Der Silberkessel

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2006, Titel: 'Der Silberkessel', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Völkerwanderung zu den Römern

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2007

Das Römische Reich fuhr noch vor Christi Geburt seine Klauen aus, um der ganzen damals bekannten Welt seinen Stempel aufzudrücken. Stefan Jägers Roman beginnt im Jahr 124 vor Christus, als zehntausende Menschen aus dem heutigen Dänemark ihr Land verlassen, um sich im Süden neu anzusiedeln.

Neun Jahre später haben diese Stämme aus dem Norden, hauptsächlich Kimbern, Teutonen und Ambronen, bereits ein großes Stück Weg hinter sich gebracht und sind auch den Römern schon einige Male begegnet. In Massalia, dem heutigen Marseille, packt der Händler Timaios seinen Karren, um sich auf den Weg zu machen, sein Glück in der Ferne zu versuchen. Er gelangt mit einem römischen Heer nach Noreia (heute Neumarkt in den steirischen Alpen), wo sie auf den gewaltigen Treck der Nordmänner treffen. Da Timaios bereits früher mit ihnen Handel getrieben hat, beherrscht er ein wenig deren Sprache und dient fortan als Übersetzer.

Nach dem friedlichen Weiterzug der Kimbern begleitet Timaios sie zunächst als Führer in der Hoffnung, Handel treiben zu können. Dabei lernt er deren Sitten und Gebräuche immer besser kennen und auch einige Frauen scheinen ihm nicht ganz abgeneigt, so auch Svanhild, die Tochter einer der Anführer. Plötzlich wird der Treck überfallen und es ist nicht klar von wem. Und das ist nicht das einzige Hindernis, dass sich den Siedlern in den Weg stellt...

Kein Licht im Dunkeln

Stefan Jägers Ausflug in das vorchristliche Europa ist geprägt von Krieg, Gewalt und Aberglauben. Die nordischen Völker sind dabei ziemlich unbekannt und ziehen fort, da ihr ursprüngliches Land von den Naturgewalten verwüstet wurde und sie nicht mehr ernähren kann. Deren Völker sind viele und der Treck wird bis zu 100.000 Personen stark werden.

Diese vielen Völker sind dabei so unübersichtlich, dass man den Überblick verliert. Jäger gelingt es auch nicht, Licht in das komplizierte Dunkel zu bringen. Stattdessen liest sich das erste Drittel des Buches wie die Ausformulierung eines Artikels eines Geschichtslexikons, in dem möglichst viele unbekannte Informationen in einen ansonsten sinnfreien Dialog gepresst werden. Dieser Dialog treibt dabei aber keinerlei Handlung voran oder fesselt den Leser sonst irgendwie an das Buch. Dabei benutzt der Autor auch viele Fachbegriffe, die zwar sein Wissen um die Historie aufzeigen, dem Leser aber nicht helfen. Eine sinnvolle Karte der Stämme wäre dabei hilfreicher gewesen als die gelegentlichen Fußnoten, in denen Begriffe erläutert werden, die einem aber auch nicht immer weiterhelfen.

Aufzählungen, Aufzählungen, Aufzählungen

Auffällig sind neben den vielen Informationen vor allem die zahllosen Aufzählungen, die dem Leser viel Geduld abfordern. Dies allerdings beschränkt sich nicht nur auf das erste Drittel des Buches, sondern auch auf den Rest. Ein harmloses Beispiel für die Satzkonstrukte des Autors:

 

Der Konsul schickte hingegen abermals Worte der Zuversicht über das Feld. "Die Barbaren Hispaniens und die Stämme der Alpen haben wir geschlagen. Die wilden Völker Asiens hören auf die Stimme Roms wie auch die Makedonien und Griechen des ägäischen Meeres. Illyrien lehrten eure Großväter Respekt, Africa brachten sie unter die Botmäßigkeit des Reiches. Eure Väter besiegten die Gallier, und die Kelten in der Poebene erstarren seit siebzig Jahren in Angst und Ehrfurcht, wenn sie den Namen Rom auch nur hören. Gesandtschaften aus Pontus und Ägypten, aus Kappadokien und Armenien buhlen um die Gunst des Senats. Römische Tugend wird in der gesamten Ökumene gepriesen, römisches Recht herrscht rund um das Innere Meer, unsere Götter beherrschen den Olymp."

Hat man das erste Drittel des Buches überstanden, hofft man, nun möge endlich die gut vorbereitete Geschichte beginnen. Dies geschieht aber nur langsam und immer wieder treten die vortragsartigen Einwürfe auf, die einen zügigen Lesefluß nicht zulassen. Darunter leidet die Spannung der Geschichte ganz erheblich.

Ein Fundament ohne Erzählung

Dabei ist die Grundkonstruktion der Geschichte durchaus ansprechend und die Charaktere versprechen einen schönen Lesegenuss. Die Dänen wollen keinen Krieg, sondern friedlich siedeln, wenngleich einige Völker gerne zum Schwert greifen. Die Römer dulden niemanden auf ihrem Gebiet und greifen auch gerne zum Schwert. Rom bleibt eben Rom. Timaios' Gespräche mit den Kimbern sind sehr interessant und intensiv und zeigen einem die Unterschiede der Völker auf und legen somit eigentlich ein Fundament für eine große Erzählung. Dass diese nicht gelingt, verdankt sie ihrem Autoren, der zwar viel weiß, dies aber auch unbedingt alles unterbringen will - das bekommt dem Buch nicht.

