Bucht der Schmuggler

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Gold des Südens', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Aho Aho
 Mitreißender Seefahrerroman verfeinert mit einer Prise Sklaverei und Schmugglerwesen

Buch-Rezension von Aho Aho Jun 2016

1635 kehrt der junge Jan van Hagen mit seiner Fleute Sophie, beladen mit wertvollen Handelsgütern,  in den Heimathafen Bremen zurück. Doch er muss erfahren, dass sein Vater im Sterben liegt. Auf dem Sterbebett berichtet der alte Herr seinem Sohn von gescheiterten Geschäften mit der Regierung. Dadurch ist das gut gehende Kaufmannsunternehmen der Familie bankrott. Alles wurde bereits gepfändet. Jan bleiben nur die Sophie und die Waren, mit denen das Schiff beladen ist. Hals über Kopf muss der junge Kaufmann noch in derselben Nacht fliehen, um wenigstens das zu retten und um nicht selbst im Schuldturm zu landen. Auf Anraten des Vaters segelt er nach Amsterdam zu dessen altem Geschäftsfreund Cornelis van Doorn. Dieser soll ihm helfen, gewinnbringenden Handel mit der neuen Welt zu betreiben. Trotz großer Bedenken hilft ihm der Holländer, erteilt ihm aber als Bedingung einen wagemutigen Auftrag. Sein Sohn, Martin van Doorn, ebenfalls Kapitän, gilt als verschollen. Cornelis vermutet, dass er wohl auf Hispaniola in Gefangenschaft geraten ist. Jan soll unter dem Vorwand mit Sklaven zu handeln Santo Domingo anlaufen und Martin wieder freikaufen.

Auf Santo Domingo geht es heiß her. Der neue ehrgeizige Vizegouverneur Don Alonso will dem florierenden Schwarzhandel Einhalt gebieten und hart durchgreifen. Er droht damit, zukünftige Schmuggler zu erhängen. Besonders gerne würde er dabei den reichen Pflanzer Don Miguel erwischen. Dieser ist der Kopf des Schmuggelhandels. Zudem hat er eine wunderschöne junge Spanierin, Donna Maria Carmen, zur Frau, auf die Alonso ein Auge geworfen hat.

Um die großen Tabak- und Zuckerplantagen bewirtschaften zu können werden viele Sklaven in den Kolonien benötigt. Den Schwarzen ergeht es sehr schlecht bei ihren Herren. Einzig auf der Pflanzung von Don Miguel werden sie besser behandelt. Das gefällt den anderen Pflanzern nicht. Vor allem dem zwielichtigen Nachbarn Don Diego stört diese Tatsache.

Trotz mancher Widrigkeiten gelingt es Jan van Hagen Santo Domingo zu erreichen. Doch kaum angekommen und bevor er rechtschaffen nach dem verschwundenen Martin van Doorn forschen kann, wird Martin selbst festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Wird es ihm gelingen frei zu kommen und seinen Auftrag von Cornelis zu erfüllen?

Südstaatenflair und grausame Realität auf Hispaniola

Ulf Schiewes Schmugglerabenteuer ist in einer frischen, mitreißenden Sprache geschrieben. Der Roman wirkt an keiner Stelle langatmig. Eher im Gegenteil, man würde sich noch gut und gerne 200 bis 300 Seiten mehr wünschen, wenn man die knapp 450 Seiten durch hat. Die Gestaltung des Covers ist sehr gelungen und liefert dem Leser direkt das Abbild eines Handelsschiffes damaliger Zeit.

Zu Beginn des Romans finden sich zwei zunächst unterschiedliche Handlungsstränge. Einerseits wird das Schicksal des jungen Jan van Hagen geschildert. Seine anschließende Fahrt in die neue Welt wird eindrucksvoll beschreiben und vermittelt dem Leser farbenprächtig das Leben der damaligen Seefahrer. Ein kleiner Minuspunkt ist die Tatsache, dass doch sehr viel Seefahrtfachsprache verwendet wird. Für diese Begriffe wäre ein kleines Wörterbuch am Ende hilfreich und wünschenswert gewesen.

