Totentanz im Stephansdom

Erschienen: September 2015

Bibliographische Angaben

  • Haymon, 2015, Titel: 'Totentanz im Stephansdom', Originalausgabe

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Dirk Jaehner
Zu viel Mysterium

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Mär 2019

Da hat nun Edith Kneifl zwei wirklich lesenswerte Krimis um den adligen Wiener Privatdetektiv Gustav von Karoly vorgelegt und es geschafft, das k.u.k.-Wien ohne Schmäh und Heurigen-Seligkeit zu porträtieren. Die Todesfälle, die der Aufklärung harrten, waren meist  gesellschaftlich motiviert, sei es unter Schaustellern oder in Adelskreisen. Eigentlich ist es im dritten Teil der Karoly-Reihe auch nicht anders. Gustav soll den Tod des Dombaumeisters, der in der Silvesternacht vom Turm stürzt, aufklären.

Ein toter Dombaumeister

Doch bei dieser Geschichte verlässt Kneifl die Pfade ihres ansonsten so stringenten Erzählstils. Zunächst macht sie Gustav zum Neumitglied einer Freimaurer-Loge. Der Dombaumeister war Oberhaupt dieser Loge. Dann lässt sie ganz nach Dan-Brown-Manier einen geheimnisvollen Kuttenmann auftreten, der offensichtlich in höherem Auftrag gewisse schmutzige Dienst zu tun hat. Zu guter Letzt muss Gustav in die Tiefgeschosse unter dem Stephansdom steigen, um verschwundene Menschen wieder zu finden. Kann ein historischer Kriminalroman nicht auch ohne derartige Klischees funktionieren? Eigentlich ja, und Edith Kneifl hat bewiesen, dass sie das auch kann. Aber warum jetzt auf einmal die Hinwendung zum gefühlt rundgescheuerten Handwerkszeug der Mystery-Thriller?

Lange Ausschweifungen

Leider bleibt es nicht bei diesem Kritikpunkt. Kneifls Problem: Je länger die Serie wird, desto mehr scheint sie das Bedürfnis zu verspüren, neu einsteigenden Lesern Gustavs Familiengeschichte nahe zu bringen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich wiederholt. Ihre Erläuterungen, erzähltechnisch Exposition genannt, werden immer länger. Und nicht nur in Bezug auf Gustav. Für die Leserschaft hat sie im neuen Band einige Ausführungen zur Freimaurerei und einen etwas ausgreifenden kunsthistorischen Rundgang durch den Stephansdom bereit gelegt. Im Gegenzug schwingt sie die sozialkritische Keule mit noch größerer Macht. Nicht nur im Gegensatz Bürgertum-Adel. Im Zuge der Ermittlungen deckt Gustav die Machenschaften eines Mädchenhändlerrings auf und muss erfahren, dass - wohlgemerkt, im Vor-Pillen-Zeitalter - unerwünschter Nachwuchs nichts, aber auch gar nichts wert ist.

Dass Gustav angesichts dieser Grausamkeiten fast verzweifelt, ist nachvollziehbar. Doch auch hier schießt Kneifl gefühlt wieder übers Ziel hinaus. Zwar hat sie ihren Helden von vornherein mit einer labilen Gesundheit ausgestattet, doch sein Selbstmitleid in dieser Episode ist nahezu unerträglich. Außerdem scheint er sein Leben mehr von den Frauen in selbigem bestimmen zu lassen als eigeninitiativ zu denken. Seine Tante ist allwissend und hält damit nicht hinterm Berg. Seine Halbschwester hat die Arroganz einer Sissi-Apologetin. Seine Haushälterin hält ihn immer noch für einen kleinen Jungen, seine heimliche Liebe auch, und seine potenzielle Verlobte ist ein verzogenes Bankiers-Töchterchen, die alles tun würde, um einen Adelstitel zu ergattern. Wenigstens da ist Gustav Manns genug, sich zu wehren. Ansonsten findet er Trost bei einem Cognac. Noch eine Charakterschwäche.

Fazit:

Insgesamt wirkt der dritte Band der Karoly-Reihe seltsam unausgewogen und so gar nicht typisch für Edith Kneifls Erzählstil. Bleibt zu hoffen, dass sie für die folgenden Geschichten wieder zu ihren alten Tugenden zurück findet. Und weitere Geschichten werden folgen, denn Gustavs heimliche Liebe Dorothea hat ihre Rückkehr nach Wien angekündigt, weil ihre Verlobung mit einem Schweizer Arzt geplatzt ist. Gustav wittert also Morgenluft. Außerdem ist er Erbe des Grafentitel seines Vaters. Ein gesellschaftlicher Aufstieg ist also auch noch möglich. Zwei Plot-Punkte, die Karoly-Fans sicher geklärt haben wollen.

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