Morddeutung

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2006, Titel: 'The Interpretation of Murder', Originalausgabe

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80

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Jörg Kijanski
Sigmund Freud, Hamlet<br> und eine tote Frau

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2007

Der Begründer der Psychoanalyse wird von der Clark University zu einer Vorlesungsreihe eingeladen und trifft am 29. August 1909 in Begleitung seiner Schüler Sandor Ferenczi und C. G. Jung in New York zu seinem einzigen Amerikaaufenthalt ein. Stratham Younger, der einzige Psychoanalytiker Amerikas, soll Freud während seiner Reise begleiten, doch neben der Besichtigung zahlreicher Sehenswürdigkeiten steht plötzlich ein ganz anderer Punkt oben auf der Tagesordnung.

Im Balmoral Haus wird die junge Elizabeth Riverford ermordet aufgefunden. Der Besitzer des Gebäudes, George Banwell, ist um äußerste Diskretion bemüht und gerät daher in Konflikt mit Coroner Charles Hugel, der gemeinsam mit Detective Jimmy Littlemore ermittelt. Kurz darauf wird eine zweite junge Frau, Nora Acton, offenbar von dem gleichen Täter überfallen. Nora überlebt zwar den Angriff, kann sich aber an den Überfall selbst nicht mehr erinnern. Da die Zeit drängt, wird Freud gebeten mittels einer Psychoanalyse zu versuchen, Noras Erinnerung wieder herzustellen, damit sie den Mörder identifizieren kann. Freuds Terminplanung lässt dies jedoch nicht zu und so bittet er Younger die Befragung Noras durchzuführen. Er selber wolle dann beratend zur Seite stehen.

Zunächst widersetzt sich Nora der Befragung, doch als sie später den Täter identifizieren kann, gibt es ein neues Problem. Dieser war zur Zeit des Mordes an Riverford weit entfernt von New York, zusammen mit dessen Polizeichef Bürgermeister McClellan. Während Hugel, Littlemore und Younger gemeinsam weiter ermitteln, erfährt Freud zusätzlichen Ärger, denn offenbar gibt es Bestrebungen seine Vortragsreihe zu verhindern... 

Sehr anspruchsvoller Debütroman eines Experten
über Freud und Shakespeare

Sigmund Freud besuchte 1909 das erste und einzige Mal die Vereinigten Staaten und äußerte sich später sehr abfällig, indem er die Amerikaner unter anderem als ";Wilde" bezeichnete. Da unklar ist, woher Freuds Abneigung gegen Amerika stammt, hat Professor Jed Rubenfeld diese Lücke zumindest ";fiktiv" in seinem Romandebüt ";Morddeutung" geschlossen. Der Roman basiert, von dem Mordfall abgesehen, weitestgehend auf historischen Begebenheiten sowie zahlreichen realen Personen und so ist das Buch vor allem für jene Leser hoch interessant, die sich mit Freud oder der Psychoanalyse beschäftigen. Übertragung, Gegenübertragung, Ödipuskomplex und Freuds Sexualtheorien sind ständig wiederkehrende Themen, ebenso wie die Frage nach der Interpretation von Hamlets ";Sein oder Nichtsein". Wer also diesbezügliche seitenlange Diskussionen nicht als ";Psychogeschwafel" ablehnt, sondern sich für die Entstehung und Verbreiterung von Freuds Thesen interessiert, der findet hier einen neuen und recht unterhaltsamen Zugang zu dieser Thematik. Und wer schon immer einmal wissen wollte, was es mit Hamlet auf sich hat, kann sich hier ebenfalls neue geistige Nahrung verschaffen. Seitenlang gibt Rubenfeld, der die Werke Shakespeares studiert hat, über seinen Protagonisten Younger Interpretationsversuche, wie der berühmte Ausspruch ";Sein oder Nichtsein" (Leben oder Tod) zu deuten sein könnte. Wer mit den vorgenannten Themen nichts anfangen kann, wird vermutlich dem Autor vorwerfen, hier nur die Seiten füllen zu wollen, doch sollten all diejenigen erst gar nicht zu dem Buch greifen.