Der zweite Teil bringt dem Leser das Leben in den Kolonien nahe, sowohl aus der Sicht der Plantagenbesitzer als auch aus Sicht der Sklaven. Alleine die Thematik rund um die Sklaverei ist hochinteressant und vermittelt eine gewisse Beklommenheit. Nachdem die beiden Handlungsstränge vom Autor geschickt miteinander verwoben werden, steigert sich die Spannung weiter und man mag das Buch kaum aus der Hand legen.

Der Roman ist sehr übersichtlich gegliedert. Es liegen fünf Teile vor, welche wiederum in kurze abgeschlossene Kapitel unterteilt sind. Eine Gesamtübersicht befindet sich am Anfang des Buches. Im Anschluss daran steht dem Leser ein Personenregister über die vielen illustren Charaktere zur Verfügung.

Lebhaftes und informatives Bild der neuen Welt im 17. Jahrhundert

Die Protagonisten sind sehr genau gezeichnet, sodass sich im Kopf des Lesers ein positives Bild der Einzelnen ausprägt. Jan van Hagen ist ein gutaussehender ehrenwerter Seefahrer und Kaufmann, der durchweg sympathisch ist und der auch bei seiner Mannschaft als Kapitän beliebt ist. Auch das Ehepaar Miguel und Maria wecken beim Leser nur positive Empfindungen. Beide sind sehr nett, aber jeder agiert trotzdem mit der eigenen notwendigen Härte.

Die Gegenspieler der Sympathisanten, Don Alonso und der schmierig wirkende Don Diego, können hingegen beim Leser nur das Gegenteil hervorrufen. Vor allem bei Don Diego ist man beim Lesen auf der Hut und merkt schnell, dass man nichts Gutes zu erwarten hat. Die Schiffsbesatzung sind einfache Leute, jeder mit seinen eigenen Ecken und Kanten, aber trotzdem hat jeder sein Herz am rechten Fleck.

Bucht der Schmuggler ist ein absolut empfehlenswertes Lesevergnügen, welches nicht einen Moment Langeweile aufkommen lässt, sondern eher Bedauern, wenn man das Buchende erreicht hat. Der doch in einigen Punkten eher offene Schluss lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Bucht der Schmuggler

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Letzte Kommentare:
03.08.2016 13:57:03
Hannes

Nachdem meine vier Vorkomentatoren eine Inhaltsangabe abgegeben haben, die in der Rezension schon vorgegeben war, verzichte ich auf eine weitere Inhaltsbeschrebung.
Ich habe die sechs Romane von Ulf Schiewe, die bisher erschienen waren, verschlungenund freue mich auf den vierten Band der Normannen Saga, der für Herbst angekündigt ist.
Der vorliegende Band war für mich ein Schock. Einfache Sprache, keine Spannung, keine schillernden Charaktere, nur Schwarz-Weiss. Ein Jugendbuch. Karl May lässt grüßen. Der Leser weiss von Anfang an, wie der Roman endet.
Von mir nur 20 Punkte.

04.07.2016 10:51:21
venatrix

Ulf Schiewe, den ich schon von seiner derzeit dreiteiligen „Normannen-Saga“ und von „Bastard von Tolosa“ kenne, hat wieder ein virtuoses Meisterwerk an Spannung und Unterhaltung geliefert.

Zwei dicke Handlungsstränge werden immer wieder miteinander verknüpft und bilden das Rückgrat für zahlreiche akribisch und penibel recherchierte Details.

Inhalt:

Handlungsstrang eins ist rund um den Bremer Kapitän Jan van Hagen gewebt.

