Der Sturm der Normannen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Der Sturm der Normannen', Originalausgabe

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Süditalien 1057: Für den jungen Normannen Gilbert und seinen Herrn Robert Guiscard stehen die Zeichen schlecht. Innere Zerrissenheit und Bruderkrieg drohen das Normannenreich zu zerstören. Auch der Papst sinnt auf Rache, und die heimliche Liebe der Fürstin Gaitelgrima bringt Robert in den Kerker. Ein erbitterter Kampf um die Herrschaft entbrennt. Nur Gilbert kann seinen Herrn noch retten. Doch er steht allein gegen eine gewaltige Übermacht.

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Letzte Kommentare:
12.03.2019 20:11:26
Emma

Ich muss hier loswerden, dass ich die ganze Reihe nicht gut finde. Ich habe sie nur gelesen, weil es, dachte ich fälschlich, die einzigen Historischen Romane um Guiscard waren, aber damit fängt es schon an; wenn man sich in dieser Story "Normannen in Süditalien" auskennt, bleibt dieser Robert Hauteville so blass, wie er es nicht verdient hat.
Das ist mit gutem Willen schlecht recherchiert, weshalb es auch eine gute Idee war, die Geschichte aus der Perspektive eines Einfaltspinsels zu schreiben. Dann fällt es nicht so arg auf.
Robert läuft im Band 1 herum und behauptet gegenüber einem Griechen, er wäre ein französischer Edelmann. Hat man auch nur die geringste Ahnung von den Normannen weiß man, das hätte er so nie behauptet, denn er wird sich nicht als Franzose gesehen haben. Die Belehnung des Wikingeranführers (Jarls) Rollo mit der Normandie war noch nicht sooo lange her; bis weit über Wilhelm dem Eroberer hinaus lebten sie dort nach den alten Clansregeln der Wikinger, das schließt tiefe Gläubigkeit aus. So war z.B. Wilhelm auch nur in in der christlichen Geschichtsschreibung ein Bastard. Im Denken der Normannen war er ein legitimer Sohn einer Nebenfrau seines Vaters. Und so war es auch mit Aberada und Robert; um die Ehe mit Sichelgaita, der Lombardin schließen zu können, musste die Ehe mit Aberada anulliert werden. Sie ging nicht in ein Kloster, sondern wurde pro forma mit einem blutjungen Neffen vermählt. DIe Quellen (Malaterra, W. v. Apulien) legen den Schluss nahe, dass sie bis zu seinem Tode im Wikingersinne "Die Hüterin des Herdes" gewesen war. Auf ihrer Grabplatte steht: "Hier liegt Aberada, Ehefrau des Guiscard."
Sie war nie etwas anderes gewesen, aber, fast noch wichtiger: Sie war eine direkte Nachfahrin Rollos, des ersten Herzogs der Normandie. (Getauft auf Robert) Vor den Augen der anderen Normannen hatte er somit eine anbetungswürdige Gemahlin. Natürlich kann man ihn sich in einem Roman, der ja Fiktion ist, in Sichelgaitas Schwester Gaitelgrima verlieben lassen, aber es ist nicht überzeugend, kennt man die Zusammenhänge.
Im Band 1 findet die Schlacht von Civitate soweit ich mich erinnere vor der Ermordung Gaimar von Salernos statt. Das ist falsch.
