Die Salbenmacherin und der Bettelknabe

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2016, Titel: 'Die Salbenmacherin und der Bettelknabe', Originalausgabe

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Karin Speck
Fortsetzung in Nürnberg

Buch-Rezension von Karin Speck Aug 2016

Winter 1409 in Nürnberg. Olivera lebt jetzt mit ihrem Mann in eben dieser Stadt. Sie sind dabei sich ein neues Leben aufzubauen. Alles scheint gut zu werden, als sie nachts den Bettelknaben Jona halbtot in ihrem Hinterhof finden. Schnell ist Olivera klar, sie muss dem Jungen helfen. Noch ahnt sie nicht im Mindesten, was sie mit diesem Jungen verbinden wird.

Die Salbenmacherin und der Bettelknabe ist der zweite Band mit der schönen Olivera aus Konstantinopel. Er schließt direkt an den Vorgänger an. Es wäre bestimmt hilfreich, Die Salbenmacherin gelesen zu haben. Kleine Rückblenden sorgen zwar dafür, dass der Leser auf dem Laufenden bleibt, aber einfacher ist es bestimmt, den Vorgänger zu kennen. Die Art und Weise wie Olivera handelt, wird der Leser, der sie schon kennt, viel besser verstehen, was für den Lesespaß sicherlich förderlicher ist. Natürlich ist es aber trotzdem möglich, das Buch auch einzeln zu lesen. Die eigentliche Handlung ist in sich abgeschlossen.

Spannend aber auch traurig

Olivera und ihr Mann Götz haben sich in Nürnberg eingerichtet und hoffen darauf, eine Apotheke eröffnen zu dürfen. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und der Junge Jona stolpert in ihr Leben. Eigentlich wird hier mehr die Geschichte des Knaben erzählt. Wie er nach Nürnberg kam und was sein Leben ausmachte. Gerade die Kinder im 15. Jahrhundert hatten es nicht leicht. Stolzenburg erzählt lebhaft von den Waisenkindern und wie sie behandelt wurden. Es lässt sich denken, dass gerade diese hilflosen Kinder schnell für Verbrechen missbraucht wurden. Die Autorin hat sich dieses Wissen hier zunutze gemacht und eine spannende wie traurige Geschichte erzählt.

Zwei Handlungsstränge sorgen für die nötige Spannung

In zwei unabhängigen Handlungssträngen wird zu nächst das Leben von Olivera geschildert. Hier wird aus ihrem Alltag erzählt. Von ihrer Arbeit als Salbenmacherin und natürlich von ihren Träumen und Ängsten. Sie selbst hat auch schon wieder einiges durchzustehen und ihr Leben mit Götz ist auch nicht immer einfach. Stolzenburg lässt hier immer wieder Details aus dem Leben im 15. Jahrhundert einfließen. Es fällt leicht, sich eben dieses Leben mit den Protagonisten vorzustellen.

Der zweite Erzählstrang gehört Jona. Mit ihm kann der Leser miterleben, was der Junge durchmachen musste. Er kam aus einer fremden Stadt, nur um in Nürnberg festzustellen, dass es hier auch nicht besser ist. Durch ihn als Protagonisten gelingt es der Autorin, ein glaubhaftes Bild der Situation gerade der Waisenkinder darzustellen. Man fühlt und leidet automatisch mit dem sympathischen Jungen.

Gelungener historischer Hintergrund

Den historischen Hintergrund hat Silvia Stolzenburg gut eingefangen und wiedergegeben.  Etwas merkwürdig sind allerdings ihre Kapitelüberschriften, es steht jedes Mal Nürnberg, Februar 1409. Also die Handlung spielt nur im Februar des Jahres 1409, was für sich allein genommen ja auch in Ordnung ist, aber warum muss das dann vor jedem Kapitel stehen?

Die Aufmachung dieses Romans ist ansonsten ähnlich wie der Vorgänger, auch hier beenden ein Nachwort und eine Bibliografie das Buch. Das Cover ist ähnlich gestaltet und somit passen die Bücher wunderbar zusammen.

Ein Roman aus dem 15. Jahrhundert, spannend wie ein Krimi

Die Salbenmacherin und der Bettelknabe ist eine gelungene Fortsetzung. Gekonnt knüpft die Autorin an den Vorgänger an, macht einige Andeutungen zu Beginn und steigert dann langsam die Spannung. Aus der anfänglichen Romanhandlung wird schnell ein Krimi. Das Leben von Olivera und ihrer Familie bleibt weiterhin spannend, sodass noch einiges an Luft nach oben bleibt für das nächste Abenteuer der Salbenmacherin, auf das ihre Leser gespannt warten dürfen. 