Der junge Kapitän und Handelsherr muss bei seiner Rückkehr nach Bremen erfahren, dass sein Vater im Sterben liegt und, dass das ehemals große Vermögen verloren gegangen ist. Mit dem Husarenstück, in der Nacht Bremen heimlich zu verlassen, rettet er sein letztes Schiff, die „Sophie“ vor der Versteigerung. Er entgeht zwar dem Schuldgefängnis, kann aber die Beziehungen der Hanse fortan nicht mehr nützen. Auf Geheiß eines Amsterdamer Kaufmanns und Freund des verstorbenen Vaters segelt er nach Westindien, um dort – im Einflussbereich der Spanischen Krone – Handel zu treiben. Doch dieser Handel ist mit Schmuggel gleichzusetzen, weil die Spanier ein Handelsembargo für alle nicht spanischen Schiffe erlassen haben.

Gleich bei der Ankunft in Hispaniola wird er vom Vizegouverneur Don Alonso verhaftet. Schiff und Schmuggelware sollen enteignet werden. Wird sich Jan aus der Haft befreien und wird er seine Mission erfüllen können?

Der zweite Handlungsstrang umfasst das Leben des Ehepaars Don Miguel und Dona Maria auf der Zuckerinsel. Der reiche Pflanzer und die verarmte Aristokratin aus Sevilla führen, trotz Kinderlosigkeit und hohem Altersunterschied eine glückliche Ehe. Sie bewirtschaften große Flächen und sind angesehene Leute. Dies wiederum ist sowohl dem Vizegouverneur, der selbst aus einfachsten Verhältnissen kommt, als auch Don Diego, einem recht undurchsichtigen Pflanzer, ein Dorn im Auge. Gemeinsam versuchen sie Don Miguel den Schmuggel von Zucker und Leder (beides begehrte Waren in Europa) nachzuweisen. Wird es ihnen gelingen, Don Miguel in Misskredit zu bringen?

Spannung/Erzählstil:

Mit geschliffenen und gedrechselten Sätzen bringt uns Ulf Schiewe die beiden Handlungsstränge näher. Immer wieder kreuzen sie sich, mit ungeahnten Folgen für die Beteiligten.
Der Leser erhält Einblick über eine Vielzahl von kleineren und größeren Ereignissen in dieser für ihn so fremden Welt. Allein den „ingenios“ beim Zuckerrohr quetschen zuzusehen, war ein echtes Highlight. Und wie immer bei Ulf Schiewe, erhalten wir die Informationen wohl dosiert und ohne Oberlehrerhaftigkeit. So auch die Hinweise auf den Sklavenhandel und die Sklavenhaltung. Abgehend von der landläufigen Meinung, Sklaven seien keine Menschen, werden sie von Don Miguel und Dona Maria gut behandelt. Immer wieder flicht der Autor auch die Gedanken des jungen Jan ein, der den Menschenhandel verabscheut.

Die Spannung ist oft unerträglich. Es ist kaum möglich das Buch zur Seite zu legen. Leider musste ich es doch tun, um zur Arbeit zu gehen.

Charaktere:

Die Charaktere sind grandios gezeichnet. Ich kann die Wut des Don Alonso, als er eine Abfuhr nach der anderen erhält, richtig gut nachvollziehen. Leider verheißt das nichts Gutes.

Jan ist zu Beginn des „Abenteuers“ noch ein wenig blauäugig. Er reift aber schnell und trifft an Bord seines Schiffes menschliche Entscheidungen. In einer Zeit, wo ein Menschenleben nichts oder nicht viel zählt, sorgt er sich um seine Crew.

Wir treffen auf eine Vielzahl von Glücksrittern, geflüchtete Sklaven und Frauen, obwohl meist als minderwertig verachtet, doch ihren Mann stehen. Die Sklavin Maria Benigna ist beispielsweise so eine. Sie riskiert Kopf und Kragen um den, auf Don Alonsos Hazienda gefangenen Holländern, das Leben ein wenig erträglicher zu machen.

Der Schiffsarzt ist auch ein spannender Charakter. Mit dem Anlegen von Verbänden hat er ebenso Probleme wie mit der Entbindung einer Sklavin an Bord. Dafür bekommt er Jan aus den Fängen des Vizegouverneurs frei, weil er ja eigentlich Jurist ist.
Und erst Elsje, die als blinder Passagier an Bord gegangen ist.