Leo IX hatte ja jahrelang versucht, eine Allianz gegen die Normannen zustande zu bringen und Gaimar stets genötigt, gegen seine normannischen Vasallen auf der Seite der Allianz zu stehen. Das konnte er nicht. Er wurde permanent vom Papst damit behelligt, versprach aber nur Neutralität. Am Ende hatte er die Behelligungen derart satt, dass er Leo IX entgegnete, er würde auf Seiten der Normannen kämpfen. (Wilhelm von Apulien)
Das hat maßgeblich dazu beigetragen, die Teanos gegen ihn aufzubringen. Bei Civitate war er schon tot.
Der Komplott kam nicht danach.
Wichtiger noch: Robert Hauteville war kein tiefgläubiger Mann. Natürlich war gesellschaftliches Leben im Mittelalter nur in der christlichen Gemeinschaft denkbar, aber, Liebe Leute, der Mann ist 3 Mal aufeinanderfolgend exkommuniziert worden und es hat ihn einen Kehricht interessiert. Zur selben Zeit, in der Heinrich wegen nur eines Banns durch den Schnee nach Canossa ging.
Denn normalerweise sind alle Vasallen von der Gefolgschaft befreit, wenn der Fürst gebannt war, mehr noch, folgten sie ihm, traf sie gleichwohl der Bannstrahl. Gebannt war man vogelfrei. Ausgestoßen. Aber das interessierte keinen einzigen normannischen Vasallen. In der Geschichtsforschung nennt man das Normanitas. Das bedeutet; der Clansgedanke steht über der Religion.
Und mit dem nach Canossa pilgernden Heinrich hatte das Ganze ja auch zu tun: Robert Hauteville und Richard von Capua waren die Lehnsmänner des Papstes. Es gab den Investiturstreit, Heinrich marschierte mehrmals mit Truppen gen Rom, der Papst brauchte die Waffenhilfe seiner normannischer Herzöge, aber die hatten Besseres zu tun. Sie interessierten sich nicht dafür. Halfen also nicht, daher der Bann. Sie taten beide nichts, was es erlaubt hätte, den Bannstrahl aufzuheben. Im Gegenteil; als sie von dem Ärger des Papstes mit Heinrich ausreichend überzeugt waren und Heinrich versuchte, diese beiden Herzöge, die bis dahin im Clinch miteinander lagen, auf seine Seite zu ziehen, taten sie was? Sie versöhnten sich, Robert lieh Richard Schiffe für dessen Belagerung von Neapel und Richard lieh Robert Leute für dessen Belagerung von Salerno, wo sein aufmüpfiger Schwager gerade dabei gewesen war, eine neue Allianz gegen die Normannen zu schmieden. Wer das in Romanform lesen will, kann "MeinerTreu III Machtspiele" lesen.
Viel später, so weit ist die Saga nie gekommen, war Robert gerade dabei, Byzanz zu erobern, als die neuen Hilferufe des Papstes ihn erreichten. Er war so genervt, dass er schwor sich erst wieder zu rasieren, wenn der Blödsinn vorbei ist, übergab das Kommando seinem Sohn Boemund und zog gen Rom, um dem Papst zu helfen. Als er ankam, war das nicht mehr nötig, aber schwer entnervt überzog er Rom dennoch mit Feuer und Schwert. Er zerstörte Rom auf eine Weise, wie es die Barbaren in der ausgehenden Römischen Kaiserzeit, als Belisar und Narses gegen den Untergang kämpften, es nicht vermocht hatten, weil er stinksauer war, denn er hatte den Byzanz-Feldzug wegen diesem Mumpitz verlassen müssen.
Macht so etwas ein getreuer Sohn der katholischen Kirche?
