Neu-York

Erschienen: Juni 2017

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2016, Titel: 'Golden Hill', Originalausgabe

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80

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Jörg Kijanski
Farbenprächtiges Panorama der Kleinstadt Neu-York

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2017

Am 1. November 1746 erreicht die Brigg Henrietta die Hafenbucht Neu-Yorks und mit ihr der geheimnisvolle Mr. Smith. Dieser begibt sich sogleich zum Handelskontor von Lovell & Company, wo er einen Wechsel einlösen möchte. Gregory Lovell staunt nicht schlecht, denn der Betrag beträgt stolze tausend Pfund Sterling oder tausendsiebenhundertachtunddreißig Pfund, fünfzehn Schilling und Fourpence in Neu-Yorker Münze. Wo soll Lovell derart viel Bargeld auftreiben, um den Wechsel einzulösen? Und woher weiß er überhaupt, dass dieser Wechsel echt und Smith kein Betrüger ist? Smith selbst trägt zur Skepsis ordentlich bei, denn er hat einen Auftrag zu erfüllen, über den er sich in beharrliches Schweigen hüllt. Lovell bittet um sechzig Tage Aufschub. Bis dahin sollen zwei weitere Wechsel auf anderen Schiffen eintreffen, die die Echtheit des Papiers belegen. Smith willigt ein, verliert jedoch bereits am nächsten Tag einen Großteil seines Bargeldes, nachdem ihm ein Dieb seine Geldbörse entwendet. Da sein Name und Reichtum stadtbekannt sind, lässt Smith anschreiben, bis das erste der erwarteten Schiffe eintrifft. Doch an Bord befindet sich kein weiterer Wechsel, so dass Smith unversehens im Schuldturm landet&

Sprachlich ebenso Vergnügen wie Herausforderung

Francis Spufford hat mit Neu-York einen interessanten und sprachlich anspruchsvollen Roman vorgelegt. Das Besondere daran: Bereits nach dem ersten Satz wird klar, ob man dieses Buch lesen möchte. Dieser erstreckt sich über die gesamte erste Buchseite und gibt einen Einblick in die antiquierte Sprache des Autors. So wirkt das Geschehen zwar authentischer, ist aber auch anstrengender zu lesen, da zu einigen ungewohnten Worten und deren Schreibweisen auch noch zahlreiche Schachtelsätze vorzufinden sind. Wer an solchen Formulierungen indes seine Freude hat, kommt mit diesem ungewöhnlichen Buch vollends auf seine Kosten. Eine Leseprobe der ersten Seite ist jedoch dringend empfohlen!

"Ich sage für gewöhnlich, was ich denke, was ich von Ihnen denken soll, weiß ich aber nicht - auch nicht, wie ich Sie nehmen soll, und Sie sind bestrebt, mich im Unklaren zu lassen, was ich, muss ich sagen, nicht eben freundlich oder auch nur redlich finde, von einem Bürschchen, das ohne jede Sicherheit die Zahlung einer derart unerfreulich großen Summe fordert."

"Doch wohl mit allen Sicherheiten eines anständigen Wechsels."

"Na sehen Sie. Schon grinsen Sie wieder. Handel aber ist Vertrauen, Sir. Handel ist mein Nutzen und Ihrer. Handel ist die Hand zur Antwort auf die Hand, die man gereicht bekommt. Nenne ich Sie jedoch einen Schuft, so brausen Sie nicht auf, wie es dem Anwurf von Natur gebührt."

"Mitnichten. Denn Sie kennen mich nicht, und Misstrauen drängt sich freilich auf, könnt ich doch genauso gut der güldne Sprössling eines edlen Hauses sein wie'n mieser Gaunerfott, wo mit Blüten um sich schmeißt."

Spufford entführt Smith wie seine Leser in eine im Aufsteigen befindliche und vom Sklavenhandel gezeichnete Kleinstadt mit gerade einmal siebentausend Einwohnern. London, die Heimatstadt von Smith, hat als größte Stadt Europas bereits rund siebenhunderttausend Einwohner. Neu York ist deutlich sauberer als London, wenngleich die Kühe auf dem Broad Way grasen. Es geht ruhiger zu, wenngleich Smith aufgrund seiner Unerfahrenheit und seiner Geheimniskrämerei hinsichtlich seines Aufenthaltes (Auftrags), in etliche kritische Situationen gerät. Denn wer weiß schon, ob der reiche Smith, so sein Wechsel denn echt ist, nicht auf Seiten der Franzosen steht, die sich im Krieg mit den Engländern befinden und deren Skalps das Stadttor zieren? Mit tausend Pfund kann man viel bewegen und selbst die Machtverhältnisse zwischen Gouverneur und Stadtversammlung kippen.

Wer ist Richard Smith?

Einige einflussreiche Menschen der Stadt lernt Smith kennen und erfährt auf diese Weise, dass man von ihm erwartet, Farbe zu bekennen? Auf welcher Seite steht er? Was ist sein Ziel? Geld verführt, setzt aber auch Ängste frei, da es gegen einen verwendet werden könnte. Smith torkelt durch die Geschichte, tappt munter in manche Falle und entdeckt dabei fast seine große Liebe. Eine der beiden Töchter Lovells hat es ihm angetan, doch diese hat ihre eigenen Macken, erfreut sich lieber an ihrer verbitterten Boshaftigkeit gegenüber ihrer Umgebung.

Das Geheimnis des Mr. Smith oder besser gesagt, dessen Geheimnisse, erfährt der Leser erwartungsgemäß erst zum Schluss. Dabei geht es nicht nur um den erwähnten Auftrag, sondern auch um die Person des Protagonisten selber. Wer ist dieser Richard Smith? Großes, anstrengendes Kopfkino!

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