Weißes Meer

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Osburg, 2015, Titel: 'Hvitt hav', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Vom Leben auf einer unwichtigen Insel während des Krieges

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2016

Norwegen, 1944. Ingrid von der Insel Barrøy, die dem Festland vorgelagert ist, arbeitet in einer Fischfabrik, um Geld zu verdienen. Als sie es nicht mehr aushält, kauft sie Dinge zum Überleben ein und rudert zurück auf ihre Heimatinsel, auf der sie seit einem halben Jahr nicht gewesen ist. Sie richtet sich ein und in der Nacht folgt ein Sturm, der am Morgen tote Menschen und ein Schiffswrack bei der Insel hinterlassen hat. Sie versenkt das Schiff endgültig, begräbt die Toten und findet aber einen Matrosen, der noch lebt.

Dieser heisst Alexander, wie sich herausstellt, ist russischer Kriegsgefangener und als er sich erholt hat, hilft er auf der Insel und zwischen ihm und Ingrid beginnt sich eine Affäre zu entwickeln. Doch irgendwann kommen Polizisten vom Festland und suchen nach Opfern des Sturms. Sie versucht, Alexander zu verstecken und begibt sich damit in Gefahr und wird niedergeschlagen.

Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich in einem Krankenhaus auf dem Festland, wo sie in der Abteilung für Paranoide untergebracht ist. Sie entlässt sich selbst und kehrt nach Barrøy zurück, wo sie versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Doch sie kann sich auf ihre neuen Freunde verlassen.

Gelungene Fortsetzung

Roy Jacobsen hat eine gelungene Fortsetzung zu seinem Roman Die Unsichtbaren verfasst, der zwar auch für sich stehen kann, man aber viel mehr versteht, wenn man den Vorgänger gelesen hat was aber auch so empfohlen werden kann. Das Leben auf der Insel Barrøy ist karg und einfach, man lebt von und mit ihr, vom und mit dem Meer und ist an den Lauf der Zeit gewöhnt. Dass diese fortgeschritten ist und auch auf der Insel einiges passiert und modernisiert wurde, ist schon fast eine Revolution, aber Neuerungen müssen nicht immer etwas schlechtes sein. Zumal im Jahr 1944, während auf dem Rest der Welt der Krieg tobt, nur die kleine Insel scheint irgendwie davon verschont zu bleiben.

Wenn man davon absieht, dass gelegentlich Schiffe vorbeifahren und auf die Menschen auf der Insel schauen. Doch in diesem Roman findet ein Teil der Erzählung nicht auf der Insel, sondern auf dem Festland statt, wo Ingrid in einem Krankenhaus aufwacht, das weit weg von der Küste und von Barrøy ist. Auf dem Weg zurück nach Hause lernt sie viele Menschen kennen, vor allem Kinder, Kinder von Flüchtlingen, die Opfer des Krieges wurden und die nun eine neue Heimat suchen. Hier wird der Roman von Roy Jacobsen erstaunlich aktuell und ist ein Beispiel für viele Leser, wie man sich verhalten kann und soll. Ingrid hilft den Familien, weil man das einfach so macht und man erfährt, dass die Sorgen in Norwegen während des Zweiten Weltkrieges letztlich nicht anders waren als woanders auch. Ein interessanter Einblick in eine ungewohnte Gegend, und doch irgendwie bekannt.

Flüchtlingspolitik

Roy Jacobsen pflegt den ruhigen Erzählstil, den seine bisherigen Romane auszeichnen, und das ist auch gut so. Er ist nicht wortkarg wie Ingrid manchmal, sondern weiss sich auszudrücken. Unwichtige Dinge werden weggelassen und so bekommt jedes Wort, jeder Satz ein besonderes Gewicht. Das ist eine besondere Erzählkunst, die jeden Leser für sich einnimmt und den Roman zu einem besonderen Erlebnis macht.

Die ganzen Personen, die im Roman auftauchen, zu beschreiben, ist müssig. Ingrid ist eine lebensbejahende Frau, die tut, was getan werden muss und die den Überblick darüber hat, wie Barrøy funktioniert. Als nach und nach Familie und Freunde wiederkommen und die Insel bevölkern, behält sie den Überblick und hat für jeden eine Aufgabe, vor allem die jungen Leute werden angelernt, was zu tun ist. Ob Fischen oder Netze flicken, jede Tätigkeit ist gleich wichtig und hat doch ein eigenes Gewicht.

Weißes Meer ist wie schon sein Vorgänger ein besonderer Roman, ein wundervolles Kleinod für Freunde der ruhigen Erzählweise. Ein Roman, der einen aus dem Alltag in eine Welt holt, die ungewohnt ist und daher auch für Überraschungen gut ist. Jacobsen ist mit diesem Roman wieder ein großer Wurf gelungen, gespickt mit Ideen und Humor, die den Leser in ein Norwegen während des Zweiten Weltkriegs holt, von dem man aber nur am Rande etwas mitbekommt. Dieser Roman ist es wert, gelesen zu werden.

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