Dafür bekam er auch einen Ehrenplatz in Dante Alighieris Göttlicher Komödie, ich weiß grad nicht, in welchem Höllenkreis, aber er wird namentlich genannt.
Im Übrigen wurde er zum ersten Mal gebannt, weil er nicht gestorben war. Krank darniederliegend in Bari dachte der Heilige Vater schon, er wäre den los und könnte auf den jungen Sohn Roger Borsa als getreuen Diener der Kirche bauen, aber leider beantwortete Robert Hauteville das Kondolenzschreiben selbst. (Malaterra) Das dürfte ihm diebische Freude bereitet haben, der Papst jedoch war nicht entzückt. Ein bisschen Streit, Verbalgefechte, weil Robert sich weigerte sich re-investieren zu lassen, gingen dem ersten Kirchenbann voraus.
Er war gierig und skrupellos, aber sicher auch gut aussehend und charismatisch, dennoch; als er Bari belagerte, rannten die Einwohner der Stadt mit all ihrem Gold und Silber zur Stadtmauer, um ihm mit dem zu winken, was er nie besitzen wird (Malaterra). Sie haben sich geirrt, weil sie ihn unterschätzt hatten. Aber an der Geste wird deutlich, wie er gewesen war.
Sichelgaita übrigens war eine Kriegerprinzessin. Nur in einer Sache kämpfte sie nicht an seiner Seite (ja, sie führte das Schwert wie ein Mann), nämlich als sie Trani selbst belagerte und eroberte. Ansonsten war sie immer dabei, mittendrin und gebar nebenher einige Kinder, die sie schleunigst nach Melfi oder später Salerno bringen ließ.
Bei der Schlacht um Durazzo trug sie maßgeblich, mit dem Kontingent, das sie anführte, zum Sieg bei.
Aller zeitgenössischen Chronisten machen sich lustig darüber (Malaterra u.a.), was sie eigentlich nicht verdient hat.
Bis zu dem meisten, was ich hier beschreibe, ist die Saga nie gekommen, aber wenn einem Leser all das, was noch kommen wird, bekannt ist, ist das, was bereits geschrieben wurde, schwere Kost.
Das Ganze ist hier jetzt nur in Kurzform dargebracht; es ist natürlich viel komplexer, insbesondere die Sache mit dem Investiturstreit und der Rolle der normannischen Herzöge darin.
Es ist ein Roman.
Er ist besser als manch anderes, was es zu lesen gibt.
Aber sofern man sich in dieser Zeit auskennt, die Quellen kennt, ist es nicht wirklich gut.
Es überzeugt mich nicht.
Was ich so schade finde, ist das irgendwie nicht stimmige Bild, das von Robert Hauteville gezeichnet wird. Skrupelloser Raubritter, der er gewesen war, hat er seine Intelligenz in erster Linie dafür eingesetzt, seine Macht und seinen Reichtum zu vergrößern, was im Mittelalter nur über Landnahme funktionierte. Landnahme / Eroberungen und Titel. Hatte er eins erobert, wollte er schon das nächste. Er etablierte und manifestierte seine Macht nicht, deshalb kämpfte er permanent gegen Aufstände. Auch, weil er nicht besonders grausam oder rachsüchtig gegen die Aufständischen war. Es waren immer dieselben.
Als er bspw. mit seinem Bruder Roger Sizilien erobert hatte, kehrte er nie wieder nach dorthin zurück.
Roger war es, der die Grundlage des Königreichs Siziliens schuf.
Die Romane sind okay.
Mich juckt es nur ein wenig, dass das Gelesene für historische Fakten gehalten wird.

