Der Dornengarten

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  • Erschienen: Januar 2016
  • , 2016, Titel: 'Der Dornengarten', Originalausgabe
Der Dornengarten
Der Dornengarten
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Karin Speck
90

Histo-Couch Rezension vonOkt 2016

Ein Leben in Einsamkeit

Der Dornengarten ist das Debüt der Autorin Eva Wahrburg und dieses Debüt ist ihr wirklich gelungen. In diesem eher stillen Roman geht es mehr um die Psyche des Menschen als um eine mitreissende Handlung. Die Protagonistin Maria von Eschweih ist in Einsamkeit aufgewachsen. Sie wurde von ihrem Onkel erzogen, dieser war ein Pfarrer und streng gläubig. So hat er auch seine Nichte erzogen und alles Schöne und Helle aus ihrem Leben verbannt. Als ihr Onkel dann verstirbt und die junge Frau allein zurückgelassen hat, muss sie lernen, damit zu leben. Sie verschließt sich vor der Welt und lebt in ihrer eigenen kleinen, abgeschiedenen Welt. Eines Tages kommt der Maler Herwegh in ihr Haus. Er soll in der Kapelle auf dem kleinen Gut ein Altarbild restaurieren. Für Maria werden es berührende 40 Tage, die sie mit diesem Fremden verbringt. Denn 40 Tage vor Ostern beginnt der Maler und soll eben bis Ostern fertig sein, so lautet sein Auftrag.

Ein tiefer Einblick in die Seele einer jungen Frau

Wahrburg hat sich dafür entschieden, Maria ihr Leben und ihre Gefühle selbst schildern zu lassen. Dies erlaubt dem Leser, direkt in den Kopf der Protagonistin zu schauen. Allerdings ist es dabei nicht immer einfach, ihren Gedankengängen zu folgen. Hat man sich aber erst einmal darauf eingelassen, kann man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Schnell wird klar, das Leben hat es nicht immer gut mit Maria gemeint. Nach und nach entschlüsselt sich ihr Schicksal. Die Zusammenhänge werden klar und kaum meint man die Geschichte durchschaut zu haben, da kommt die Autorin mit einigen Wendungen daher, die so nicht ersichtlich waren. Auch der männliche Part ist mit dem Maler Herwegh gut besetzt. Er ist nicht leicht zu durchschauen und auch er öffnet sein Wesen dem Leser erst allmählich, bleibt dabei aber eine eher düstere Erscheinung. Hier treffen christliche Werte auf die Ansichten von David Hume, eines Philosophen des 18. Jahrhunderts. Geschickt hat die Autorin eben diese Ansichten in ihre fiktive Geschichte mit einfließen lassen und somit ein schönes Gesamtbild der Protagonisten geschaffen.

Die Geschichte spielt zwar im 19. Jahrhundert, aber das historische ist eher verhalten im Hintergrund. Keine großen Details zum Leben der Zeit, keine langen Beschreibungen der Kleider, Speisen und so weiter. Die Autorin konzentriert sich auf das Leben der Maria, auf ihre Begegnung mit dem Maler und den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung, wie ihre zwei Bediensteten oder die zwei Besucherinnen, die unerwartet auftauchen. Das eigentliche Geschehen spielt sich in ruhigen Bahnen ab, ist deswegen aber nicht weniger spannend, eher im Gegenteil.

Ein Nachwort gibt es hier leider nicht, wäre vielleicht interessant zu erfahren, wie die Autorin auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Auf ihrer Internetseite erzählt sie aber noch ein wenig darüber.

Gelungenes Debüt

Der Dornengarten ist ein stiller Roman vor historischer Kulisse. Er erzählt von der Liebe, von der Einsamkeit und von der Hoffnung auf bessere Tage. Christliche Werte werden hinterfragt und neue Ansichten zugelassen. Ein wahrlich gelungenes Debüt.

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