Grandhotel Angst

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • , 2017, Titel: 'Grandhotel Angst', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Eva Schuster
Atmosphärischer Gruselkrimi um 1900

Buch-Rezension von Eva Schuster Aug 2017

Italien im März 1899: Die junge Nell verbringt ihre Flitterwochen mit ihrem Ehemann Oliver an der ligurischen Küste. Sie wohnen im luxuriösen Grandhotel Angst, das Oliver von regelmäßigen Besuchen sehr vertraut ist. Nell ist zwar fasziniert von der wunderschönen Umgebung und der Eleganz des Hotels, doch zugleich fühlt sie sich zunehmend unwohl in dem düsteren Gebäude.

Dazu trägt auch die unheimliche Legende um die verstorbene Lukrezia bei, die einst auf dem Hotelgrundstück lebte. Angeblich spukt ihr Geist noch im Hotel umher. Zudem erkennt Nell durch ein Porträt, dass ihr jene Lukrezia erstaunlich ähnlich sah. Auch erste Unstimmigkeiten zwischen Nell und ihrem Mann trüben das Flitterwochenglück ein wenig.

Während Nell dennoch versucht, die Zeit zu genießen, geschieht ein Mord an einem Hotelgast. Es handelt sich um einen Geschäftspartner von Oliver. Nell findet beunruhigende Hinweise, dass ihr Mann mehr darüber weiß, als er zugibt. Und was hat es mit dem Tod seiner ersten Frau Kate auf sich, über die er nie sprechen will ...?

Flitterwochen in "Angst"

Ein Hauch von Daphne du Mauriers Rebecca liegt über Emma Garniers Grandhotel Angst, schließlich geht es auch hier um eine junge Ich-Erzählerin und ihre etwas überstürzte Ehe mit einem düsteren, deutlich älteren Mann, um den mysteriösen Tod der ersten Ehefrau und um ein mondänes Anwesen, von dem Unheil für die Protagonistin auszugehen scheint.

Grandhotel Angst verbindet eine kriminalistische Handlung mit Schauerromantik und macht aus dieser Kombination eine vergnügliche Lektüre. Überzeugend ist vor allem das stimmungsvolle Setting in der bezaubernden ligurischen Landschaft, deren malerische Schönheit gut eingefangen wird. Die Gegend scheint der perfekte Ort für romantische Flitterwochen. Der blaue Himmel, das Meer, die üppige Vegetation, die pittoresken Bauten und Gassen und das italienische Flair nehmen Nell zunächst sofort für sich ein. Auch der Leser fühlt sich nach Italien versetzt und erhält ein farbenprächtiges Bild von Bordighera mitsamt Beschreibungen der Architektur, typischer Speisen und all den Düften, die die Pflanzen und Blumen im Frühling verbreiten.

Die Legende um Lukrezia, die den Ort nicht für den Bau des Hotels freigeben wollte und je nach Version ermordet wurde oder sich selbst verbrannte, legt sich jedoch alsbald wie ein Schatten über das zarte Glück. Nell wird immer unruhiger, fürchtet sich vor den Gerüchten um Geistererscheinungen und misstraut schließlich zunehmend ihrem Ehemann. Was verbindet ihn mit dem Grandhotel und dessen Besitzer Adolf Angst? Was weiß er über Lukrezias Tod? Wie ist seine erste Frau ums Leben gekommen - und ist es Zufall, dass ausgerechnet jetzt sein Geschäftspartner ermordet wird? Nell weiß nicht, ob sie sich zunehmend in wirren Ängsten verliert oder ob sie ihrem Ehemann wirklich nicht trauen kann. Auch der Leser durchschaut nicht sofort, wem hier zu trauen ist. Die offenen Fragen sorgen für Spannung, noch verstärkt durch Nells Hilflosigkeit. Sie ist fremd in Italien, spricht nicht die Sprache, hat außer Oliver niemand Vertrautes um sich und schließlich wird sie auch noch von der Polizei verdächtigt, ein furchtbares Verbrechen begangen zu haben. Man fühlt mit dieser jungen Frau, deren Flitterwochen sich so abrupt in einen Alptraum verwandelt haben, und möchte erfahren, wie all die Ereignisse zusammenhängen und sich auflösen.

Kleine Schwächen

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Zeitsprünge in der Handlung, die mal in den Tagen um den 17. März und mal gut eine Woche später spielt. Zwar wecken Nells Andeutungen, dass sich schreckliche Dinge in der Zwischenzeit ereignet haben, eine gewisse Neugierde, aber bisweilen verwirren diese Andeutungen auch, da die Zusammenhänge unklar sind, während sie an anderen Stellen etwas zu viel vorwegnehmen. Des Weiteren wirkt es konstruiert, wie leicht Nell von einer nahezu fremden Person Unterstützung erfährt. Es gibt auch Luft nach oben, was ihre Charakterdarstellung betrifft: Sie ist zwar eine sympathische Figur, bleibt aber zunächst etwas blass, zu passiv, zu verhuscht. Nells Erwähnung, dass sie früher ein »ungestümes Mädchen« war, »das auf Bäume kletterte«, kann man sich folglich kaum vorstellen. Das Ende mag sich ein bisschen zu leicht ergeben, aber insgesamt können diese kleinen Mankos den guten Gesamteindruck nur wenig trüben.

Unterm Strich ist Grandhotel Angst ein unterhaltsamer Roman mit dichter Atmosphäre und dezentem Gruselflair, der ein paar kurzweilige Lesestunden garantiert.

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