03.02.2017 10:35:44
Jana68

Der 4. Band von Ulf Schiewe's Normannen-Saga steht seinen Vorgängern in nichts nach. Von der ersten Seite an trifft man auf alte und lieb gewonnene Bekannte und ich war sofort wieder mittendrin im spannenden Geschehen anno 1057.

Robert Guiscard und seine Männer belagern Consenza, was sich schon viel zulange erfolglos hinzieht, unter den Hauteville Brüdern beginnt sich ein Konkurrenzkampf zu entfalten, was ihren Gegnern zupass kommt und der Papst hat sich die Vernichtung der Normannen auf die Fahne geschrieben. Alles in allem ist die Lage kritisch. Aber Robert wäre nicht Robert, würde er sich jetzt geschlagen geben.

Und so erleben wir wieder viele Abenteuer, die uns Gilbert erzählt. Diese Ich-Erzählweise vermittelt zusätzliche Lebendigkeit, man erlebt die Normannen quasi von innen heraus und stellt erneut fest, dass sie nicht nur beängstigende und barbarische Krieger waren, sondern kraftvolle und mutige Männer, die sich mit Sinn und Verstand ihren Kämpfen stellten, Taktiken erarbeiteten und Risiken abwogen.
Während Treue unter den Hautevilles und den Baronen im Allgemeinen von der jeweiligen Interessenlage abhing, spielt sie doch innerhalb des Normannen-Heeres ein große Rolle, ebenso wie Freundschaft.
Sehr überzeugend in diesem Band fand ich Gilbert während der Belagerung von Melfi. Als fiktiver Charakter steht er in der gesamten Saga für jene treuen Männer, ohne deren Einsatz, Geschick und Weitsicht wohl jeder große Krieger viel öfter gescheitert wäre. Gerade Gilbert setzt nicht einfach unüberlegt um, was man ihm befiehlt. Er hegt Zweifel, nimmt Einfluss und weiß auszugleichen. Damit wird er zu einem Stützpfeiler in Robert Guiscard's politischem Kalkül.

In fesselndem Schreibstil beschreibt Ulf Schiewe weit mehr als nur blutiges Schlachtgetümmel. Es geht um die Macht im Süden Italiens, um politische Ränkespiele, das Verhältnis zum Christentum und um Intrigen. Dabei offenbart sich so manche Überraschung und unerwartete Wendungen treten ein.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass vorerst die Saga an dieser Stelle enden soll. Das finde ich sehr schade, hätte ich doch gerne zusammen mit Robert und Roger, Gilbert, Gerlaine, Thore und all den anderen die Eroberung Siziliens miterlebt.

Ulf Schiewe ist mit dieser Saga ein überzeugendes und ausgezeichnetes Gesamtwerk gelungen. Man kann die vier Bände unabhängig und einzeln für sich lesen. Aber wer sich richtig darauf einlassen will, dem empfehle ich, mit dem ersten Buch zu starten und von Beginn an mitzuerleben, wie die Normannen zu einer festen Größe im Süden Italiens werden und wie sich die einzelnen Protagonisten in ihrer Persönlichkeit und als Truppe entwickeln.
Danke an den Autor für mitreisende und spannende Lesestunden und viele neue und interessante Aspekte über die Normannischen Eroberungen und politische Umbrüche in jener Zeit.

25.01.2017 09:38:41
Orange

„Der Sturm der Normannen“ ist bereits der vierte Teil der Serie aus der Feder von Ulf Schiewe. Da ich auch die anderen Bände gelesen habe, war es für mich fast wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Natürlich Gilbert und Thorne, die Brüder Robert, Onfroi und Roger Hauteville, die Fürstin Gaitelgrima, Gerlaine und Loki.
Im Mezzogiorno brodelt es. Die Barone wollen mehr Macht und mehr Land, die Brüder Hauteville sind zerstritten, die einfachen Leute hungern und der Papst sinnt auf Rache. So entbrennt ein bitterer Streit um die Herrschaft, in dem die Brüder Hauteville auf verschiedenen Seiten stehen. Dies alles bietet für Gilbert und seine Gefährten jede Menge Abenteuer.
Ulf Schiewe ist es wieder einmal sehr gut gelungen, mich als Leser zu fesseln. Man fiebert mit Gilbert und seinen Gefährten, bangt und freut sich mit ihnen, möchte sie am liebsten manchmal rütteln und ihnen zurufen. Auch die schwierigen politischen Gegenheiten vor Ort werden vom Autor gut dargestellt.
Auch wenn der Autor wichtige Anhaltspunkte wiederholt und die Bücher unabhängig voneinander gelesen werden können, empfehle ich die Lektüre aller Bände in der richtigen Reihenfolge. Denn so hat man einen Überblick über die politische Situation und die Handlungsweisen der Personen erschließen sich einen besser.
Leider hat der Autor bekanntgegeben, dass es sich hier um den (vorerst) letzten Teil der Normannenserie handelt. Als Leser finde ich dies sehr schade, dann die Eroberung Siziliens durch Roger Hauteville bietet noch jede Menge spannenden Stoff. Ich hoffe sehr, dass sich der Verlag noch besinnt und diese tolle Reihe fortgesetzt wird.

