Elisabetta

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2016, Titel: 'Elisabetta', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Wer tötete Elisabetta Sirani?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2016

Die erfolgreiche Malerin Elisabetta Sirani stirbt 1665 in Bologna an einer Vergiftung. Die Schuldige ist schnell ausgemacht: Magd Lucia Tolomelli soll sie auf dem Gewissen haben. Giovanni Luigi Picinardi ist voller Trauer. Der Prior des Juristenkollegs war in einer geheimen Liebe zur Malerin entbrannt und kann ihren Tod kaum fassen. Und ausgerechnet ihn bittet Elisbettas Vater nun darum, eine Trauerrede zu verfassen. Picinardi ist hin und her gerissen. Zum einen fürchtet er, die Rede könnte seine geheime Liebe offenbaren, zum anderen will er dem Freund und Vater seiner Angebeteten den Wunsch nicht abschlagen. Gleichzeitig ist er auch vom Wunsch beseelt, zu erfahren, warum Lucia Tolomelli Elisabetta vergiftet hatte. So beginnt Picinardi auf eigene Faust zu recherchieren, was jedoch nicht allen gefällt. Es gelingt ihm, mit der angeklagten Magd zu reden und beginnt an den verschiedenen Darstellungen der Ereignisse zu zweifeln. Ist die Magd nun eine hinterlistige Mörderin oder war sie Elisabetta in tiefer Freundschaft verbunden und ist über ihren Tod genauso untröstlich, wie der Prior? Picinardi bekommt nach und nach eine völlig neue Sicht auf die Dinge und erfährt viel über seine Angebetete, von dem er nichts ahnte.

Tiefer Einblick in die Malerei des 17. Jahrhunderts

Mit ihrem Roman widmet sich die Autorin Liv Winterberg dem Leben einer zu ihrer Zeit bekannten Malerin, die heute jedoch lediglich noch in der Fachwelt ein Begriff ist. Obwohl die Erzählung dort einsetzt, wo Elisabetta bereits tot ist, erfahren die Leserinnen und Leser nach und nach viel über das Leben und die Denkweise der Künstlerin. Sie war eine Vorreiterin ihrer Zeit, bildete Frauen in der Malerei aus und konnte sich gegen die männlichen Konkurrenten durchsetzen. Dadurch wird sie zu einer schillernden Figur, die dank der akribischen Aufarbeitung der letzten Lebenswochen der Malerin für die Leser zu einer fassbaren Größe wird. Die Autorin vermittelt dabei einen tiefen Einblick in die Malerei des 17. Jahrhunderts und stellt die Arbeit von Elisabetta Sirani in den Kontext zu der Entwicklung der Malerei und der Gesellschaft.

Nicht ganz fassbar

Obwohl sich der Roman primär um Elisabetta dreht, ist der Ermittler Picinardi an sich die Hauptperson. Leider ist er nicht ganz fassbar. Der Prior geht teilweise etwas unstrukturiert vor, seine Ermittlungen wirken vor dem Hintergrund, dass er Prior einer juristischen Fakultät ist, manchmal etwas grobschlächtig und unüberlegt. Man mag dies seinem Schmerz über den Tod der Frau die er liebte zuschreiben. Dennoch ist es schwer, mit ihm mitzufühlen und seine Schritte nachzuempfinden. Das drückt manchmal auch auf die Spannung - einige Szenen sind langatmig und der immer wieder heraufbeschworene Schmerz Picinardis und sein Liebeskummer wirken mit der Zeit etwas strapaziert. Als Leser wünschte man sich einen Ermittler mit etwas mehr Esprit, mit dem man sich identifizieren könnte.

Sehr schöne Gestaltung

Punkten kann der Roman einerseits durch viele Fakten, die dem interessierten Leser dank einer umfassenden Recherche durch die Autorin präsentiert werden. Andererseits aber vor allem durch den Anhang, in dem nicht nur der Nachruf Picinardis auf Elisabetta zu finden ist, sondern auch Beschreibungen zu etlichen der handelnden Personen und eine Auswahl von Bildern der Malerin. Das ist ein toller Service für die Leserinnen und Leser, der die etwas langatmige Geschichte auf jeden Fall aufzuwerten vermag und den Roman vor allem für Malerei-Interessierte zu etwas Besonderem macht. 

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