Die Salbenmacherin und der Bettelknabe

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Letzte Kommentare:
10.09.2016 13:43:18
tinstamp

******ACHTUNG, KANN SPOILER ENTHALTEN!*****
Nach Band Eins um die Salbenmacherin Olivera freute ich mich sehr auf eine Fortsetzung der Geschichte.
Olivera lebt nun gemeinsam mit Götz in Nürnberg, das ihre neue Heimat werden soll. Beide wollen der Vergangenheit entfliehen. Götz möchte der neue Apothekarius der Stadt werden und obwohl Olivera noch immer schmerzlich ihre Heimat Konstantinopel vermisst, ist sie mit ihm sehr glücklich. Doch Laurenz ist nicht tot und hat Rache geschworen.....

Parallel zur Geschichte rund um unsere Hauptprotagonistin begleiten wir, wie schon aus dem Titel ersichtlich, den Bettlerjungen Jona. Der etwa Elfjährige hat bis jetzt noch nichts Gutes in seinem Leben erfahren und ist täglich auf der Suche nach etwas Essbaren und auf der Flucht vor zu anstrengender Arbeit. Er versucht sich als Taschendieb und mit Bettlerei über Wasser zu halten. So gestaltet sich jeder Tag für ihn zum Spießrutenlauf. Eines Tages wird er von einem zwielichtigen Mann angesprochen, der noch Jungen als Überbringer von Botschaften sucht. Gemeinsam mit Casper, mit dem er sich angefreundet hat, folgt er dem Unbekannten und wird mit vielen anderen Jungs in einen Keller gesperrt. Dort muss er zusehen, wie satanische Rituale an ihnen ausgeübt werden und er entschließt sich abermals zur Flucht. Doch Jona wird erwischt, schwer verletzt und vermeintlich tot liegen gelassen. So wird er halbtot von Olivera gefunden, die sich um ihn kümmert. Beide sind nichtsahnend, dass sie einen gemeinsamen Feind auf sich aufmerksam gemacht haben....
Die beiden Handlungsstänge rund um Olivera und den Bettlerjungen Jona laufen zuerst parallel, bis sich der Weg der Beiden auf unvorhersehbare Weise kreuzt und die beiden Handlungen verschmelzen.

Olivera hat all ihre Naivität aus dem ersten Band verloren und ist eine selbstbewusste Frau geworden, die versucht den Schatten der Vergangenheit zu entfliehen. Ihre Liebe zu Götz ist groß und ihr erstes gemeinsames Kind, das Olivera erwartet, schweißt sie noch mehr zusammen. Auch im zweiten Band erfährt der Leser wieder viel über die medizinische Lehre aus dieser Epoche und wie oft Hebammen und Salbenmacherinnen trotz positiver Behandlung der Launen der reichen Adeligen ausgesetzt sind. Die medizinischen Erklärungen und Kenntnisse der damaligen Zeit sind wieder sehr interessant dargestellt.

Der Nachfolgeband gestaltet sich weniger blutig als "Die Salbenmacherin", die ja mehr Tote und Morde bieten konnte, als so manch blutiger Thriller, den ich lese. Trotzdem bangte ich um das Leben einiger von mir liebgewonnenen Charaktere, denn bei der Autorin weiß man nie.....
Schon wegen des grausamen Prologes ahnt man, dass dieser historische Roman nichts für schwache Nerven ist ;) Unerwartete Wendungen lassen die Spannung ansteigen, die im Laufe der Geschichte immer weiter aufgebaut wird - bis hin zum großen Finale.
Laut der Autorin wird es noch einen dritten Band geben, auf dem ich mich schon jetzt freue!

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, detailliert, sowie anschaulich. Hier wird Geschichte lebendig und Silvia Stolzenburg hat wieder sehr gut recherchiert! Es gibt realistische Einblicke in das Leben einer mittelalterlichen Stadt, sowie interessante medizinischen Erklärungen rund um heilende Tinkturen. Silvia Stolzenburg kann sowohl historische Romane, als auch ihre Krimischiene einfach perfekt vermitteln.

