Der Sohn der Welfin

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2017, Titel: 'Der Sohn der Welfin', Originalausgabe

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Annette Gloser
Zwischen Welfen und Waiblingern

Buch-Rezension von Annette Gloser Jul 2017

Im Jahr 1159 erwarten Kaiser Friedrich I. und seine Frau Beatrix ihr erstes Kind. Friedrich liebt seine Gemahlin, aber während sie friedlich neben ihm schlummert wandern seine Gedanken zurück in die Kindheit und auch zu seiner ersten großen Liebe Beatrice.

Schwierig ist die Jugendzeit Friedrichs, geprägt von Konflikten zwischen dem Geschlecht der Welfen und den Waiblingern, die man später die Staufer nennen wird und in deren Familie der Junge hinein geboren wurde. Seine Mutter ist eine Welfin, ihrer Familie mit großer Liebe zugetan. So erlebt Friedrich bereits als kleines Kind, wie schwierig es für die Mutter ist, zwischen ihrer welfischen Herkunftsfamilie und den Waiblingern, zu denen sie nach ihrer Heirat gehört, zu vermitteln. Der Vater bleibt für Friedrich lange Zeit eine eher ferne Gestalt, die außer Angst und Abneigung kaum Gefühle in ihm weckt. Aber Friedrich hat zwei gute Freunde, die Geschwister Beatrice und Wilhelm, die sein Welfen-Onkel Konrad aus Burgund mitbrachte. Von Konrads Bruder Welf werden die Kinder Friedrich anvertraut, wachsen mit ihm gemeinsam auf und werden seine engsten Vertrauten. Und Beatrice wird mehr als eine Vertraute, sie wird Friedrichs Geliebte, die Frau, die er mehr als alles andere will. Aber hat diese Liebe eine Chance in Zeiten des Krieges und der Kämpfe um die Macht?

Der Sohn einer starken Mutter

Kaiser Friedrich I., Barbarossa, der Rotbart, genannt, ist wohl eine der berühmtesten Gestalten deutscher Geschichte. Romane über ihn gibt es jedoch nicht allzu viele. Umso erfreulicher, dass Petra Gabriel sich diesem Thema zugewandt hat. Diesem Roman muss eine außerordentliche Fleißarbeit vorausgegangen sein, denn die Autorin hat akribisch die Familienverhältnisse der Welfen und Waiblinger, ihre politischen Ambitionen und die Konflikte untereinander sowie mit dem Papst, den deutschen Fürsten und vielen anderen in den Roman eingebracht. Die eigentliche Handlung beginnt im Jahr 1127, als Friedrich etwa fünf Jahre alt ist. Und gleich zu Beginn wird der Leser mit einer Fülle von Fakten konfrontiert. Da fällt es leicht nachzuempfinden, wie schwierig es für ein Kind wie Friedrich gewesen sein muss, sich in diesem komplexen Geflecht aus Familienbanden und Machtansprüchen zu orientieren. Petra Gabriel stellt dabei die Welfin Judith, Friedrichs Mutter, auf eine wichtige Position: Mittlerin zwischen den streitenden Familien und Wegweiserin für den kleinen Friedrich. Natürlich weiß heute niemand mehr, ob die schöne Welfin tatsächlich diese Rollen innehatte, aber es ist gut vorstellbar.

Als Leser bekommt man einen guten Eindruck davon, welche ethischen Grundsätze Judith ihrem Sohn mit auf den Lebensweg gegeben hat und was für eine starke Persönlichkeit sie selbst war. Dabei ist es manchmal kaum zu fassen, über was sich Waiblinger und Welfen so alles stritten und gelegentlich kann man auch mal die Übersicht darüber verlieren, wer im Moment gerade mit wem verbündet bzw. verfeindet ist. Aber man bekommt einen guten Eindruck davon, durch welche harte Schule Friedrich ging und vor welch schweren Aufgaben er später als Kaiser stand.

Keineswegs Schwarz-Weiß

Die Autorin nähert sich ihren Protagonisten mit viel Fingerspitzengefühl und schafft damit plastisch wirkende Charaktere, die mehr zu bieten haben als bloße Schwarz-Weiß-Malerei. Damit wird die Geschichte lebendig und interessant. Allerdings ist es irritierend, Welf den Milden reden zu hören wie einen preußischen Offizier des 19. Jahrhunderts, als es in Preußen als schick galt, den wortkargen König nachzuahmen und solche Nichtigkeiten wie Personalpronomen und gelegentlich auch Verben einfach mal weg zu lassen. Irritierend ist allerdings auch anderes an diesem Roman. So beginnt er praktisch mit einer Art Rahmenhandlung, die im Verlauf auch wieder aufgenommen wird. Die Geschichte endet aber nicht damit, denn zum Ende des Romans fehlt dieser Rahmen, der einen passenden Abschluss gebildet hätte.

Friedrichs Leben wird praktisch von einem anonymen Erzähler berichtet, dazwischen gibt es aber auch Kapitel, in denen die fiktiven Personen Wilhelm und Beatrice ihre Sicht auf das Geschehen und ihre eigenen Konflikte schildern. Das schafft neue Perspektiven und gibt der Erzählung zusätzlich Farbe. Aber irgendwie scheint die Geschichte mittendrin abzubrechen. Wenn man über einen zukünftigen Kaiser liest, so erwartet man eigentlich, dass die Geschichte mit der Kaiserkrönung oder einem ähnlichen Ereignis endet, zumal der Roman mit Der Sohn der Welfin einen eher politisch orientierten Titel hat und auch inhaltlich nicht allein auf eine Liebesgeschichte abzielt. Der Roman endet mitten in einem Kreuzzug, in einer völlig offenen Situation. Endet an einem wichtigen, tragischen Punkt im Leben des jungen Mannes Friedrich, aber eben noch lange nicht an jenem Punkt, an dem dieser seine Bestimmung erreicht hätte. Es fehlt einfach noch so viel bis zum Kaiser.

Petra Gabriel kann spannend und interessant erzählen, das zeigt sie in diesem Roman deutlich. Die Geschichte des jungen Barbarossa ist fesselnd und die oben genannten handwerklichen Schnitzer stören kaum. Man liest sich durch einen bunten Bilderbogen mittelalterlicher Politik und möchte beim Lesen eigentlich keine Pause machen.

Empfehlenswerte Lektüre

Der Sohn der Welfin wurde vom Gmeiner Verlag mit allem ausgestattet, was sich das Herz des Histo-Lesers so wünschen kann: Zeittafel, Stammbaum, historische Angaben zu Welfen, Waiblingern und anderen Personen, ein lesenswertes Nachwort der Autorin und ein Personenverzeichnis, in dem historische und fiktive Protagonisten gut gekennzeichnet sind. Lediglich eine Karte fehlt, aber das kann man gut verschmerzen. Mit diesem Roman hat meine spannende und interessante Lektüre in der Hand, mit der man einem der ganz Großen in der deutschen Geschichte ein Stück näher kommen kann.

Der Sohn der Welfin

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