Mein Name ist Maryté

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Mitteldeutscher Verlag, 2012, Titel: 'Mano vardas - Maryté', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Die vergessene Geschichte der Wolfskinder

Buch-Rezension von Birgit Borloni Jul 2016

Ostpreußen im Jahre 1946: Der Krieg ist beendet, die Schrecken sind geblieben. Die deutsche Bevölkerung leidet unter Hunger, Kälte, Vertreibung und Schikanen der russischen Soldaten. Besonders hart trifft es Frauen und Kinder, denn die Männer und Väter sind oft noch nicht wieder daheim, sind gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft.

Um dem Leid und dem Elend zu entgehen, flüchten viele Kinder über die Memel nach Litauen, in der Hoffnung, dort etwas zu essen zu verdienen, indem sie auf Bauernhöfen arbeiten und somit ihre Familien daheim unterstützen zu können. Andere werden von ihren Müttern für Nahrungsmittel an litauische Bauern verkauft, damit die jüngeren Geschwister eine Chance haben, diese Not zu überleben. Einige Kinder kehren zurück, mit Nahrungsmitteln oder ohne, andere bleiben in Litauen, erfahren dort ebenfalls Not und Elend oder haben Glück und werden aufgenommen und aufgezogen, leben noch heute dort.

Diese als Wolfskinder bezeichneten Kinder findet man heute allenfalls als Fußnote in Geschichtsbüchern, aus dem kollektiven Gedächtnis sind sie jedoch verschwunden und in der Belletristik sind sie ebenfalls so gut wie nie zu finden. Umso besser, dass sich Alvydas `lepikas dieser Thematik nun angenommen hat und auf meisterhafte Weise die Wolfskinder seinen Lesern nahe bringt.

Man merkt dem Autor an, dass er auch Lyrik schreibt, seine Sprache mutet immer wieder poetisch an. Doch scheut er sich auch nicht, die Dinge beim Namen zu nennen und den Schrecken ungeschönt auszusprechen. Dieser Gegensatz fasziniert und trifft den Leser immer wieder unvorbereitet. Während man noch die herrliche Sprache genießt, wirkt der unvermittelte Wechsel zur beschriebenen Realität wie eine kalte Dusche, nimmt einem den Atem. So schafft es Slepikas, dass seine Geschichte tief berührt.

Das Nachkriegsleid der Kinder

Das beherrschende Thema ist Hunger, ein so allumfassender, bohrender, vernichtender Hunger, wie man ihn sich heute in Deutschland, in Europa nicht mehr vorstellen kann. Ein Hunger und eine Kälte in diesem Winter 46, die teilweise nur durch heißes Wasser gelindert werden können - etwas anderes gibt es nicht mehr.

Besonders hart trifft es die Kinder und aus deren Sicht werden große Teile des Buchs erzählt. Slepikas schafft es, diese Sichtweise völlig natürlich und glaubhaft rüberzubringen und die Überlegungen, Gedanken und Gefühle der Kinder sind so einfach, so klar und so überzeugend, dass es manchmal fast schmerzhaft ist, so sehr wird damit der Finger auf die Wunder gelegt.

Es ist unfassbar zu lesen, wie traumatisierend es ist, wenn die Grundbedürfnisse nach Nähe, Wärme, Schutz und Nahrung nicht erfüllt werden können, wie sehr Kinder einerseits durch das Grauen verstört werden und sich andererseits daran gewöhnen können. Tote sind so zur Normalität geworden, dass sich ein Mädchen in einer Szene ohne Scheu an eine Leiche im Bett kuschelt, damit sie nicht alleine in der Dunkelheit ist.

Mein Name ist Maryté ist ein unglaublich erschütterndes Buch, das zeigt, wieviel Menschen ertragen können, wenn sie müssen, wie verzweifelt sie um ihr Leben kämpfen, wie sie zerbrechen können und wie Kindern ihre Kindheit gestohlen wird, wie sie gezwungen werden, Verantwortung zu übernehmen und was ihnen alles angetan wird, weil die menschliche Grausamkeit auch nicht vor ihnen halt macht. Ein aufrüttelndes Buch, das sich eines vergessenen Themas annimmt und unglaublich lesenswert ist!

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