Fazit :
Band 2 rund um die Salbenmacherin Olivera ist genauso spannend und wunderbar erzählt, wie Band 1. Hier wird Geschichte lebendig und auch Freunde des historischen Krimis kommen voll auf ihre Kosten. Ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle!

02.09.2016 20:47:33
mabuerele

„...Die Augen des fliehenden Knaben zuckten von links nach rechts wie die eines gehetzten Tieres – geweitet vor Furcht. Stolpernd brach er durch das immer dichter werdende Unterholz, glitt auf dem eisigen Waldboden aus, rappelte sich wieder auf und rannte weiter...“

Das Buch beginnt spannend. Ein Junge ist auf der Flucht. Obiges Zitat berichtet davon.
Dann wechselt das Geschehen nach Nürnberg. Es ist das Jahr 1409. Dem Jungen Jona gelingt es, sich durch das Tor in die Stadt zu schmuggeln. Dort versucht er zu betteln. Aber die Regeln sind hart. Da er keine Bettlermarke hat, wird er zum Arbeiten auf eine Baustelle geschickt.
Götz und Olivera haben sich in Nürnberg eine neues Leben aufgebaut. Während Olivera weiter Salben, Säfte und Tee verkauft, wartet Götz auf seine Berufung zum Apotheker. Olivera hat einen guten Ruf. Das aber hat nicht nur Vorteile.
Dann kreuzen sich die Wege von Olivera und Jona. Damit kommen die Schatten der Vergangenheit zurück.
Die Autorin hat einen fesselnden und ausgezeichnet recherchierten historischen Roman geschrieben. Die Geschichte lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in ihren Bann gezogen.
An entsprechenden Stellen gibt es Hinweise auf den ersten Teil. Sie genügen, um die Zusammenhänge zu begreifen. Trotzdem würde ich empfehlen, erst das Buch „Die Salbenmacherin“ zu lesen.
Der Schriftstil des Buches ist angenehm lesbar. Die Verhältnisse im mittelalterlichen Nürnberg werden gut beschrieben. So darf ich als Leser Olivera auf den Markt begleiten, wo sie ihre Produkte anbietet, oder ihr bei der Herstellung von Salben und Heilmitteln über die Schulter schauen. Der Produktionsprozess dieser Dinge wird an wenigen Beispielen detailliert dargestellt. Im Haushalt leben die beiden Kinder von Götz. Besonders Cristin interessiert sich für Oliveras Arbeit. Die Wissbegierde des Mädchen erinnert Olivera an ihre eigene Kindheit, wo sie ihrer Yiayia (Großmutter) zur Hand gehen durfte. Olivera stammt aus Konstantinopel. Schön wiedergegeben werden ihre kurzen Phasen von Heimweh und ihre Sehnsucht nach der Großmutter. Auch hat sie Probleme mit dem deutschen Winter. Diese Kälte ist sie nicht gewohnt. Dass Sucht kein Laster unserer Zeit ist, wird im Roman deutlich. Damals war es Mohnsaft, dem die Damen der besseren Schichten zuneigten. Spannend fand ich das Abtreibungsrecht der damaligen Zeit. Mit Jona hat die Autorin einen besonderen Protagonisten geschaffen. Der Junge ist schwer einzuschätzen. Ursache ist unter anderem, dass es ihm schwerfällt, Menschen zu vertrauen, selbst denen, die es gut mit ihm meinen. Einerseits fällt er dadurch Fehlentscheidungen, andererseits steht er Freunden bedingungslos zur Seite. Die Autorin legt viel Wert auf die Emotionen ihrer Protagonisten. Diese werden nicht nur durch Worte, sondern ebenso im Handeln deutlich. Auf der einen Seite regieren Hass und Rachegedanken, auf der anderen Zuneigung und der unbedingte Wille zu helfen. Erstaunlich fand ich, dass der Henker bei der Befragung im Kerker keinen Unterschied machte, von welchem Stand der Delinquent war.
Eine Bibliografie und ein Nachwort, dass Fakten und Fiktion benennt, ergänzen das Buch.
Das Cover in Rottönen mit der jungen Frau vor der Kulisse von Nürnberg passt, weil es auf Oliveras Wurzeln hinweist.
Der Roman hat mir ausgezeichnet gefallen. Er besitzt nicht nur eine spannende Handlung und sympathische Protagonisten, sondern die Autorin malt mit Worten ein facettenreiches Bild der damaligen Zeit.