Vergeltung im Münzhaus

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2016
  • Rowohlt, 2016, Titel: 'Vergeltung im Münzhaus', Originalausgabe
Vergeltung im Münzhaus
Vergeltung im Münzhaus
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Heike Stepprath
80

Histo-Couch Rezension vonSep 2016

Falschgeld und Mord in Köln - Adelinas letzter Fall

Köln, 1408. In der Nachbarschaft der Apothekerin Adelina Burkat geschieht ein Mord. Der Tote wird im Haus des Münzmeisters gefunden. Offenbar hat ihn jemand mit einem Küchenmesser erstochen. Der Verdacht fällt auf Clara, die Tochter des Toten. Sie musste gemeinsam mit ihrer Mutter im Hurenhaus die Schulden ihres Vaters abarbeiten. Lediglich ihre Freundin Griet, der Tochter von Neklas Burkat, kann sich eine solche Tat von der immer hilfsbereiten Hebamme Clara nicht vorstellen und beginnt, Nachforschungen anzustellen. Schnell bekommt sie Hilfe von ihrer Stiefmutter und dem angehenden Gewaltrichter Cristan Reese. Die beiden decken allerdings schnell den Grund des Mordes auf und haben gleich noch einen Fall zu lösen.

Im gleichen Grad wie es schlimm um Clara steht, verändert sich Griets Leben zum Guten. Der Ziehsohn des amtierenden Gewaltrichters Reese hat viel für sie übrig. Auch er verbirgt ein Geheimnis, das ihm unter Umständen das Leben kostet, wenn es bekannt wird. Ganz sicher wird er aber keinen geachteten Beruf mehr ausüben dürfen. Cristan hat zudem einen unerschütterlichen Glauben an das Gute. Griet stößt ihn immer wieder zurück, sooft er sich ihr auch erklären will. Ihre seelischen Verletzungen aus der Vergangenheit hindern sie daran, eine erfüllende Beziehung zu einem Mann aufzubauen. Dieser psychologisch komplexe Teil des historischen Romans wurde glaubhaft wiedergegeben, auch wenn man die junge Frau manchmal ein bisschen in die richtige Richtung schubsen möchte. Der Weg zur Liebesgeschichte ist wie mit Rosenblättern dekoriert.

Fiktiver Mord und realer Betrug

Seit sich Adelina und Neklas seinerzeit kennen- und lieben gelernt haben, hat sich viel getan. Die Apothekerin und der Medikus haben eine Familie gegründet und auch Griet findet sich langsam in das Familienleben ein. Im 15. Jahrhundert hatten Frauen kaum eine legale Möglichkeit, sich gegen gewalttätige Übergriffe zu wehren. Die traumatisierten Opfer konnten oftmals mit niemanden über ihre Erlebnisse sprechen. Die schwierigen Lebensumstände gestatteten seinerzeit keine ausschweifenden Gespräche unter der arbeitenden Bevölkerung. Dasselbe betrifft Clara, die gemeinsam mit ihrer Mutter von ihrem Vater an ein Hurenhaus verpfändet wurde. Ohnmächtig musste sie sich dem fügen, was andere Männer von ihr verlangten. Nur zu bereitwillig möchte man sich als Leser dem schnellen Urteil des Kerkermeisters anschließen, dass Clara sich an ihrem Vater gerächt habe. Das wäre aber zu einfach. Bei gut 600 Seiten sollte man auch Gelegenheit zum Miträtseln haben.

Petra Schier verknüpft in diesem sechsten und vermutlich auch letzten Band der Reihe um die Kölner Apothekerin zwei Krimihandlungen mit einem ausführlichen Gesellschaftsporträt des späten Mittelalters. Bekannte und neue Figuren werden wandlungsfähig dargestellt, sodass sie bei der Lösung des Mordfalls für Überraschung sorgen. Dabei sind die Handlungen immer nachvollziehbar und für die Figur plausibel, auch wenn man selber vielleicht anders gehandelt hätte. Während das Kapitalverbrechen noch ein Racheakt darstellen könnte, sind die gefälschten Münzen offenbar ein großangelegter Betrug. Auch mit diesem Aspekt beweist die Autorin eine akribische Recherche zu den verschiedenen Währungen. Diese exakten Schilderungen des Lebens und vor allem des geschäftigen Treibens in der Stadt lassen die 500 Jahre zurückliegende Historie wieder lebendig werden.

Sprachlich treffend konzipiert

Der Schreibstil ist gewohnt leicht zu lesen und wirkt dennoch lange nach. Er verleitet, sich ganz in das Buch zu verlieren und länger bei der Kölner Gesellschaft zu verweilen als man eigentlich vorgehabt hat. Der über lange Strecken ruhige Roman wird zum Ende noch richtig turbulent, sodass auch die Spannung nochmal um Längen zulegt. Sprachlich ist der Roman so angepasst, dass er durchaus in seine Zeit passt, aber für heutige Leser nicht zu schwierig wird. Im Glossar sind die nichtgebräuchlichen Ausdrücke erklärt. Das Nachwort gibt Hinweise, was im Text dichterische Freiheit war und was aus alten Schriften übernommen wurde. Auch wenn fünf Bände vorangegangen sind, ist dieses Buch in sich abgeschlossen und kann durchaus auch alleine gelesen werden. Den größeren Spaß hat man allerdings, wenn man die Entwicklung der Figuren chronologisch verfolgt. Wegen der großartigen Komposition von Spannung, Figurenzeichnung und der sympathischen Hauptfiguren ist Vergeltung im Münzhaus daher eine klare Leseempfehlung.

Vergeltung im Münzhaus

, Rowohlt

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