Sonstige Anmerkungen:

Das Cover hat mich sogleich angesprochen, da es sich in der Farbe wohltuend vom üblichen beige-braun der historischen Romane abhebt. Haptisch ist es ebenfalls ein Genuss. Die erhabenen gekreuzten Schwerter greifen sich sehr gut an.
Schade, dass die Reise nach knapp 450 Seiten fürs Erste nun zu Ende ist.

Fazit:
Ein wirklich gelungener, praller Roman, der hoffentlich Auftakt zu einer Fortsetzung der Geschichte ist.
Wir wollen doch alle wissen wie es mit dem Doktor und Elsje, Jan und Dona Maria weitergeht. Und am allerwichtigsten ist, dass sowohl Don Alonso als auch Don Diego ihrer gerechten Strafe nicht entgehen.

28.06.2016 10:57:05
louella2209

Jan van Hagen, Handelsherr und Kapitän der „Sophie“, muss am Sterbebett seines Vater eine schwere Entscheidung fällen – Schuldturm oder die Flucht ins Ungewisse. Sein Segelschiff kann er nur retten wenn er flieht. Jan entschließt sich für eine Reise ans andere Ende der Welt.

In Europa herrscht Krieg und viele wagen einen Neuanfang in den Kolonien, ein florierender Handel macht sich breit, der Schmuggel zwischen neuer und alter Welt. In Hispaniola hat der neue Gouverneur dem Schwarzhandel bereits den Kampf angesagt und droht mit drakonischen Strafen.

Jan und seine Mannschaft verschlägt es über die Nordsee nach Holland, in den Hafen von Amsterdam. Dort bittet Jan einen alten Freund seines Vaters, Cornelis van Doorn um Hilfe. Dieser schickt ihn auf eine gefährliche Mission. Er soll seinen vermissten Sohn aufspüren, der seit einiger Zeit als verschollen gilt. Die Crew der „Sophie“ wagen die gefährliche Überfahrt nach Westindien. Der Weg führt sie nach Hispaniola, dort hat der Sklavenhandel und der Schmuggel bereits überhand genommen. Dort kreuzen sich die Wege zwischen Jan und dem wohlhabenen Pflanzer Don Miguel und seiner Frau Dona Maria. Gemeinsam beschließen sie sich gegen die dreisten Machenschaften des Gouverneurs vorzugehen. Ein riskantes Unterfangen für beide Seiten und dann ist da noch der Sohn des Holländers, den es zu retten gilt. Das gefährliche Abenteuer in der Karibik nimmt seinen Lauf!


Der Autor Ulf Schiewe entführt den Leser in die Kolonialzeit des 17. Jahrhunderts und gewährt fundierte Einblicke in dunkle Kapitel dieser Epoche. Krieg, Sklavenhandel, Schmuggel, Ausbeutung durch die Königshäuser.

Ulf Schiewe gelingt es wieder einmal mit Leichtigkeit, Geschichte lebendig werden zu lassen. Seine umfassende und akribische Recherche lassen Figuren und Hintergrund authentisch und plastisch erscheinen.

Der bildhafte Erzählstil nimmt den Leser direkt mit an Bord der „Sophie“ , in die unendlichen Weiten des Meeres und die Exotik der Karibik. Man nimmt als Leser die beengte und drückende Atmosphäre an Bord des Segelschiffes wahr und bekommt ein Gespür für den überlebensnotwendigen Zusammenhalt der Mannschaft.

Die Seefahrersprache, mit all den nautischen Fachbegriffen, kommt hier genau in der richtigen Dosierung zum Einsatz. Sogar eine Landratte lernt dazu und die Bedeutung der Begriffe ergeben sich aus dem Kontext.

