Die letzten Tage der Nacht

Erschienen: Februar 2017

Bibliographische Angaben

  • Eichborn, 2016, Titel: 'The Last Days of Night', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Packender Wissenschafts- und Anwaltskrimi. Wer erfand die Glühbirne?

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2019

1888. New York. Paul Cravath, 26 Jahre jung und als Anwalt noch ohne eigenen Fall, hat es geschafft als Partner in die Kanzlei seines ehemaligen Mentors einsteigen zu können, wenngleich zu recht bescheidenen Konditionen. Umso mehr überrascht, dass sein erster Mandant George Westinghouse ist, der von seinem Gegenspieler, dem berühmten Erfinder Thomas Alva Edison, verklagt wird. Es geht um nichts Geringeres als um die Beantwortung der Frage, wer die Glühbirne erfunden hat? Das erforderliche Patent wurde am 27. Januar 1880 an Edison vergeben und es ist das bislang mit Abstand wertvollste in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Streitwert: Eine Milliarde Dollar!

„Edisons Glühbirnen gehen ständig kaputt. Seine Generatoren müssen sogar noch öfter repariert werden als seine lausigen Telegrafen. Wissen Sie, dass die Glühbirnen, die er verkauft, nur halb so lange halten wie meine? Und nur Dreiviertel der Helligkeit produzieren? Ein Produkt also, das in jeglicher Hinsicht minderwertig ist. Und trotzdem kaufen die Leute sie in Wagenladungen. Er verkauft viermal so viele wie ich, trotz der Konstruktionsmängel. Wer weiß warum? Merken die Leute denn nicht, das Edison die Geduld fehlt – ganz zu schweigen von der handwerklichen Fähigkeit und Raffinesse -, um tatsächlich Qualitätsprodukte zu entwickeln?“

Doch warum überlässt Westinghouse diesen Fall einem unerfahrenen Anwalt? Edison hat mit J. P. Morgan den größten Geldgeber im Rücken und es dürfte kaum Anwälte geben, die nicht bereits selber oder über Dritte für einen der Beiden arbeiten. Cravath ist dagegen unabhängig, jung und erfolgsbesessen, dabei glaubt niemand, dass er den Fall gewinnen kann. Dazu müsste eine neue Erfindung her, die die Glühbirne von Edison mit einer neuen Stromart bedient. Edison schwört auf Gleichstrom, während Westinghouse auf Wechselstrom setzt. Dieser ist deutlich besser, denn Gleichstrom funktioniert nur über eine kurze Distanz. Allein, die Idee mit dem Wechselstrom funktioniert noch nicht. Helfen soll der serbische Erfinder Nikolas Tesla, der sich einst im Streit von Edison trennte. Doch Tesla ist ein Exzentriker der Extraklasse, verliert zudem nach einem Brand sein Labor und sein Gedächtnis. Kann ausgerechnet Agnes Huntington, die erfolgreichste Sängerin der New Yorker Oper, Paul helfen?

Edison, Westinghouse, Tesla, J. P. Morgan – Große Namen, großer Roman!

Wer nach der verkürzten Inhaltsangabe kurz davor steht aufzugeben, weil zu viel Technik und Physik im Spiel ist, sei entwarnt. Der mit einem Oscar ausgezeichnete Autor Graham Moore (Bestes adaptiertes Drehbuch für „The Imitation Game“, 2015) versteht es meisterhaft, seine Leserschaft mitzunehmen. Interesse - nicht zwingend Kenntnisse - an Wissenschaft, Physik, Erfindungen und Juristerei sollte allerdings vorhanden sein. Der Streit um „die Zukunft Amerikas“ hat als so genannter „Stromkrieg“ zwischen 1888 und 1896 stattgefunden und wird aus dramaturgischen Gründen auf die Jahre 1888 bis 1890 verdichtet. Überhaupt werden bei diesem sorgfältig recherchierten Werk einige Dinge „verschoben“; es ist schließlich keine Chronologie und keine Dokumentation, sondern ein Roman. Eine Richtigstellung über die wesentlichen Freiheiten, welche sich Graham Moore herausgenommen hat, findet sich im lesenswerten Anhang.

„Sie wollen immer noch verhandeln?“
„Ja. Sobald Sie damit aufhören, wird Ihnen nie wieder etwas angeboten.“

Jedem der 72 Kapitel steht ein interessantes Zitat vorneweg; von den Protagonisten der Geschichte sowie von Steve Jobs, Bill Gates, Karl Popper u. a. Die Charaktere der fünf Hauptfiguren (Cravath, Edison, Westinghouse, Tesla und Huntington) sind interessant gezeichnet. So wird vor allem Edison als großer Maulheld und Blender mit geringem wissenschaftlichem Verstand dargestellt, der vor allem die Öffentlichkeit sucht und ein großes Verkaufsgenie ist. Westinghouse (er erfand die „Druckluftbremse“ für Eisenbahnen), dessen Name im Gegensatz zu Edison überraschend in Vergessenheit geriet, ist hingegen der große Macher, der die meisten Glühbirnen verkaufen möchte – und natürlich die Besten. Tesla wiederum ist ein verschrobener Wissenschaftler, ein König, der in seinem Universum lebt, wenngleich als einziger Bewohner. Er ernährt sich von Wasser und Salzcrackern, Kommerz ist ihm ein Fremdwort. Er hat Visionen – und Halluzinationen – und sieht Dinge aus der Zukunft (wie das kabellose Telefon), welche er erforschen möchte.

Paul Cravath, die überaus ehrgeizige Hauptfigur, erfand die moderne Anwaltskanzlei (wenngleich erst Anfang des 19. Jahrhunderts), in der ein Partner den Fall übernimmt, ihm unterstellte Anwälte die juristische Tagesarbeit leisten. Agnes Huntington ist die ebenso erfolgreiche wie umwerfend aussehende Opernsängerin, die jedoch ein streng gehütetes Geheimnis bezüglich ihrer Herkunft mit sich trägt. Zur Lösung des „Problems“ träg sie ebenso maßgeblich bei wie am Ende auch J. P. Morgan. 

Fazit:

„Die letzten Tage der Nacht“ ist ein packender, fundierter Wissenschafts- und Anwaltskrimi mit allem was dazu gehört. Ein junger Anwalt im Spiel mit den ganz großen Forschern und Finanzmagnaten ihrer Zeit. Zahlreiche Intrigen und Wendungen treiben voran und halten den Spannungsbogen stets auf hohem Niveau. Zudem erhält man einen guten Einblick in die Arbeit der Anwälte sowie in das „Zeitalter der Erfindungen“, welches durch den Siegeszug der Glühbirne, sprich den Einzug der Elektrizität auch in private Haushalte, nicht nur die Vereinigten Staaten revolutionierte. Bliebe noch die Frage offen, ob Edison das Telefon erfunden hat (wie er behauptet), denn einen Kurzauftritt von Abraham Graham Bell gibt es ebenfalls.

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