Der Mädchenreigen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2016, Titel: 'Der Mädchenreigen', Originalausgabe

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82

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Heike Stepprath
Entführungen im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel

Buch-Rezension von Heike Stepprath Aug 2016

Braunschweig-Wolfenbüttel, 1580. Der Gluhschwanz, ein von den Bewohnern gefürchteter Drache aus dem Harzvorland, soll die Tochter des Tuchhändlers Kahle geraubt haben. Obwohl der Meister wohlhabend ist, wird für Elise kein Lösegeld gefordert. Nachdem der Jurist Konrad von Velten die Stelle des Überfalls untersucht hat, kommen ihm allerdings Zweifel, dass es sich hier um eine Entführung handelt. Seit Monaten verschwinden immer wieder Mädchen gleichen Alters aus der Gegend, ohne dass jemals wieder eine Spur von ihnen entdeckt wird. Als plötzlich ein Mädchen mit kurzen Haaren und in Männerkleidung bei Veltens Verwandten in Peine auftaucht, wird die Geschichte noch rätselhafter. Das offenbar aus gutem Hause stammende Mädchen erinnert sich nur langsam an Details aus ihrer Vergangenheit. Doch Stück für Stück kommen sie einem ungeheuerlichen Verbrechen auf die Spur.

Susanne Gantert stellt ihrem Protagonisten Konrad von Velten in diesem zweiten Teil der Kriminalserie vor eine kniffelige Aufgabe. Erneut wird der Jurist vom Herzog Julius zu Braunschweig und Lüneburg zur Aufklärung eines Verbrechens beauftragt. Die Entführung von Elise bringt den Stein ins Rollen, der eine ganze Serie von Menschenraubzügen aufdeckt. Erzählt wird aus zwei Perspektiven, die den Leser nach kurzer Zeit mehr wissen lässt als den Ermittler selbst. Der harmlos klingende Titel um einen Mädchenreigen offenbart langsam den perfiden Plan der Entführer. Nach der Hälfte des Buches ahnt man einen bösen Ausgang und fiebert mit, ob Konrad noch rechtzeitig auf die Lösung kommt. Der Spannungsbogen wurde sorgfältig gezogen und lässt die Handlung zum Ende gewaltig Fahrt aufnehmen.

Atmosphärisch dicht erzählt

Nebenbei wird der seinerzeit geplante Ausbau der Oker aus wirtschaftlicher Sicht beschrieben. Es soll eine Verbindung zwischen Oker und Bode geschaffen werden. Herzog Julius plante so einen neuen Handelsweg über den Nebenfluss der Aller, der den Braunschweigern erhebliche Zollabgaben erspart hätte. Die Wirtschaft der Heinrichstadt hätte davon profitiert. Die Recherche der historischen Umgebung wurde ebenfalls akribisch vorgenommen. Aus Liebe zum Detail ist ein außergewöhnliches Zeitporträt entstanden. Deutlich erscheinen die mit Kopfsteinpflaster bedeckten schmalen Gassen und die überhängenden Hausgiebel in der Vorstellung des Lesers. Die feuchten Wiesen am Flusslauf und die dunklen Tannenwälder nahe des Elms geben die Stimmung ebenfalls passend wieder. Die tatsächlichen Ereignisse runden den fiktiven Kriminalfall zeitgeschichtlich ab.

Wahrheit und Fiktion

Der Erzählstil ist trotz der sprachlich angepassten Konversationen leicht verständlich. Sie lassen die Figuren authentisch in ihrer Umgebung und ihrem Handeln erscheinen. Es besteht beim Lesen kein Zweifel, dass es sich um eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert handelt. Haupt- und Nebenfiguren entwickeln sich zwar weiter, jedoch sind Kenntnisse aus dem Auftakt Das Fürstenlied nicht notwendig. Fehlende Informationen werden stets in Nebensätzen oder Erinnerungen eingeflochten. Die Krimihandlung ist in sich abgeschlossen. Ein Nachwort gibt Aufschluss darüber, was Wahrheit und Fiktion ist. Ein Personenregister befindet sich ebenfalls an dieser Stelle und klärt auf, welche Charaktere tatsächlich historisch belegt sind. Die Historie wird mit einem spannenden Kriminalfall verknüpft und verdient eine Leseempfehlung.

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