Sämtliche Charaktere dieses Romans sind fein gezeichnet und tragen mit ihren Eigenarten und Empfindungen dazu bei, das dieses Abenteuer so hervorragend funktioniert. Man erlebt die Leiden der Sklaven, die Arroganz der Priveligierten, unerfüllte Träume und die Lebensfreude, derjenigen, die entkommen konnten. Alle Figuren bleiben nachhaltig in Erinnerung und jeder hat seine individuelle Rolle in dieser Geschichte.

Eine weitere Glanzleistung des Autors ist die Spannung über 447 Seiten ohne Längen zu halten und kontinuierlich zu steigern. Luft holen? Fehlanzeige. Man ist mittendrin statt nur dabei.

Wem das zu viel Lobhudelei ist, einen Kritikpunkt hätte ich da noch. Das Buch ist zu kurz! Eine Fortsetzung Pflicht!


Ein großartiger und erfrischender Abenteuerroman, der keine Wünsche offen lässt und wie bei allen Romanen von Ulf Schiewe, fließt hier wieder viel Leidenschaft und Herzblut des Autors mit ein und gibt dieser Lektüre eine einzigartige Note.

26.06.2016 19:54:48
Gelinde

Die Bucht der Schmuggler, von Ulf Schiewe

Cover:
Könnte besser nicht sein, die Farben und die ausgewählten Symbol, Waffen, Seil und historisches Segelschiff machen sofort Lust auf dieses Abenteuer.

Inhalt:
Jan van Hagen kommt voller Stolz von seiner Handelsreise zurück.
Doch zu Hause in Bremen erwarten ihn ein todkranker Vater und der Schuldenturm. Nur eine Flucht in die neue Welt, in die Karibik nach Hispaniola scheint ihm eine Zukunft zu bieten. Doch er müsste sofort, bei Nacht und Nebel sozusagen flüchten und könnte sich nicht einmal von seiner Verlobten die er wirklich liebt verabschieden. Würde sie auf ihn warten?
Gleichzeitig erklärt der neue Gouverneur, auf Hispaniola, den Schmugglern den Krieg. Er schwört, den ersten Schmuggler den er erwischt eigenhändig aufzuhängen.
Die schöne und junge Dona Maria zittert um ihren Mann, einen reichen Pflanzer und heimlichen Drahtzieher des verbotenen Handels.

Meine Meinung:
Ein Buch das auf eine Bestsellerliste gehört.
Ein Buch bei dem man sich sofort auf den ersten Seiten in der Geschichte verliert und an den Seiten klebt und alles um sich herum ausblendet (auch die Hausarbeit).
Der Schreibstil ist total flüssig, die Wortwahl sehr vielfältig und bildgewaltig, mit Dialekt und ungewöhnlichen, der Handlung angepasste ältere Worte, lässt sich das Ganze in keine Schablone pressen. Es ist einfach genial der Handlung angepasst.

Die akribische Recherche machen die Geschichte total lebendig und wie nebenbei erfahren wir immer wieder Neues. Seien es neue afrikanische Götter der Sklaven oder die Tatsache, dass der Papst den Kaffe erst als christentauglich absegnen musste.

Genauso vielfältig und individuell sind alle Charaktere beschrieben und ausgearbeitet, sie wirken total real und glaubwürdig. Es gibt die voll sympathischen und auch die bösen und widerwärtigen starken Hauptprotagonisten. Dazwischen dann ganz viel wichtige, ich möchte nicht mal sagen Nebencharaktere, denn ich finde alle Personen tragen mit ihrer einzigartigen Darstellung zur Vielfältigkeit der schillernden Handlung bei. Ob dies nun die Sklavin ist, die sich mutig vom Schiff stürzt und sich Rettung bei den Feinden ihrer Feinde erhofft (die einen somit zum Nachdenken bringt), oder der Schiffsjunge der über Bord geht, und durch ein unglaubliche Rettungsaktion tatsächlich wieder aus dem Meer gefischt wird, oder der freie Burkanier der einfach nur seine Freiheit lebt.
Ach, ich hab einfach alle in mein Herz geschlossen.

