Die Mutter des Satans

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2017, Titel: 'Die Mutter des Satans', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Yvonne Schulze
Der Blick der Mutter auf den berühmten Sohn

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Feb 2017

Es ist ein ziemlich reißerischer Titel, der dem Leser vom Cover dieses Buches entgegenspringt, doch die Frau, die von einigen ihrer Zeitgenossen als eben jene "Mutter des Satans" betitelt wurde, ist keine geringere als Margarethe Luder, die Mutter des Reformators Martin Luther. Während im Reformationsjahr 2017 Martin Luther in aller Munde ist, widmen sich die Beinert-Geschwister in ihrem neuen Roman der Mutter des Reformators. Wer war diese Frau und welchen Einfluss hatte sie auf die Entwicklung und den Werdegang Martin Luthers? Wie sah die Kindheit des großen Reformators aus? Die Autorinnen lassen Margarethe diese Fragen selbst beantworten. Da wir heute verständlicherweise nicht mehr nachvollziehen können, wie Margarethe gedacht hat, sind diese Erinnerungen fiktiver Natur. Doch das heißt nun nicht zwangsläufig, dass in diesem Roman alles erfunden ist. Die Autorinnen lassen viele Erkenntnisse, die sie bei ihren Recherchen gewonnen haben, in die Handlung mit einfließen.

Die Luders und ihre Zeit

Der Roman beginnt im Jahr 1483 mit der beschwerlichen Reise des Ehepaares Luder nach Eisleben. Margarethe, die als Ratsherrentochter unter ihrem Stand geheiratet hat, ist hochschwanger. Doch Hans Luder ist ein strebsamer Mann, der eine Karriere als Hüttenmeister im Kupferbergbau anstrebt. Kaum in Eisleben angekommen, bringt Margarethe unter höchst dramatischen Umständen ihren Sohn Martin zur Welt, bevor die Handlung dann in das Jahr 1527 springt und der Leser sich im Atelier des Malers Lucas Cranach wiederfindet, der im Auftrag seines Freundes Martin Luther dessen Eltern porträtieren soll, eben jenes Porträt Margarethes, das auch das Cover dieses Buches ziert. Die Romanhandlung spielt also auf zwei Zeitebenen. Cranachs künstlerisch-analytischer Blick auf Margarethe gibt der Geschichte nicht nur eine andere Perspektive, sondern ist auch die Sicht eines Zeitgenossen auf die Mutter des Reformators. Kunsthistorische Elemente und Details aus Cranachs Familienleben sowie sein Wirken als Maler finden neben den Erzählungen Margarethes Einzug in die Geschichte. In diesen Erzählungen erfährt der Leser viel über das gesellschaftliche Leben jener Zeit, sei es das Familienleben der Luders, die strenge Erziehung der Kinder und die untergeordnete und ihrem Ehemann absoluten Gehorsam schuldende Rolle der Ehefrau. Kriege, Hexenverfolgung und Pestepidemien sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, wie auch das schwere Los der Bauern und das Bergwesen jener Zeit. Das Bild Margarethes, das die Autorinnen vor den Augen des Lesers entstehen lassen, ist das einer liebevollen Mutter und gehorsamen, gottesfürchtigen Ehefrau. Die für diese Zeit typische Gottesfürchtigkeit und Religiosität ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die starke Hinwendung zum Glauben nimmt zuweilen Ausmaße an, über die man heute nur noch staunend den Kopf schütteln kann. Der Aberglaube, der Ablasshandel, die Macht der Kirche, die ständig mit dem strafenden Gott droht und die Menschen so unter ihre Knute zwingt, also all jene Umstände, die letztendlich zur Reformation geführt haben, werden hier ganz besonders deutlich.

Unausgewogene Handlungsabläufe mit einigen Längen  

Martin Luthers Kindheit und sein Weg zum Glauben werden hauptsächlich aus Sicht seiner Mutter erzählt. Margarethe strahlt eine stille Würde aus und dementsprechend angepasst ist auch der Sprachstil dieses Romans. Die Autorinnen erzählen sehr ruhig, manchmal behäbig und belehrend, womit gerade die Leser, denen eine Handlung nicht dramatisch und abenteuerlich genug sein kann, sicher ihre Schwierigkeiten haben werden. Der Nachteil dieser zurückgenommenen Erzählweise ist, dass hier wenig Spannung aufkommt. Auch verlieren sich die Autorinnen gerne einmal in detailfreudigen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten. Als Beispiel sei hier nur das Hüttenwesen jener Zeit genannt, das sicherlich erwähnenswert ist, weil es den Lebensunterhalt der Luders begründet, das von den Autorinnen aber viel zu detailliert und lehrbuchhaft beschrieben wird, wobei die Autorinnen hier Margarethe über das Bergwesen referieren lassen, was wenig glaubwürdig wirkt. Die Ratsherrentochter Margarethe mag zwar eine gewisse Bildung genossen haben, diese wird aber eher auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau und Mutter ausgerichtet gewesen sein und ganz sicher kein Fachwissen über das Bergwesen beinhaltet haben. Auf der anderen Seite wird dann aber die Zeit, als Martin gegen die katholische Kirche und den Papst zu Felde zieht und als Ketzer verfolgt wird und die zwangsläufig auch für seine Angehörigen eine sehr schwere und gefährliche Zeit gewesen sein muss, sehr oberflächlich abgehandelt. Dabei ist doch gerade dieses Thema besonders interessant und es ist schade, dass die Konsequenzen von Luthers Glaubensfeldzug für das Leben seiner Angehörigen hier so wenig Beachtung finden.

Die Mutter des Satans ist ein interessanter Roman, der eine etwas andere Sicht auf den großen Reformator wirft. Dass dabei so manches der Fantasie der Autorinnen entsprungen ist, kann dahingestellt bleiben, denn die Umsetzung des Themas ist im Großen und Ganzen gelungen und hätte sich auch so abgespielt haben können. Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches Nachwort, ein Personenverzeichnis und ein Glossar, des Weiteren sind die Texte der Fabeln, die in diesem Roman eine Rolle spielen, im Anhang zu finden und der einzige überlieferte Brief Martin Luthers an seine Mutter ist dem Roman als Prolog vorangestellt.  

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