Ein Winter in Wien

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Kindler, 2016, Titel: 'Ein Winter in Wien', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Das Kindermädchen und der Buchhändler

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Sep 2016

Es ist das schöne Jugendstilcover, das dem Leser als erstes ins Auge springt, wenn er dieses Buch zur Hand nimmt und das schon die Zeit erahnen lässt, in der diese Weihnachtsgeschichte spielt. Die Autorin entführt ihre Leser in das vorweihnachtliche Wien des Jahres 1910. Im angesehenen Wiener Cottageviertel lebt der Schriftsteller und Dramatiker Arthur Schnitzler mit seiner Familie. Zum Personal des Haushalts gehört neben der Köchin und einer Dienstmagd auch Marie, das Kindermädchen der beiden Schnitzler-Kinder Heinrich und Lili. Als Marie im Auftrag ihres Dienstherrn ein bestelltes Buch aus der Buchhandlung Stock abholen soll, lernt sie dort den jungen Buchhändler Oskar kennen. Mit einem Buchgeschenk und seiner liebenswürdigen Art erobert Oskar recht schnell Maries Herz und zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte.

Weihnachtsromanze im historischen Gewand

Die Handlung dieses Romans ist zwar im Jahr 1910 angesiedelt und kein Geringerer als Arthur Schnitzler gibt sich in Petra Hartliebs Weihnachtsgeschichte die Ehre, jedoch ist Ein Winter in Wien kein historischer Roman, wie Aufmachung und Klappentext vielleicht vermuten lassen. Wir haben es hier vielmehr mit einer jener historisch verbrämten Weihnachtsromanzen zu tun, die sich an den gängigen Mustern der Liebesromanbranche orientieren. Jedem Leser muss also von Vornherein klar sein, dass er hier eher eine romantische Weihnachtsgeschichte in den Händen hält als einen historischen Roman und somit den Inhalt in puncto historische Korrektheit nicht unbedingt auf die Goldwaage legen sollte.

Denn wenn Oskar seiner Marie während eines Spaziergangs im Park erzählt, dass die Vorweihnachtszeit die anstrengendste Zeit für einen Buchhändler ist, dann mag das im Jahr 1910 vielleicht tatsächlich schon so gewesen sein. Wenn Oskar aber am 23. Dezember in einem brechend vollen Buchladen steht, in dem noch jede Menge Menschen Last-Minute-Geschenke kaufen, wenn er angeblich von ungefähr zweihundert Romanen den Inhalt erzählt und genauso viele Bücher in Weihnachtspapier verpackt, Kunden verwechselt und die Handlung der Romane durcheinanderbringt, die er vor einigen Wochen ganz begeistert gelesen hat, dann sind hier ganz offensichtlich die eigenen Erfahrungen der Autorin als Buchhändlerin im Vorweihnachtsstress mit ihr durchgegangen, denn solche Zustände dürften kaum den Gegebenheiten in einer Buchhandlung im Jahr 1910 entsprochen haben.

Ein Weihnachtsmärchen

Genauso wenig entspricht das Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienstboten hier den damals üblichen strengen Hierarchien, denn im Schnitzler´schen Haushalt sind alle eine große Familie, jedenfalls in der Fantasie der Autorin. Da bleibt dann selbst Maries Verletzung der Aufsichtspflicht, die in der Realität die sofortige Entlassung zur Folge hätte, ohne jede Konsequenz, ganz im Gegenteil. Ihr bis dahin nur auf Probe bestehendes Arbeitsverhältnis wird auf Wunsch der Kinder sogar in eine Daueranstellung geändert. Aber in einem Weihnachtsmärchen ist so etwas natürlich möglich.

Und wie in einem Märchen üblich, werden auch alle Figuren auf bestimmte Charaktereigenschaften reduziert. Arthur Schnitzler z. B. ist der treusorgende Familienvater mit Anklängen an seinen Ruhm als Schriftsteller. Die Romanfigur Arthur Schnitzler hat also wenig mit ihrem realen Vorbild gemein. Schnitzlers Gattin Olga muss die ständig missgelaunte und kränkelnde Gattin mimen, während die Kinder Heinrich und Lili brav und wohlerzogen sind, ihr Kindermädchen lieben und ihm aufs Wort gehorchen, die Köchin Anna ist der gute Geist des Hauses und die mütterliche Freundin. Marie selbst verkörpert den Typus der integren Heldin, die keine negativen Seiten zu haben scheint. Und wenn ihr das Schicksal einmal übel mitspielt, sind immer die anderen daran schuld, wobei an der nächsten Ecke sowieso schon die berühmte gute Fee wartet, die dann alles wieder ins Lot bringt.

Mit einem Zuckerguss aus reichlich Winterstimmung und bisschen Wiener Flair ist Ein Winter in Wien eine sentimentale Weihnachtsgeschichte mit zwei braven, aber leider ziemlich farblosen Protagonisten, die romantische Leserherzen erfreuen dürfte. Unaufgeregt erzählt bewegt sich die Handlung in ruhigen, ja man kann schon fast sagen in eintönigen Bahnen mit gekünstelter Dramatik hier und da. Es ist eine herzerwärmende Geschichte, mit der man sich gemütlich vor den Kamin kuscheln und die man dank der übersichtlichen Handlungsabläufe und schlichten Dialoge entspannt genießen kann, denn sie stellt keine Ansprüche an den Leser. Und wenn sie dazu beiträgt, eine Zeitlang dem vorweihnachtlichen Stress zu entfliehen, dann hat diese Weihnachtsgeschichte ihren Zweck erfüllt.    

Ein Winter in Wien

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Letzte Kommentare:
18.07.2017 10:57:41
venatrix

Für mich ist dieses schmale Buch wie Heimkommen, ein Wiederbegegnen alter Freunde. Ich kenne die Gegend, das sogenannte "Cottage"-Viertel, in dem viele großbürgerliche Familien ihre Villen hatten.
Die Geschichte ist in Wien im Winter des Jahres 1910 angesiedelt und beschreibt die damalige Welt aus Sicht des Kindermädchen Marie, das im Haushalt des Schriftstellers Arthur Schnitzler und dessen Frau Olga, lebt.
Die wunderschöne Sprache begeistert mich. Sehr sensibel sind die Gefühle des Kindermädchen geschildert als während eines Besuchs des Christkindlmarktes ihr Schützling Heinrich, der Sohn des Hauses, plötzlich verschwunden ist.
Gut und eindrucksvoll sind die Widerwärtigkeiten, die das, vor allem weibliche, Dienstpersonal in dieser Zeit erdulden muss. Marie bleibt davon weitgehend verschont.
Die triste Situation in ihrer eigenen Familie, mit vielen Geschwistern, einer verbrauchten Mutter und einem trunksüchtigen Vater, ist typisch für diese Zeit.
Fünf Sterne für dieses Sittenbild aus der "guten alten Zeit", die so gut gar nicht war.