Tote vergessen nicht

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2015, Titel: 'The Language of the Dead', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Vielschichtiger, überzeugender Debütroman

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2017

Juli 1940. Auf dem Manscome Hill, einem Hügel bei Quimby in Hampshire, wird die Leiche von William Blackwell gefunden. Der über Siebzigjährige wohnte zurückgezogen mit seiner Nichte Lydia zusammen, galt unter den Dorfbewohnern gar als Hexer. Nun steckt eine Heugabel in seinem Hals, in seine Stirn wurde ein Kreuz geritzt, seine Brust mit einer Sense durchbohrt. Chief Inspector Thomas Lamb und Sergeant David Wallace treffen auf einen verzwickten Fall. Verdächtig erscheint neben Lydia auch der direkte Nachbar George Abbott, doch Zweifel bleiben. Während die Ermittlungen auf der Stelle treten, wird Lamb ein neuer Partner zugeteilt; Inspector Harry Rivers aus Warwickshire. Die beiden kennen sich aus der zweiten Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg. Lamb war damals Rivers direkter Vorgesetzter, Rivers macht Lamb noch immer für den Tod seines bestens Freundes verantwortlich. Keine guten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit, zumal Rivers nicht freiwillig versetzt wurde.

Nachdem wenige Tage später eine junge Frau ermordet wird, ziehen die Ermittlungen weitere Kreise. Der Druck steigt, ebenso wie die Zahl der Luftangriffe der Deutschen. Zunehmend gerät ein Junge namens Peter ins Visier der Ermittler, der mit beunruhigenden Zeichnungen von Spinnen und anderen Tieren offenbar versucht etwas mitzuteilen. Doch Peter gilt als zurückgeblieben und ist bei seinen Streifzügen durch die angrenzenden Wälder nur schwer zu fassen ...

Stephen Kelly sollte man sich merken

Wer britische Krimis liebt, die in ländlicher Region spielen, sollte sich den Namen des Autors merken. Tote vergessen nicht ist ein durchweg gelungener Debütroman, dem eine Fortsetzung mehr als zu wünschen ist. Dabei ist eine Besonderheit natürlich der zeithistorische Hintergrund, dem der Plot zugrunde liegt. Sommer 1940. Der Krieg tobt seit etlichen Monaten, die nächtlichen Luftangriffe der Deutschen sind zwar (noch) weitgehend ineffizient, nehmen jedoch zunehmend bedrohlichere Formen an. Die Angriffe auf Südengland steigen, es geht unter anderem um die Lufthoheit über dem Ärmelkanal. Auch das beschauliche Quimby wird noch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das Erzähltempo ist passenderweise ländlich-beschaulich. Nach und nach werden einige Spuren entdeckt und einige (wenige) Verdächtige vom Autor geschickt aufgebaut. Dabei gilt ein Schwerpunkt des Romans der recht detaillierten Figurenzeichnung. Angefangen bei Lamb, der aufgrund eines Traumas vom letzten Weltkrieg vom erneuten Armeedienst verschont bleibt und sich stattdessen Sorgen um das Wohl seiner Tochter Vera macht, die in Quimby arbeitet. Gefahr droht ihr aber von einer ganz anderen Seite, denn ihr aktueller Liebhaber stellt sich zunehmend als unberechenbar heraus. Unberechenbar ist auch ein Stichwort für Wallace, Lambs getreuen Mitarbeiter, der gegen seine Vorliebe für Whisky eher vergeblich ankämpft. Als er bei einem Kneipenbesuch die Bekanntschaft einer jungen Frau macht, gerät er in eine zunehmend bedrängte Situation. Bliebe (unter anderem) noch der unverarbeitete Konflikt mit Rivers. Nur mühsam raufen sich die beiden Ermittler zusammen, doch da Rivers schon bei seiner letzten Dienststelle reingepackt hat, wird ihr Arbeitsverhältnis im Laufe der Ermittlungen zusehends besser. Diese Entwicklung ist für Lambs angestrebten Entwöhnungsprozess beim Rauchen hingegen nicht zu erkennen; trotz unzähliger Karamellbonbons.

Es geschieht ein weiterer Mord, Peter ist nicht die einzige undurchsichtige Figur und so gibt es noch weitere Erzählstränge, die hier nicht erwähnt werden sollen. Nur so viel: Man kann dem Plot problemlos folgen. Wer gute, atmosphärische Krimikost von der Insel zu schätzen weiß, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Und vielleicht ist es ja der Auftakt zu einer großen Serie. Das Potenzial ist zweifelsohne vorhanden!

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