Und das ist schade. Wenn man sich bis zur letzten Seite des Buches durchgekämpft hat, folgt ein Ausblick, der mit einer Kurzzusammenfassung des Silberkessels beginnt und die Ankündigung auf einen Fortsetzungsband folgen lässt. Und obwohl Stefan Jäger sein Buch mit einer Art Cliffhanger enden lässt, ist es mehr als fraglich, ob sich der Leser für diese Fortsetzung interessieren wird.

Und der Silberkessel? Aus diesem Kessel, der wirklich existiert und der mit einem Foto vorne im Buch abgebildet ist, macht eine Hexe ihre Weissagungen. Dieser Kessel ist das heiligste, was die Kimbern haben und das ihnen gestohlen wird. Leider erhält der Kessel jedoch nicht die Wichtigkeit, die der Titel verspricht. Das scheint alles erst im zweiten Teil zu geschehen. Schade. Mehr Spannung und weniger Geschichtsunterricht hätten dem Buch wirklich gut getan.

Der Silberkessel

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Letzte Kommentare:
21.12.2012 13:56:34
fictionela

Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, jedoch gleich der Anfang hat mir den Atem verschlagen. Wo ist der Rand geblieben? Nur um mehr Wort hinein zu bekommen? Wer bitte um Himmels Willen hat bei diesen Roman Korrektur gelesen?
Zitat: "Sanke Notts Schleier dann langsam auf die Erde und besiegten nach kurzem Kampf den Tag, Dagr, dann zogen sich die Bewohner dieses Landstrichs in ihre lang gezogenen Behausungen zurück und warteten hinter Mauern..... "
Sanke Notts??? Das Wort Nott wurde zuvor beschrieben, wie dämlich soll ein Leser sein es nicht zu wissen. Beispiel: Nott's Schleier sank langsam auf die Erde nieder und besiegte nach kurzem Kampf den Tag, Dagr genannt.
Den Schachtelsatz vermeidend, würde es dann weiter gehen...
Am Anfang wandern zwei Kinder durch die frühe Nacht (bitte wann soll eine frühe Nacht sein?) Dann wieder die zwei Kinder... die in der Dunkelheit um gingen... Wer sind die Kinder? Da konnte ich nicht mehr an mich halten und holte meinen Rotstift.
Geniale Passage:
"Das Mädchen war jünger, kleiner und lebhafter, blieb neben einem Langhaus stehen und lugte durch einen schmalen Spalt im Flechtwerk. Der etwas größere Junge wartete aufgeregt daneben."
Bitte was???? Es gleicht einem Kind das das schrieb, aber nicht einem erwachsenden Menschen. Das Mädchen war jünger und kleiner, gleich darauf folgt das der Junge etwas größer war.

Wer diesen Roman geschrieben hat, mag vielleicht eine gute Geschichte zu erzählen haben, jedoch kein Leser der mehr als das Eine Buch gelesen hat, wird es schwerlich über die Ersten drei Seiten hinaus schaffen.
Grammatik 5
Ausdruck 5
Kürzungen 6
Dialekt in einem Buch ein NO GO (isses, biste verrückt etc.)
Falsche Wortwahl für die Zeit: 124 v. Chr.: zB. Bockmist

01.10.2009 20:34:41
Jens Lundt

Das Buch kommt nur langsam in Schwung.

Zunächst wird dem Leser nicht wirklich überzeugend dargebracht, wie es überhaupt möglich ist, dass sich ein Volk von mehr als 100.000 Menschen mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel in Bewegung setzt und auswandert. Ein Beschluss von einer Handvoll Menschen in einem Hinterzimmer - wie der Autor uns erzählt- kann es eigentlich nicht gewesen sein. Hier müssen dramatische Wortgefechte von demagogischer Überzeugungskraft vor versammeltem Stamm stattgefunden haben.

Und noch ein zweites Manko weisen die ersten Seiten auf. Als dramatisch erzählt wird, wie ein gewisser Vibilio ein Schwert gewinnt - ein damals offensichtlich seltener und ungemein wertvoller Besitz- glaubt man eine Hauptperson kennengelernt zu haben. Aber dieser Vibilio findet im weiteren einfach nicht mehr statt. Vermutlich war die Handlung ursprünglich anders geplant.

Doch nachdem der Leser diesen Teil hinter sich gebracht hat, wird das Buch immer besser. Überzeugend und mit großer Sachkenntnis wird der auf Dauer nicht zu gewinnende Überlebenskampf einer solch großen Menschenmenge gegen Hunger und Kälte geschildert. Die Hauptpersonen erscheinen charakterlich glaubhaft und liebenswert. Das Bild des "edlen Wilden" wird berührt aber glücklicherweise nicht übertrieben.

