Der Pirat

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Der Pirat', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Carsten Jaehner
Ein lesenswerter Francis-Drake-Roman

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2016

Schon als kleiner Junge wollte Francis zur See fahren, und dieses Ziel sollte er intensiver erreichen als viele andere vor ihm. Man schreibt das Jahr 1580, als Francis Drake nach dreijähriger Irrfahrt um den Erdball wieder in Plymouth ankommt und als erster Kapitän überhaupt die Welt umsegelt hat. Ganz England ist aus dem Häuschen, nicht nur wegen Drakes Rückkehr, sondern vor allem auch wegen der reichen Beute, die sich in seinem Schiff befindet. Gut für seinen Geldbeutel und den seiner Mannschaft, vor allem aber auch für den Staatssäckel von Queen Elizabeth.

Drake erweist sich als Teufelskerl, der seine Mannschaft im Griff hat und seine Königin um den Finger wickeln kann. Doch privat läuft seine Ehe nicht gut, eine der wenigen Dinge in Drakes Leben, die nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen. Wie gerne würde er wieder zur See fahren, doch Ihre Majestät gönnt Drake zunächst einmal Ruhe, zumal er auch die Spanier verärgert hat, zu dieser Zeit Englands Staatsfeind Nr. 1 und gerade mit König Philipp, der mit Elizabeths Schwester Maria verheiratet war und nach ihrem Tod Anspruch auf den spanischen Thron erhebt.

Doch Drake wäre nicht Drake, wenn er nicht die erste Gelegenheit nutzen würde, um wieder zur See fahren zu können. Von der Königin längst in den Adelsstand erhoben, ärgert er immer wieder die Spanier, die derweil zur Invasion gegen England aufrüsten. Wie gut, dass Drake einst den jüdischen Kanonengiesser Joachim Gans befreit hat, dessen Forschungen nun den Engländern helfen und die die Spanier schlecht aussehen lassen. Schließlich rüsten sich die Spanier, mit ihrer Armada England zu erobern. Man schreibt das Jahr 1588, und es wird zu einer folgenschweren Schlacht im Ärmelkanal kommen ...

Mit England gegen Spanien

Nach vier Romanen um Robin Hood hat sich Mac P. Lorne mit Sir Francis Drake eine neue, knackigere Hauptperson für seinen neuen Roman ausgesucht, der etwas griffiger ist, da er tatsächlich gelebt hat. Auch wenn er, wie so viele Persönlichkeiten, die eine oder andere Lücke in der Biografie hat (gewollt oder ungewollt), so hat Lorne doch genügend Fantasie, diese Lücken sinnvoll und schlüssig zu schliessen.

Nach einem kurzen Prolog findet sich der Leser an Bord der Golden Hind wieder, mit der Drake gerade innerhalb von drei Jahren die Welt umrundet hat und nebenbei das eine oder andere Schiff aufgebracht hat und diese um ihre Fracht erleichtert hat - zudem gibt es goldene Schätze aus Südamerika und den Inseln - die wertvolle Fracht in Zahlen auszudrücken, scheint unmöglich. Das freut nicht nur die Besatzung, sondern bestimmt auch die Königin, für die Drake unterwegs war, wenn auch nicht wegen der Beute.

Drakes Privatleben

Drake hat sich im Laufe der Jahre zu einem furchtlosen, draufgängerischen Tausendsassa entwickelt, der zwar immer auf Beute aus ist, aber dabei nie seine Mannschaft vergisst und selbst immer als Beispiel vorangeht und sich mehr als einer der Ihren sieht. Das macht ihn bei der Mannschaft beliebt und so folgen sie ihm überall hin. Mac P. Lorne beschreibt ihn als solchen Mann, gegen den nicht viel zu sagen ist, wenn nicht eine leicht aufbrausende Charakteristik da wäre und ein Problem, das zu Hause im ehelichen Heim auf ihn wartet. Ist seine Frau fremdgegangen? Drake kann nicht über seinen Schatten springen und hier ist auch der einzige Moment im Roman, wo man vielleicht nicht auf Drakes Seite ist. Solche Momente, die tiefer gehen, hätte man sich noch an ein paar mehr Stellen gewünscht, damit ein runderes Bild über Drake entstanden wäre. So wirkt er doch allzu heldenhaft.