Der Roman spielt auf mehreren Ebenen. Zunächst ist da das eigenwillige Ermittlerduo mit Coroner Hugel und Detective Littlemore, das versucht den Mordfall Riverford zu lösen. Daneben die Gruppe um Freud, Jung, Ferenczi und andere Experten und als Bindeglied zwischen den beiden Erzählsträngen.Dr. Younger, der als Ich-Erzähler das Geschehen weitgehend kommentiert. Die Charaktere sind sehr gut dargestellt, ebenso wie das historische Umfeld. Das Telefon startet seinen Siegeszug, Pferdedroschken werden immer mehr verdrängt, die Manhattan Bridge ist kurz vor ihrer Eröffnung, an zahlreichen Stellen schießen immer neue Hochhäuser aus der Erde und so ist ";Morddeutung" auch ein kleines Stück New Yorker Stadtgeschichte. Fast alles hat Rubenfeld sauber recherchiert und da, wo er von seiner literarischen Freiheit Gebrauch macht, also beispielsweise Ereignisse zeitlich verschiebt, stellt er diese ";Fehler" in einer umfangreichen Nachbemerkung richtig. So kommt es in dem Roman zu einem Zerwürfnis zwischen Freud und Jung, welches in Wirklichkeit erst 1912 stattfand, aus ";dramaturgischen Gründen" hier aber wunderbar hinein passt.

Ordentlicher Krimiplot mit diskussionswürdigem Ausgang

Wir sind hier zwar nicht auf der Krimi-Couch, aber wie sieht es denn nun eigentlich mit dem Krimi ";Morddeutung" aus?? Der findet ebenfalls statt, eingebettet in die oben dargestellte Themenbandbreite und ist durchaus solide aufgebaut. Noras Befragung ergibt immer wieder neue Wendungen und das ";Zusammenspiel" der gegensätzlichen Charaktere Hugel und Littlemore ist äußerst unterhaltsam.

 

Ich hab mir gedacht, die Decke sieht nicht besonders fest aus, also bin ich hoch aufs Bett, hab ein bisschen an der Konstruktion gezogen, und schon kam sie runter."";Sie haben sich gedacht, die Decke sieht nicht besonders fest aus, also haben Sie an der Lampe gezogen, und sie ist heraus gebrochen. Ich muss schon sagen, Detective, ausgezeichnete Arbeit."";Danke, Mr. Hugel."
";Vielleicht demolieren Sie nächstes Mal gleich das ganze Zimmer. Gibt es noch mehr Spuren, die sie vernichtet haben?

Mit ";Action" wird sparsam umgegangen, dafür die polizeiliche Ermittlungsarbeit detailgetreu beschrieben. ";Morddeutung" ist kein Pageturner, aber dennoch flüssig lesbar. Das Ende beziehungsweise die Auflösung ist allerdings diskussionswürdig (und sorgt für Punktabzüge).

Morddeutung

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Letzte Kommentare:
31.01.2013 17:34:39
Marina

Tut mir leid, das Buch mag ja historisch wertvoll und gut recherchiert sein, aber ich finde es einfach quälend langweilig. Ich habe mich mühsam bis auf Seite 110 vorgearbeitet, überlege nun aber, ob ich es überhaupt weiterlesen soll. Ich bin zwar ein Fan von Siegmund Freud und die Psychoanalyse hat mich schon immer interessiert, aber dieses Buch ist einfach nur öde. Seitenweise passiert einfach nichts. Wie oben in der Rezension von Krimi Couch erwähnt: Ein Page Turner ist dieses Buch ganz sicher nicht.

19.01.2011 19:41:55
lyly

das Buch ist einfah geil . das Ende ist super . es ist zwar ein bischen Pervers aber super . am anfang super spannend. von seite 100 bis 200 nicht so aber dann gehts rppi di puppi. vor allem am Ende kommen so überraschende wendungen das ist einfach der hammer und wie fakt und fiktion verknüpft sind grandios