Für die Fortsetzung bleibt noch genug übrig, was sich in diesem Buch thematisch erst in der Entwicklung befindet. Die Friedensliebe der Kimbern wird immer stärker von den eigenen abenteuerlustigen Jungkriegern und ehrgeizigen Rivalen des Herzogs auf die Probe gestellt. Hier kann man von der Fortsetzung noch einiges erwarten.

Auch das Problem, dass es einfach kein Siedlungsland gibt, da überall schon andere Völker leben, wird nur gestreift, wird aber voraussichtlich beim jahrelangen Weiterziehen noch dramatisch an Bedeutung gewinnen..

Ich werde auch die Fortsetzung lesen.

11.02.2008 21:00:16
T. Rudolph

Stephan Jäger beschreibt in seinem Erstlingswerk „Der Silberkessel“ die Wanderung der Kimbern und Teutonen in Richtung Süden. Also die Zeit der ersten Völkerwanderung. Als Hauptpersonen des Romans sind dabei Timaios, ein massalitischer Händler und eine kimbrische Frau namens Svanhild. Der Autor schafft es, den Leser gut in die beschriebene Epoche zu versetzen.
Jäger, der seine Diplomarbeit über den „Untergang des römischen Reiches aus ökonomischer Sicht“ schrieb, besitzt ein großes Fachwissen und zögert auch nicht, es in dem Roman einzubringen. Dies tut er zum Teil in recht langen Sätzen, die jedoch oft – wie in dem von meinem Vorredner oben negativ genannten Beispiel – durch ihre komplexe Syntax die Bedeutungsebene unterstreichen. Sehr gut ist es, dass Jäger einige Begriffe, die vielen heutigen Lesern nicht mehr geläufig sind, per Fußnoten erklärt, um es auch denen, die sich mit germanischer und römischer Mythologie und Sagenwelt nicht so gut auskennen zu ermöglichen, den Text zu verstehen. Leider kommen in dem Buch sehr viele – u.a. fremdartige - Namen vor, so dass es manchmal schwer fällt, die Personen zuzuordnen. Es fehlt eindeutig ein dramatis personae (sehr schön: Im zweiten Band „Das Gold des Nordens“ ist dieses vorhanden).

Das Buch stellt den ersten Teil einer Trilogie dar und gibt als solche einen schönen Einstieg in sowohl die beschriebene Zeit, als auch den Hauptplot selber.
Alles in allem ein durchaus gelungenes Buch, welches jedoch an einigen Stellen leider Längen aufweist (gerade das zweite Kapitel ist etwas trocken). Ich persönlich freue mich dennoch darauf, den zweiten Teil zu lesen.

10.01.2008 18:18:18
Sabine Reiger

Wenn man sich wirklich für die Zeit und die Umstände interessiert, in der "Der Silberkessel" spielt, dann findet man die Beschreibungen und detailreichen Ausführungen eher interessant als langweilig. Mir haben sie geholfen, ein sehr genaues Bild zu haben, Futter für die Phantasie sozusagen. Für mich sehr interessant waren die Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen der damaligen zivilisierten Welt und den sog. Barbaren. Und der zweite Teil entlohnt für evt. Mühen, die man beim ersten Teil hatte.

05.01.2008 16:53:57
Astrid Griesel

Für mich ist nicht ersichtlich, warum Herr Jaehner den Silberkessel so verreißt. Die von ihm kritisierten vielen Aufzählungen und Beschreibungen dienen meiner Meinung nach auch dazu, sich die Szenarien besser vorstellen zu können. Es ist wie bei einem Monumentalfilm, da gibt es auch Szenen, die z. B. ein ganzes Heer in Panoramaszene zeigen und dann wieder Schnitte, wo die Personen im Detail zu sehen sind. Genauso empfinde ich das in diesem Buch. Und dann parallel dazu die außergewöhnliche Liebesgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Ich sehe da schon die angeblich fehlende Spannung.
Jeder Schreibstil ist anders und sowieso Geschmackssache. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf den zweiten Band. Meine Kritik gilt eher dem Verlag: Ein Jahr Wartezeit zwischen dem 1. und dem 2. Band finde ich zu lang, aber dafür kann der Autor ja nichts.

16.07.2007 12:29:31
P. Kootz

Kann mich meinen Vorkritikern nur bedingt anschließen. Das Buch ist gut geschrieben, nur in den ersten Kapiteln stellenweise langatmig, aber immer informativ und spannend. Die Kulisse gefällt mir als Antikenfan sowieso und das Ende kommt überrschend und offen, aber ich warte jetzt mal gespannt auf den nächsten Band.

18.05.2007 12:25:12
Clementi Alex

Hätte mir mehr Spannung erwartet als letzttendlich geschehen.
Nach einem eher belanglosem Anfang, wird die Story nach der
siegreichen Schlacht mit den Römern ganz interessant,bleibt aber
immer wieder mit weitgezogenen Betrachtungen der Darsteller eher
langweilig. Der eigentliche Kern der Geschichte (Kessel und die
Liebe) wird erwartet,aber plötzlich wird alles vage und auf die
lange Bank geschoben. Mit einer Fortsetzung fühlt sich der Leser
wie ich jedenfalls irgendwie betrogen.