23.01.2017 17:44:14
venatrix

Mit dem nunmehr vierten Band der Normannen-Saga rund um Robert Guiscard und seinem Familienclan begeben wir uns nach Süditalien. Man schreibt das Jahr 1057. Das Normannen-Reich wird nicht nur von außen – also von den besiegten Herrschern und dem Papst – bedroht, nein auch von innen droht Gefahr. Roger und Guillerm, zwei der zahlreichen Brüder Roberts, sind nicht immer mit seiner Vorgangsweise einverstanden. Sie fühlen sich benachteiligt und spinnen genauso ihre Ränke wie die Damen Gaitelgrima und Sichelgaita. Auch Gerlaine und Maria kommt in diesem Band eine bedeutende Rolle zu. „Cherchez la femme“.
Während sich Robert im Geflecht der Intrigen verheddert, ist es an Gilbert, seinem getreuen Gefährten, mit ein paar Männern gegen eine große Übermacht zu kämpfen. Mit viel List und Entschlossenheit kann er die Interessen Roberts vertreten.

Wie schon aus den Vorgängerbänden gewöhnt, sehen wir die Geschichte aus Gilberts Sicht. Er ist ein gewaltiger Erzähler, der in der Ich-Form die Leser an den Kämpfen und Intrigen teilhaben lässt. Diesmal ist er aber nicht nur Erzähler, sondern auch der unfreiwillige Held, der (mit Ausnahme weniger Kampfgefährten) auf sich allein gestellt, sich behaupten muss.

Wie gewohnt flicht Autor Ulf Schiewe eine Menge historischer Fakten in die Handlung ein. So erfahren wir einiges über die Ränkespiele der unterlegenen Fürsten und wechselnder Allianzen. Vielen Lesern ist auch erstmals so richtig zu Bewusstsein gekommen, dass der Zölibat der katholischen Priester eine Erfindung aus dem 12. Jahrhundert ist. Die Praxis, einmal geschlossene Ehen auf Grund zu enger Verwandtschaftsverhältnisse, dann doch wieder aufzulösen, wenn es dynastisch besser erscheint, ist gängige Praxis der katholischen Kirche. Natürlich nur gegen entsprechendes Entgelt. Gattenmord hat es jedenfalls nicht verhindert.

Schön ist auch der „normale“ Alltag der Normannen eingebettet. Zwischen den Kriegszügen wird an der Kampftechnik gefeilt. Dass die Übungsschwerter aus Holz waren, war mir bekannt, dass sie mit Blei gefüllt waren nicht. Wieder etwas gelernt!

Da zwischen dieser Episode und dem Untergang des Normannenreiches (es geht im Stauffer-Reich auf) noch ein wenig Zeit bleibt, können wir auf eine Weiterführung der Normannen-Saga hoffen. Robert wird noch einiges Territorium befrieden und der im Moment unzufriedene Roger als Roger I. über ein großes Normannen-Reich herrschen.

Fazit:

Eine wunderbare Familien-Saga, von der ich nicht genug bekommen kann. Gerne gebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung. Auch wenn jeder Band extra gelesen werden kann, empfiehlt es sich, bei Band eins zu beginnen.

23.01.2017 17:21:43
tassieteufel

Mezzogiorno 1057: Gemeinsam mit seinem Lehnsherrn Robert Guiscard versucht der junge Normanne Gilbert die sich hinziehende Belagerung von Consenza endlich zu einem Abschluß zu bringen und auch sonst stehen die Zeichen für die Normannen in Kalabrien schlecht. Die Hauteville Brüder sind uneins, die anderen Barone kratzen schon lange an deren Vormachtstellung in der Region und auch dem neu gewählten Pabst sind die Normannen ein Dorn im Auge. Durch Fürstin Gaitelgrima, die Frau von Roberts Bruder Onfroi gerät die angespannte Lage gänzlich aus dem Ruder, denn Gaitelgrima, Prinzessin von Salerno hat nicht nur eine recht offensichtliche Schwäche für einen anderen als ihren Gatten, sie verfolgt auch ganz eigene politische Pläne.

