Fluten des Schicksals

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2003, Titel: 'Push not the river', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Vanessa Brinker
Eifersucht ist eine Leidenschaft...

Rezension von Vanessa Brinker Feb 2007

Polen am Ende des 18. Jahrhunderts: Die 17 Jahre alte Gräfin Anna Maria Berezowska verliert auf tragische Weise innerhalb weniger Tage ihr gesamte Familie und zieht zu ihrer Tante und deren Familie. Dort lernt sie Jan Stelnicki kennen, den jungen Grafen, der das benachbarte Anwesen sein Eigen nennt und verliebt sich in den gut aussehenden Mann. Naiv wie die junge Frau ist, teilt sie ihre Gefühle ihrer Cousine Zofia mit, nicht ahnend, dass diese selbst großes Interesse an Graf Stelnicki hat. Eifersüchtig wacht Zofia über jeden von Annas und Jans Schritten und wird Zeuge einer tiefen Zuneigung, die zwischen den beiden jungen Menschen entsteht. Verletzter Stolz und die Angst davor, ein Leben fristen zu müssen, wie sie es sich nicht schlimmer ausmalen kann, schmiedet die Cousine immer düsterere Pläne um ihre selbst gesteckten Ziele doch noch zu erreichen. Dabei schreckt sie vor nichts zurück...

Derweil gerät auch Jans Leben aus allen Fugen, muss er sich doch um den Erhalt der Verfassung vom 03. Mai 1791 kümmern, die den Bürgern Polens die Menschenrechte garantieren sollen, während der größte Teil des polnischen Adels dagegen ist. Als sich auch noch Katharina die Große, Zarin von Russland, in diesen Konflikt mit einbringt, ist ein Krieg nicht mehr zu verhindern. Wird es Jan gelingen, sein Land und seine Liebe zu retten?

Fundierte Basis durch zeitgenössische Unterlagen

Als James Conroyd Martin vor einigen Jahren in einem Archiv über die alten Tagebücher der Gräfin Anna Maria Berezowska stolperte, kam ihm die Idee, einen Roman rund um die Fakten aus ihren Aufzeichnungen zu schreiben. Basierend auf den Tagebucheinträgen formte der Autor Charaktere und Begebenheiten und lässt ganz nebenbei auch historische Personen wie Katharina die Große auferstehen.

Der Beginn des Buches wirkt ein bisschen wie der Auftakt zu einer Biografie über Anna Maria Berezowska, jedoch verliert sich dieser Eindruck recht rasch. James C. Martin gelingt es, die politischen und gesellschaftlichen Probleme der Zeit in den Vordergrund der Geschichte zu stellen und er hat Charaktere geschaffen, deren Handlungen und Beweggründe den damals gängigen Formen entsprechen. Auch die politischen Probleme zwischen Polen und Russland und denen zwischen polnischem Adel und polnischem Bürgertum werden anschaulich und verständlich in die Geschichte eingebaut.

Ein Porträt zweier verschiedener Frauen 

Einzig Zofia ist ein Charakter, der es einem schwer macht. Sicherlich hat es schon immer Neid und Missgunst auf der Welt gegeben und auch heute gibt es Menschen, die im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen gehen, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen und das durchzusetzen, was sie für wichtig und richtig erachten. Ob das allerdings in der Form authentisch ist, wie der Autor es hier schildert, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Sicherlich ist Zofia neben Anna Maria der Dreh- und Angelpunkt dieses Romans. Die beiden Frauen vertreten einmal das zeitgenössische Bild einer Dame, die Ende des 18. Jahrhunderts lebte und einer Frau, die sich zügellos der Macht hingibt, die ihr ihr Geldbeutel ermöglicht. Gravierender könnte der Unterschied zwischen beiden Frauen nicht sein. Und dennoch haben sie etwas gemeinsam: das Ziel an der Seite ein und desselben Mannes zu stehen, an der Seite Jan Stelnickis.

Mitreißend geschrieben, gut recherchiert und unterhaltsam ist dies ein Roman, bei dessen Lektüre man sich entspannt im Sessel zurücklehnen kann.

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