher an einen verträumten Groschenroman als an eine gewissenhaft ausgearbeitete Historienerzählung.  

Eher für Frauen als für Männer

Wer die Adelina-Reihe von Petra Schier mochte, ist auch hier sehr gut aufgehoben. Starke Frauenpersönlichkeiten, gestandene Männer, die sich davon nicht abschrecken lassen, eine Prise Krimi und ein guter Schuss Romantik, alles verwoben in einer munter erzählten Geschichte aus Verwirrungen und Geheimnissen vertreiben dem Leser lebhaft die Zeit. 

Das Gold des Lombarden

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Letzte Kommentare:
10.12.2017 08:07:54
Ursula Linsen

Ich habe alle Bücher von Petra Schier gelesen und in meinem Bücherschrank. Bisher war ich immer total begeistert.
Das Gold des Lombarden ist der erste Roman, durch den ich mich regelrecht gequält habe. Langatmig und langweilig. In keiner Phase bekam ich einen Zugang zu Aleydis und den anderen Figuren. Für mich sind alle sehr blass geblieben und die Geschichte haute mich auch nicht vom Hocker. Schade.
Wer allerdings nich nie etwas von Petra Schier gelesen hatte, mag dieses buch mögen. Ich leider nicht.

25.11.2017 15:11:19
mabuerele

„...Ich glaube, dass Euer Gemahl Euch einen gefährlichen Sumpf hinterlassen hat, den Ihr derzeit bei waberndem Nebel und leider nur mit halb geöffneten Augen durchwandert...“

Wir schreiben das Jahr 1423. Vor einem halben Jahr hat die 20jährige Tuchhändlerstochter Aleydis den 56jährigen Lombarden und Geldwechsler Nicolai Golatti geheiratet. Er ist ein Freund ihres Vaters. Trotz des Altersunterschiedes hat es Aleydis gut getroffen. Das liegt an seinem freundliches Wesen und seine Großzügigkeit. Außerdem vertraut er Aleydis die Führung seiner Rechnungsbücher an, denn er weiß um ihre Begabungen.
Doch dann nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Nicolai wird erhängt aufgefunden. Aleydis besteht darauf, ihren Mann sehen zu dürfen. Danach weist sie darauf hin, dass er ermordet wird und verlangt die Aufklärung des Verbrechens. Damit beauftragt wird der Kölner Gewaltrichter Vinzenz van Cleve.
Die Autorin hat einen fesselnden historischen Roman geschrieben. Das Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Einmal begonnen fällt es schwer, es aus der Hand zu legen.
Aleydis ist eine selbstbewusste junge Frau. Doch nun muss sie erfahren, dass ihr Mann zwei Gesichter hatte. Er war nicht nur der liebevolle Ehemann und großzügige Vater, sondern auch ein gerissener Kreditgeber, der notfalls seine Forderungen mit Gewalt durchsetzte. Seine Tochter Cathrein lebt bei den Beginen. Sie ist Aleydis beste Freundin und etwa im gleichen Alter. Nach einer Ehe voller Gewalt lässt sie keine Männer mehr an sich heran. Golatti hat seine Enkeltochter Ursel bei sich aufgenommen.
Vinzenz van Cleve gilt als harter, aber gerechter Mann. In seinem Auftreten wirkt er düster und schafft so eine gewisse Distanz zu seinem Gegenüber. Sein Vater Georg ist ebenfalls Geldwechsler und Golattis härtester Konkurrent.
Der Schriftstil des Buches ist ausgefeilt. Sehr gut wiedergegeben werden die Verhältnisse im mittelalterlichen Köln. Obiges Zitat stammt von van Cleve. Es zeigt, dass die Autorin das Spiel mit Worten und Metaphern beherrscht. Entgegen der damaligen Sitte hat Nicolai seine Frau als Alleinerbin eingesetzt. Damit hat sie nach seinem Tod alle Hände voll zu tun. Sie muss sich in seine Geschäfte einarbeiten, möchte aber an der Aufklärung des Verbrechens beteiligt werden. Andererseits versuchen diejenigen, die vor ihrem Mann gekuscht haben, sich nun an ihr schadlos zu halten. Zu den Höhepunkten gehören für mich die fein ausgearbeiteten Dialoge zwischen Aleydis und van Cleve. Beide schenken sich nicht. Hart prallen die Fronten aufeinander. Dabei zeigt van Cleve allerdings auch eine unerwartete Seite. Er legt Wert darauf, dass Aleydis in der Lage ist, sich gegen Angreifer zu verteidigen, denn seiner Meinung nach ist sie in Gefahr. Bei den Gesprächen ist das Knistern zwischen beiden in jeder Zeile spürbar. Für Aleydis ist es eine neue Erfahrung, dass ein Mann sie erregt. Mit den Gefühl kann sie wenig anfangen und hält deshalb Abstand. Van Cleve hat nach seiner letzten Ehe einen harten Panzer um sein Herz gelegt. Der soll auf keinen Fall brechen.
Die Mordermittlungen gestalten sich schwierig. Galotti hatte sich viele Feinde gemacht. Nicht jeder Befragte sagt die Wahrheit.
Geschickt hat die Autorin Informationen über alte Bekannte aus anderen Serien eingebaut. Wer diese Bücher nicht kennt, wird aber nichts vermissen. Ich denke dabei insbesondere an Elsbeth, die die Vorsteherin der Dirnen in einem gehobenen Haus in der Schwalbengasse ist.
Sehr ausführlich wird das Geldwesen der damaligen Zeit beschrieben. Die Ausgabe von Wechsel und der Umtausch in anderen Währungen gehören dazu. Erstaunt war ich, dass es damals schon Strafzölle gab, wenn ein Kredit vorzeitig zurückgezahlt wurde.
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, das auch viele Nebenfiguren gut charakterisiert werden. Das trifft insbesondere auf die Bediensteten in Galottis Haushalt zu.
Eine Karte von Köln, ein ausführliches Personenverzeichnis und ein inhaltsreiches Nachwort ergänzen das Buch.
Der Roman hat mir ausgezeichnet gefallen. Er ist eine gekonnte Mischung aus Historie und Krimi.