Mit "Der Sturm der Normannen" liegt bereits der 4. Band aus dieser Reihe vor und Autor Ulf Schiewe besticht erneut mit seinem bildhaften und lebendigen Schreibstil. Was mir an allen Büchern des Autors so gut gefällt, ist die Leichtigkeit, mit er der vergangene Zeiten vor den Augen des Lesers auferstehen läßt und sie anschaulich und plastisch schildert. Reale Ereignisse und Personen werden mit fiktiven Geschehnissen und Charakteren zu einer stimmigen Geschichte verwoben, die nicht nur ungemein spannend ist, sondern auch das Interesse an den geschichtlichen Zusammenhängen weckt.
Schon der Einstieg ins Buch mit der Belagerung von Consenza beginnt mit einem rasanten Tempo und der Spannungsbogen bleibt auch durchweg erhalten. Wer schon die 3 Vorgänger kennt, wird hier auf viele lieb gewonnene Charaktere treffen, kann mit ihnen hoffen, leiden und mitfiebern. Es werden nicht nur waghalsige Kämpfe bestritten, es wird auch intrigiert was das Zeug hält, es wird geschachert und paktiert, das es eine wahre Freude ist. Ränkespiele und machtpolitisches Kalkül sind an der Tagesordnung und hier zeigt sich wieder meisterhaft, wie gut es Ulf Schiewe versteht, neben den real bekannten geschichtlichen Fakten, die "weißen Flecken" in der Geschichte mit spannenden Details zu füllen, so dass am Ende ein glaubwürdiges Ganzes entsteht, das sich sehr kurzweilig lesen läßt.
Hauptfigur in allen 4 Bänden ist Gilbert, ein junger Normanne der mit Robert Guiscard ins Mezzogiorno kam und der die Ereignisse aus seiner Sicht erzählt. Über alle 4 Bücher hinweg macht Gilbert, wie alle anderen Charaktere auch, eine Entwicklung durch, die man gut nachvollziehen kann und die die Figuren lebendig und menschlich macht. Jeder hat so seine Ecken und Kanten, diverse Eigenarten die einzelne Figuren liebenswert oder unsympathisch machen. Trotzdem wirken alle Figuren in ihrer Zeit verankert und gerade bei den weiblichen Charakteren hat es der Autor geschafft, sie trotz starker Charaktere im Rahmen der damaligen Zeit nicht anachronistisch zu zeichnen.
Leider scheint das vorerst der letzte Band aus dieser wundervollen Reihe zu sein, dabei ist die Geschichte der Normannen im Mezzogiorno noch lange nicht zu Ende und es gäbe für Gilbert und alle anderen sicher noch reichlich spannende Abenteuer zu erleben.
Ein umfangreiches Personenregister, sowie ein informatives Nachwort vom Autor runden auch diese Geschichte gekonnt ab und liefern noch zusätzlich ein paar Hintergrundinformationen. Auch Quereinsteiger können hier sicher eine spannende Lektüre erleben, es fließen immer mal kleine Informationen zur Vorgeschichte ein, aber zum besseren Verständnis der komplexen geschichtlichen Zusammenhänge und der Entwicklung der Charaktere kann ich jedem nur empfehlen, die anderen Bücher zu lesen, sonst entgeht einem wirklich ein spannendes und unterhaltsamen Lesevergnügen.

FaziT: eine wirklich gelungene Fortsetzung die auf gekonnte Weise Fakten und Fiktion zu einer rundum gelungenen Abenteuergeschichte verbindet, eine längst vergangene Zeit zum Leben erweckt und diese längst vergangene Epoche mit opulenten Bildern füllt. Auch wenn das wohl vorerst der letzte Band der Reihe war, so gebe ich die Hoffnung nicht auf, die lieb gewonnenen Normannen vielleicht bei der Eroberung von Sizilien nochmal wieder zu treffen.