McGlue

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Liebeskind, 2014, Titel: 'MacGlue', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:100
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Jörg Kijanski
Verbrechensaufklärung einmal anders

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2016

Als blinder Passagier einer Zugfahrt fühlt sich McGlue verfolgt und springt in der Nähe des Harlem Rivers aus dem Waggon. Da er das Wasser verfehlt, wird sein Schädel gespalten, er überlebt schwer verletzt, nicht zuletzt weil Johnson ihn rettet. Die beiden werden so etwas wie Freunde, schlagen sich durchs Leben entlang der Küste und fahren später gemeinsam zur See. Nach einem Stopp in Sansibar wird McGlue an Bord des Schiffes eingesperrt und bei seiner Heimkehr nach Salem, Massachusetts, im Jahr 1851 in das dortige Gefängnis gebracht. Er wartet auf seinen Prozess, denn angeblich hat er Johnson bei dem Landgang auf Sansibar ermordet. Doch warum hätte er ausgerechnet seinen Freund ermorden sollen? McGlue kann sich an nichts erinnern. Er will auch gar nicht, nur weiter trinken...

 

"Wir haben ihn in Sackleinen gewickelt und gut verschnürt, da war er schon ganz steif und hat nicht mehr geblutet, und als die Küste von Sansibar ein paar Meilen hinter uns lag, haben wir ihn über Bord gehen lassen. Ein Lied haben wir nicht angestimmt, es war auch niemand da, der eine schöne Rede halten konnte, außer dem Käptn, und der hat gesagt, dass er ein guter Mensch gewesen ist. Also haben wir leise ein Gebet gesprochen und eine Bibel hinterhergeworfen, und er ist gesunken, die Bibel nicht."

 

Ungewöhnlicher Erzählstil überzeugt mit zunehmender Dauer

Ottessa Moshfegh, eine Autorin kroatisch-persischer Abstammung, legt mit McGlue einen außergewöhnlichen Plot vor, der im Jahr 1851 angesiedelt ist. Für Freunde historischer Romane sei vorab erwähnt, dass von dem historischen Kontext nur sehr bedingt etwas zu spüren ist. McGlue ist gleichzeitig Protagonist und Ich-Erzähler, was insofern problematisch ist, da sich McGlue partout nicht erinnern kann und vor allem nicht erinnern will. Seit Jahr und Tag steht ihm der Sinn nach einer Flasche Rum und so ist seine Erzählung ebenso verworren wie lückenhaft.

 

"Vielleicht bin ich ja wahnsinnig. Meine Mutter sagt, mich hätte der Teufel gezeugt. Sie muss es ja wissen."

 

Zunächst besteht die Handlung hauptsächlich aus zwei Erzählsträngen. Die Überfahrt von Sansibar nach Amerika, wo McGlue zu verstehen versucht, warum man ihn an Bord des Schiffes überhaupt eingesperrt hat. Und zum anderen in einem Rückblick auf seine Beziehung zu seinem (einzigen) Freund Johnson. Er rettete ihm einst das Leben, seitdem ziehen sie gemeinsam herum. Warum Johnson sich für den Trinker McGlue interessierte, bleibt lange Zeit unklar. Ebenso wie die Biografie des Erzählers, die sich erst nach und nach ein wenig erhellt. Zu groß sind die Schäden, die der Alkoholkonsum und die Schädelverletzung angerichtet haben. Doch nicht nur McGlue leidet an körperlichen Problemen.

 

"Na schön. Wenn wir das Ganze dem toten Hirn da oben in die Schuhe schieben können, haha, und der Arzt dir ein Attest ausstellt über den ganzen Wahnsinn, der sich dort zusammengebraut hat, dann haben wir Glück, viel Glück. Die Geschworenen haben Mitleid mit kranken Menschen, das ist gut. Und von dem, was ein Arzt zum Besten gibt, versteht man ja sowieso nichts, also dichten wir dir einfach eine schrecklich komplizierte Krankheit an."

 

Im weiteren Verlauf landet McGlue im amerikanischen Gefängnis, wo er auf seinen Prozess wartet, von dem der Leser jedoch kaum noch etwas mitbekommt, da der dünne Roman bereits nach 140 Seiten sein Ende findet. Da die Erzählstruktur, bestehend aus Erinnerungsstücken und zeitweisen Visionen, mitunter hört McGlue auch Stimmen, zumindest anfangs gewöhnungsbedürftig ist, sollte man eine gewisse Aufgeschlossenheit und Neugier mitbringen. Ottessa Moshfegh beschäftigt sich in McGlue vor allem mit dem permanenten Versagen der Menschen, ihre persönlichen Schwächen in den Griff zu bekommen. Wie heißt es in der Innenseite des Buchumschlages so treffend: Denn zwischen Schuld und Gerechtigkeit steht immer das Leben. Wer es gerne unkonventionell mag, ist hier richtig. 

McGlue

McGlue

Deine Meinung zu »McGlue«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.