Der Teufel in Dresden

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • , 2006, Titel: 'Der Teufel in Dresden', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Paganini, der Teufelsgeiger

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2007

Schon immer umrankte den Namen Paganini eine gewisse mystische Aura. Seine Geigenspielkunst ist legendär, wenngleich seine eigenen Kompositionen nicht so sehr bekannt geworden sind. Da aber niemand mit seinem Instrument so umgehen konnte wie er und er zudem mit seinem Spiel die Menschen so bezauberte, benahm man sich ihm gegenüber immer sehr respektvoll. Seine sehr dünne Gestalt und sein durch Krankheit gezeichnetes Aussehen ließen ihn jedoch zusätzlich gespenstisch erscheinen, so dass man ihn auch als den "Teufelsgeiger" bezeichnete.

Klaus Funkes Geschichte spielt an nur zwei Tagen des Jahres 1829, als der italienische Meistervirtuose zum ersten Mal außerhalb von Italien auf Tournee war. Paganini steigt mit seinem Sohn Achille im Hotel de Pologne ab. Der Kellner Knöfel interessiert sich sehr für den besonderen Gast, aus dessen Zimmer merkwürdige Geräusche zu ihm dringen. Er beauftragt die Bettenmamsell Johanna Kleditzsch darauf zu achten, was in dem Zimmer vor sich geht. Sie wird von Paganini erwischt und verfällt ihm. Seine gespenstische, hagere Statur mit den langen schwarzen Haaren und den noch schwärzeren Augen nehmen sie für ihn ein und er verspricht ihr, am Abend nur für sie zu spielen.

Während ganz Dresden gebannt auf den Auftritt Paganinis im Theater wartet, ist dieser zu einem privaten literarischen Empfang bei Ludwig Tieck, dem damals sehr berühmten Schriftsteller, eingeladen, wo er auf Wilhelmine Schröder-Devrient trifft, eine der führenden Sopranistinnen dieser Zeit und an der Dresdener Hofoper engagiert. Über diese Begegnung verpasst Paganini beinahe sein Konzert. Dennoch verzaubert er die überfüllte Hofoper mit seinem Spiel.

Dichteste Atmosphäre auf engstem Raum

Auf nur knapp 140 Seiten versteht es Klaus Funke, eine Atmosphäre zu schaffen, die so dicht ist, dass man meint, man wäre dabei. Man muss kein Musiker sein, um sich in der Geschichte genau so verlieren zu können, wie man es damals gemeinhin in Paganinis Spiel getan hat. Funke gelingt es, die drei Persönlichkeiten Paganini, Tieck und Schröder-Devrient zusammen zu bringen und in jedem der drei Gedanken zu verfolgen, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Dabei ist eine Begegnung der drei überhaupt nicht historisch verbürgt, aber das spielt keine Rolle.

Doch nicht nur diesen drei Personen nähert sich Funke auf eindrucksvolle Weise. Auch Nebenfiguren wie der Kellner Knöfel und das Zimmermädchen Johanna, Paganinis Diener Harrys oder auch seine schärfsten Kritiker wie Ludwig Spohr und andere Journalisten werden farbig geschildert und ihre Gefühle und Gedanken schonungslos offenbart. Funkes Personenzeichnungen sind im Positiven wie im Negativen klar und intelligent, jeder wirkt gleichzeitig sympathisch, aber auch auf eine gewisse Weise mit Distanz betrachtet. Das macht Eindruck und schafft eine enge Beziehung zwischen dem Leser und den Figuren.

Ein verteufelt guter Roman

Dabei gibt es in dem gesamten Buch nicht ein Wort wörtlicher Rede. Auch dieser geschickte Schachzug des Autors trägt zur Intensität bei, die vom ersten bis zum letzten Wort greifbar ist. Was Funke auf 140 Seiten schafft, daran kann sich manch anderer Kollege die eine oder andere Scheibe abschneiden. Zwar sind die Sätze, die Funke formuliert, lang und teilweise kompliziert ineinander verschachtelt, aber man möchte dennoch weiterlesen und das Buch nicht aus der Hand legen, bis man enttäuscht feststellt, dass die letzte Seite viel zu früh das Lesevergnügen beendet.

Letztlich macht Funke mit dem Leser das, was Paganini mit seinem Hörer macht: Man wird verzaubert und fragt sich, wer denn nun der eigentliche Teufel ist und warum man sich von ihm hat einnehmen lassen. Das, lieber Leser, finden Sie am besten selbst heraus. Ein unerhörtes Buch. Unerhört gut und intensiv, mit einem etwas unbefriedigenden Schluss, aber auch das ist ein teuflisch guter Einfall. Davon hätten wir gerne mehr, viel mehr.

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