Schlaf, schöne Schwester!

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 1993, Titel: 'Sleep, Pale Sister', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Düstere Geschichte aus dem London des 19. Jahrhunderts

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2016

In einem Londoner Park stößt der Maler Henry Chester auf Effie, die mit ihrer Tante spazieren geht. Fasziniert von der ätherischen Schönheit des weißhaarigen Kindes verpflichtet Henry Effie als sein Modell. Es sind vor allem düstere, morbide Bilder, die Henry malt - die meisten von ihnen entstammen Szenen aus der Weltliteratur. Trotz Effies Schönheit finden die Bilder Henrys nur wenig Resonanz. Doch er ist nicht so sehr auf das Einkommen aus dem Bilderverkauf angewiesen, hat er doch ein komfortables Vermögen geerbt. Als Effie heranwächst, schirmt Henry sie vor allen Umwelteinflüssen ab. Er will sie zu seinem Geschöpf machen. Kaum dass Effie zu einer jungen Frau herangewachsen ist, hält Henry um ihre Hand an. Effie, noch ganz im Banne des Künstlers, muss schnell erkennen, dass Henry in ihr ein reines Geschöpf sieht, das nichts mit irdischen Bedürfnissen zu tun hat. In der Hochzeitsnacht stößt Henry seine junge Frau von sich, als sie sich ihm voller Lust nähern will. Henry geht auf Distanz zu Effie. Die junge Frau vereinsamt und ist in ihrer Ehe unglücklich. Erst recht, als sie das gemeinsame Kind verliert, das in einem raschen Akt gezeugt worden war. Henry lässt Effie regelmäßig Laudanum verabreichen, um sie ruhig zu stellen. Als die junge Frau dem charismatischen Lebemann Mose Harper begegnet, verliebt sie sich unsterblich. Auch Mose findet Gefallen an der jungen Frau. Das umso mehr, als ihm Henry Chester ein Dorn im Auge ist. Mose verführt Effie und macht sie von sich abhängig. Als er mit ihr einen Jahrmarkt besucht und Effie sich von einer Wahrsagerin angezogen fühlt, passiert ein Fiasko. Gerade noch rechtzeitig greift Fanny Miller ins Geschehen ein, die Effie bereits seit einiger Zeit im Auge hat. Fanny Miller leitet ein Bordell, in dem auch Effies Ehemann Henry wie auch Mose regelmäßig Gäste sind. Als Fanny durch Effie erfährt, was vor Jahren geschah, als ihre kleine Tochter Marta ermordet wurde, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Faszinierend aufgebaut

Die Geschichte gliedert sich in mehrere Erzählstränge, die jedoch von Anfang an stark miteinander verwoben sind. Zu Beginn lässt Autorin Joanne Harris Henry Chester als Ich-Erzähler Rückschau auf seine Kindheit halten und die erste Begegnung mit Effie schildern. In kurzen Einblendungen folgen Erzählstränge, in denen Effie und später auch Fanny die tragende Rolle spielen, schließlich gibt es auch noch den Ich-Erzählstrang von Mose. Sie alle beleuchten die Ereignisse jeweils von einer ganz anderen Seite. So wird nach und nach eine Geschichte erzählt, die dem Leser als Außenstehenden mit Gesamtsicht ein gutes Bild der Situation vermitteln. Zwar sind viele Handlungen vorhersehbar, doch sind sie so stimmig in die Geschichte eingebettet, dass sich das nicht störend auswirken kann.

Abhängigkeit von Drogen

Es sind nicht nur die Schilderungen der Lebensumstände und der Gesellschaftsschichten im 19. Jahrhundert in London, die die Geschichte auszeichnen. Es ist vor allem auch die Schilderung der Entwicklung, die Effie und Henry nehmen - beide auf ihre Art von Drogen abhängig, beide in ihrem Denken und Handeln nicht mehr ganz frei. Effie, die ihrer Rolle als formbares Modell überdrüssig geworden ist, flüchtet sich zunächst in eine Magersucht. Ihre Bekanntschaft mit Fanny verändert Effie mehr, als es ihre Affäre zu Mose vermöchte. Denn je näher sich Effie und Fanny kommen, desto stärker gerät die junge Frau in eine ganz besondere Rolle. Die langsame Veränderung ist hervorragend dargestellt und es gelingt Joanne Harris wunderbar, die Spannung zu halten und immer wieder neue Aspekte und Überraschungen einzufügen.

Interessante Charaktere

Joanne Harris hat ein gutes Gespür für spannende Figuren. Zwar mag dem Leser Henry Chester je länger desto mehr unsympathisch werden - die Kindheitserinnerungen brechen für ihn allerdings eine kleine Lanze - doch sind sein Hang zur Pädophilie und seine puritanische Einstellung eine gute Grundlage für eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Farbloser bleibt sein Rivale Mose, der jedoch wunderbar ins Gefüge passt. Spannend bleibt besonders Fanny, die Effie mühelos überrundet und der ganzen Geschichte ihren Stempel aufdrückt. Obwohl die Geschichte letztlich stark in den Bereich Mystery mündet, bleibt es ein historischer Roman, der überraschend viel Tiefgang hat.

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