Autor:
Ulf Siewe, geb. 1947, wolle eigentlich Kunstmaler werden. Doch dann wurde er Software-Entwickler und später Marketingmager.
Seit frühester Jugend war er eine Leseratte. Im Lauf der Jahre erwuchs daraus der Wunsch, selber große historische Romane zu schreiben. (Was ihm auch meiner Meinung nach hervorragend gelingt)
Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Münche

Mein Fazit:
Wieder mal ein fantastisches Buch aus der Feder von Ulf Schiewe. Wie alle seiner Bücher!
Von der brillanten Handlung über den perfekten Schreibstil bis zum exotischen Handlungsort, kann ich nur in den höchsten Tönen schwärmen und bedaure nur, dass das Buch nicht doppelt so lang war und warte sehnsüchtig auf eine Fortsetzung.
Eine klare Lese- und Kaufempfehlung und von mir 5 Sterne.

25.06.2016 19:56:02
Bellis

Leinen los, Richtung Caribe.
Abenteuer, Romantik, Zucker und Waffen……

Jan van Hagen, ein junger Bremer Kaufmannssohn und findiger Kapitän muss überstürzt aus seiner Heimatstadt fliehen und seinen Vater auf dem Sterbebett zurücklassen. Dessen letzter Wille ist das Schiff „Sophie“ mit Hilfe eines Amsterdamer Freundes zu retten. Er lässt sich vom Schicksal nicht unterkriegen und geht auf Schmuggelei, Sklavenhandel und einen geheimen Auftrag ein. Diesem gefährlichen Abenteuer folgen noch einige Überraschungen.
Auf Hispaniola erklärt der neue Gouverneur inzwischen den Schmugglern den Krieg. Er will mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Dabei sind sich die Pflanzer einig, das ihr Reichtum ohne den Schmuggel schwindet. Dona Maria, eine stolze Spanierin, versteckt einen entlaufenen Sklaven und bringt damit ihren Ehemann Don Miguel in eine verzwickte Situation. Als auch noch Jan auf der Hacienda auftaucht wird es kompliziert.

Cover: Absolut passend zu der Geschichte gewählt
Fazit:
Ich hab mich sehr schnell in die Geschichte eingelesen. Ein Personenregister am Anfang erleichtert dies erheblich, ebenso wie kurze, abwechslungsreiche Kapitel.
Der flüssige Schreibstil und die glaubhafte Art ließ mich sogleich in das Geschehen an den einzelnen Schauplätzen eintauchen. Ob kabbelige See oder Tropischer Garten, es entstehen die passenden Bilder im Kopf.
Auch fand ich die verschiedenen Figuren und unterschiedlichen Charaktere sehr gut aufeinander abgestimmt. Frech sympathisch wie die Hure Elsje mit ihrer spitzen Zunge : „Aye, Kapitein“ , Baas Köppers, der brummige Stüürmann, Don Diego – Freund
oder Feind ? - sowie der Doktor als sein Geheimnis auffliegt.
Zwei unterschiedliche Handlungsstränge verbinden sich langsam zu einem großen Abenteuer.
So lernt der Leser einerseits die europäischen Seemänner in aufregenden Seeszenen lieben, andererseits entführen uns die Spanier in die Neue Welt und ihre Geheimnisse.
Besonders zu erwähnen sind auch die historischen Details und fundiertes Wissen zum Segeln oder der Zuckerherstellung welches geschickt integriert wurde.
Packende Beschreibungen von Verfolgungsjagden, Kämpfen und Rettungsaktionen sind neben emotionsgeladenen Momenten ein weiterer Baustein des Abenteuerromans.
Ich konnte das Buch jedenfalls kaum aus der Hand legen, so spannend geschrieben war die Zeit auf See inklusive Schwertkampf, so fesselnd geschildert die Kolonialzeit mit rauschenden Röcken, Korruption und schrecklicher Sklaverei.
Die letztendlichen Ereignisse in der Schmugglerbucht „ Bahia de Mosquito y Sol“ , welch genialer Name, lassen mich auf weitere Abenteuer von Kapitän van Hagen, Dona Maria und deren Freunde hoffen.
Ich möchte auch die Webseite von Ulf Schiewe erwähnen, dort sind einige interessante Informationen zu diesem Buch nachzulesen.