31.08.2009 10:15:19
tedesca

Historisches und Biografisches verwoben durch eine spannende Krimihandlung. Wie Rubenfeld in seinem Nachwort schreibt, sind alle Fakten genau recherchiert, nur mit der Zeitfolge hat er es dort nicht so genaugenommen, wo es seiner Handlung dienlich war. Z.B. findet der Bruch zwischen Freud und Jung erst später statt und nicht während ihres Aufenthalts in New York 1909, aber einem Laien wie mir macht das weiter nichts aus, denn das Buch fasziniert einerseits durch seine gewählte Sprache und andererseits durch die vielen interessanten Dinge, die man u.a. über New York und seine Gesellschaft erfährt. Wer weiß schon, dass zum Bau der Brücken eine Art riesige Taucherglocke gebaut wurde, aus der die Bauarbeiter nur mit Zwischenstopps auffahren konnten, um nicht an der Taucherkrankheit zu sterben? Rubenfeld beschreibt eine Stadt, die ständig wächst, vor allem in die Höhe, und wenn man ein Bild von New York vor dem geistigen Auge hat, kann man sich richtig vorstellen, wie sich die Skyline langsam entwickelt.

Auch die Diskurse über die Psychoanalyse, die damals ja noch in ihren Kinderschuhen steckte, fand ich sehr aufschlussreich und interessant.

Die Krimihandlung selbst war sehr spannend, bis zum Schluss konnte man eigentlich nicht erahnen, was da jetzt genau passiert ist, allerdings ist sie letztendlich etwas unglaubhaft und konstruiert.

Nichts destotrotz handelt es sich um ein gutes Buch, das ich jederzeit Krimifans und Freunden spannender Literatur weiterempfehlen würde.

06.01.2009 17:36:30
Bio-Fan

Von allem etwas. Ein bisschen Historisches, ein wenig Biographisc hes, eine Prise Kriminales. Freuds Amerikaaufenthalt 1909 kombiniert mit einem fiktiven Mordfall.
Ich habe den Roman mit viel Interesse gelesen, aber letztendlich leidet er doch zu sehr an seinem "Zwitter"dasein. Der Kriminalfall ist der Schwachpunkt der Geschichte, wirkt er doch arg konstruiert, was besonders am Ende deutlich wird, im krampfhaften Bemühen des Autors, eine unerwartete Lösung zu prasentieren. Von einer "Morddeutung" nach Freudschen Thesen, wie sie ja anfänglich noch diskutiert wurde, blieb leider nichts mehr übrig.
Kann man lesen 75Grad

10.03.2007 15:40:04
Leszek Knitter

Nach Rita Monaldi und Francesco Sorti hat sich nun auch Jed Rubenfeld vorgenommen ein Stück Geschichte mit seiner Fantasie zu vermischen und nieder zu schreiben. Allerdings ist dieser Vergleich nicht all zu ernst zu nehmen, denn es sind völlig verschiedene Welten und Epochen.
"Morddeuteung" ist meines Erachtens ein sehr gut gelungenes Buch. Eine gelesene Zeile weckt ungeheure Neugier auf die nächste. Von "action" kann hier nicht die Rede sein, es baut sich vielmehr eine Spannung auf, die süchtig machen kann! Das Werk lässt sich sehr einfach lesen, obwohl die Schauplätze teils ziemlich oft wechseln.
Die historischen Beschreibungen von New York sind sehr interessant, selbst wenn man kein Kenner (wie ich) dieser Stadt ist. Insgesamt ist die Erzählung wirklichkeitsnah, sodass man sich während des Lesens immer wieder fragt, ob es nun Fakten sind oder pure Fantasie. Die Anwort auf diese Frage bekommt man in der Nachbemerkung, die man unbedingt lesen sollte (aber bitte auch zum Schluss).
Es ist nicht das Beste Buch, das ich je gelesen habe, kann es aber jedem herzlich empfehlen, der sich für Geschichte und psychologische Verhaltensweisen interessiert. Auch Krimifans kommen nicht zu kurz. Im Allgemeinen denke ich, dass dieses Buch jedem gefallen dürfte.
Zum Schluss möchte ich den Autor loben. Dafür, dass es seine Premiere war, ist das Buch excellent. Ich werde den Namen Jed Rubenfeld im Auge behalten und hoffe, dass es nicht sein letztes Werk dieser Art gewesen ist!

Viel Spass beim lesen!