21.10.2017 15:29:30
PMelittaM

Köln 1423: Aleydis ist glücklich in ihrer Ehe mit dem Lombarden Nicolai Golatti. Doch dann wird dieser erhängt vor den Stadttoren aufgefunden – Selbstmord nicht ausgeschlossen. Aleydis glaubt nicht an Freitod und tut alles dafür, dass der Fall genauer untersucht wird, auch wenn das bedeutet, dass sie mit dem Gewaltrichter Vinzenz van Cleve, dessen Vater Nicolais größter Konkurrent war, zusammen arbeiten muss, und zudem einige Wahrheiten über Nicolai ans Licht kommen, die sie lieber nicht gewusst hätte.

Mit dem sechsten Band war Petra Schiers Adelina-Reihe zu Ende gegangen, und die Fans ihrer historischen Romane, einer davon ich, waren sehr gespannt auf die angekündigte neue Reihe (es sind vier Bände geplant). Der erste Band ist nun erschienen, und hat mich sehr schnell gefesselt. Der Roman spielt 15 Jahre nach Adelinas letztem Buchabenteuer und schon am Personenverzeichnis kann man erkennen, dass Adelina und ihre Lieben nicht ganz vergessen sind, die Apothekerin vom Alter Markt wird im Roman erwähnt und sie ist nicht die Einzige. So erfahren wir Leser ein bisschen davon, wie es diesen Charakteren mittlerweile ergangen ist – schön, wenn einer Autoin die Wünsche ihrer Leser nicht gleichgültig sind.

Aleydis gefiel mir von Anfang an, sie ist noch jung und eine Frau ihrer Zeit, weiß aber genau, was sie will. Im Laufe der Geschichte wird ihr eine große Verantwortung übertragen, und sie tut alles, um dieser gerecht zu werden. Sie ist intelligent und gefühlvoll, und man muss sie einfach mögen.

Auch die anderen Charaktere sind Petra Schier gut gelungen, allen voran Vinzenz van Cleve, der zwar manchmal ein bisschen klischeehaft wirkt, dunkel, aber auch gefühlvoll, aber dennoch ein ganz eigener Charakter ist, den man gerne nach und nach kennen lernt. Interessant auch Cathrein, Aleydis Stieftochter, die sehr viel mitgemacht hat und nun als Begine lebt, ihre beiden Töchter werden von Aleydis erzogen. Diese beiden Mädchen bereichern den Roman zusätzlich, vor allem der Wildfang Ursel hat es mir angeta – und auch der übrige Haushalt Aleydis' ist nicht ohne. Gelungen wird auch der, historisch belegte, Dombaumeister Meister Claiws eingeführt.

Der Kriminalfall wirkt lange nur wie ein Vehikel, das die Geschichte voran bringt, und bleibt eher im Hintergrund, dennoch ist er nie vergessen und wird schließlich auch zufriedenstellend, und für viele sicher überraschend, aufgelöst. Der Roman ist in sich abgeschlossen, hinterlässt aber beim Leser genug Spannung darauf, wie sich Aleydis' Leben weiter entwickeln könnte, so dass man sich auf den nächsten Band schon sehr freut.

Wie man dem Nachwort der Autorin entnehmen kann, hat sie wieder ausführlich recherchiert und bietet dem Leser somit viel authentische Atmosphäre jener Zeit. Bereichert wird der Roman durch das bereits erwähnte Personenverzeichnis und eine Karte. Für Kölner ist es besonders schön, mit Aleydis durch das historische Köln zu wandeln.

Petra Schier ist einmal mehr ein sehr lesenswerter historischer Roman gelungen, mit interessanten Charakteren, die man gerne weiter begleiten möchte. Wer gerne historische Kriminalromane liest, sollte unbedingt zugreifen. 88°