Abschließen möchte ich dieses Buch jedem empfehlen der Abenteuerromantik auf See
und das Leben im 17. Jahrhundert in der Karibik miterleben möchte.

14.06.2016 13:52:08
tassieteufel

Der junge Handelsherr und Kapitän Jan van Hagen wird bei seiner Rückkehr nach Bremen mit dem Bankrott des Familienunternehmens konfrontiert. Schuldturm oder Flucht, da fällt ihm die Wahl leicht. In einer riskanten Aktion gelingt ihm und seinen Männern die Flucht nach Amsterdam, wo er einen alten Geschäftsfreund seines Vaters aufsucht. Cornelius van Doorn stattet Jan mit Handelsgütern aus und schickt ihn auf eine Reise nach Hispaniola, doch er hat auch eigene Interessen, so ist sein eigener Sohn, der ebenfalls mit einem Schiff in die Karibik unterwegs war, verschollen und Jan soll ihn ausfindig machen.
Auf Hispaniola versucht unterdessen der neue Vive-Gouverneur Don Alonso Calderón den Handel mit geschmuggelten Waren zu unterbinden und hat dabei besonders den erfolgreichen Plantagenbesitzers Don Miguel im Auge, der einer der Drahtzieher beim Schmuggel sein soll. Auch auf dessen junge Gemahlin Dona Maria hat Calderón ein Auge geworfen, daher käme ihm eine Verhaftung Don Miguels besonders gelegen.

Mit gewohnt leichter Hand erzählt der Autor hier eine spannende und abenteuerliche Geschichte über den spanischen Kolonialismus, den Seehandel und die Piraterie Anfang des 17. Jahrhunderts in der Karibik. Wie man es vom Autor kennt, werden historische Fakten, geschichtliche Daten und insgesamt viel Wissenswertes über die damalige Zeit auf unterhaltsame und informative Weise in die Geschichte eingeflochten und ergeben mit den bildhaften und wunderbaren Landschaftsbeschreibungen von Hispaniola ein plastisches und farbenfrohes Bild, das sowohl exotische Schauplätze, wie auch das Leben an Bord bei der Überfahrt in die Karibik vor dem Auge des Lesers Gestalt annehmen läßt.
Zunächst gliedert sich die Geschichte in 2 Erzählstränge, die parallel laufen, bevor dann alle Protagonisten in Hispaniola aufeinander treffen und die Geschehnisse auf ein dramatisches Finale zusteuern. Die Verknüpfung beider Episoden ist dem Autor sehr gut und vor allem schlüssig gelungen, mit dem Zusammentreffen aller Beteiligten auf Hispaniola steigt auch der Spannungsbogen noch einmal an und dem Autor gelingt es, dieses Level bis zum Ende zu halten.
Seine Charaktere hat Ulf Schiewe lebensnah und sowohl sympathisch als auch unsympathisch gezeichnet, die Figuren haben Ecken und Kanten und bis in die letzte Nebenfigur hinein bevölkern das Buch vielfältige Persönlichkeiten, denen man gern durch die Geschichte folgt. Sicher kann man die meisten Figuren sehr genau dem Schema gut oder böse zuordnen, das ist aber nur ein kleines Manko bei einer ansonsten stimmigen, spannenden und unterhaltsamen Abenteuergeschichte.
Das Ende etwas offene Ende weckt die Hoffnung, dass es hier noch eine oder mehrere Fortsetzungen geben könnte. Sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere hätten auf jeden Fall das Potenzial dazu.

FaziT: ein spannender und unterhaltsamer historischer Roman, der gut recherchiert mit interessanten und sympathischen Figuren, reichlich Abenteuern, tollen Landschaftsbeschreibungen und viel karibischem Flair überzeugt!