Der Autor nimmt den Leser immer wieder mit auf die abenteuerlichen Segelfahrten Drakes, sei es mit geheimem Auftrag, wo Intrigen im Hintergrund lauern und im Anflug sind, die sich leider später unwichtig in Wohlgefallen auflösen. Lorne spart nicht mit nautische Fachbegriffen, die sich aber entweder selbst erklären, für das Verständnis nicht unbedingt wichtig sind oder die im Anhang erklärt werden. Interessant sind dabei nicht nur die Taktiken, die Drake anwendet und die von Lorne logisch und mitverfolgbar aufgeschlüsselt werden. Auch die Batterien an Kanonen, die mehr und mehr in den Fokus rücken und später über Sieg oder Niederlage entscheiden werden, werden aufgeschlüsselt und mehr oder weniger intensiv kann der Leser mitverfolgen, wie England aufrüstet und Spanien auf seinem Kanonen-Stand stehenbleibt.

Die berühmte Schlacht gegen die Spanische Armada 1588

Überhaupt folgt Lorne sehr exakt den historischen Begebenheiten, die man auch noch einmal im Anhang in einer Zeitleiste kurz überfliegen kann. Dennoch verfolgt man als Leser gebannt, wie sich Drake mit der englischen Flotte in die Hähle der spanischen Löwen begibt, diese demoralisiert und den berühmten Angriff der Spanischen Armada 1588 zu einem Triumph der Englischen Geschichte werden lässt. Diese Schlacht ist der Höhepunkt des Romans und als Leser folgt man den spannenden Schilderungen an Bord mehrerer Schiffe, aus Sicht der Spanier und der Engländer, und man möchte nicht in der Haut desjenigen gesteckt haben, der König Philipp II. die schlechte Nachricht der Niederlage überbracht haben mag. Die Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass man mit der Zeit gehen muss, um mit der Welt mithalten zu können. Damals wie heute darf man das Weitergehen nicht verpassen, auch wenn es heute vielleicht nicht ganz so weltpolitisch entscheidend ist.

Lornes Charaktere neben Drake sind ein buntes Sammelsurium an Figuren. Gerade was die Admiralität und die Kapitäne Englands angeht, gibt es immer welche, die gegen den Strom schwimmen, die aber dann auch mit den Konsequenzen rechnen müssen. Elizabeth I. kommt selten vor, schwebt aber irgendwie immer über dem Geschehen, denn schließlich segelt man ja für England, gerade auch als sie persönlich vor ihrer Armee aufkreuzt und ihren Männer Mut zuspricht. Walsingham, der im Hintergrund die Fäden zieht, kommt leider zu wenig vor, hätte aber als Charakter mit seinen vielen Überraschungen noch mehr Würze in den Roman gebracht.

Lobenswerte Ausstattung

Insgesamt ist Der Pirat ein historischer Roman, wie man ihn sich wünscht und der nur wenige Wünsche offen lässt. Dass fast alles glatt geht, kann man dem Autor nicht anlasten, denn man schreibt die Geschichte ja nicht um, nur um solche Aspekte zu bekommen. Der Roman lässt sich flüssig und glatt lesen und dürfte gerade für Fans von Autoren wie Rafael Sabatini, C. S. Forester und ähnlichen eine schöne Bereicherung sein. Der Pirat ist eine launige Geschichtsstunde, in der man mitfiebern kann, obwohl man das Ergebnis schon kennt (aber eben die damaligen hochnäsigen Spanier nicht).

Lobenswert erwähnt werden soll das Buchcover, das deutlich aus dem heutigen Einerlei heraussticht und mit dem der Knaur-Verlag viel passende Fantasie zeigt. Auch die Umschlaginnenseiten sind mit passenden Zeichnungen liebenswert gestaltet. Ein lesenswertes, ausführliches Nachwort, eine Zeitleiste, ein Glossar und ein Literaturverzeichnis ergänzen einen gelungenen Roman, der nicht nur für Abenteurer geeignet ist. Auch wenn er vielleicht nicht die historische Tiefe hat, so ist er doch spannend und lehrreich - was will man mehr?

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