Stonehenge

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2000, Titel: 'Stonehenge, 2000 BC', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Carsten Jaehner
Das Geheimnis der berühmten englischen Steinkreise

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2007

Im dritten Jahrtausend vor Christus: Lengar und sein jüngerer Bruder Saban streifen durch die Wälder, als ein Mann vor ihnen flieht. Lengar erschießt ihn mit einem Pfeil und entwendet ihm die Beute, die er bei sich hat: viele kleine Plättchen aus Gold in verschiedenen Größen. Widerwillig gibt Lengar sie bei seinem Vater ab, den er für einen schwachen Clanführer hält. Er stellt sich fortan gegen ihn und wird schließlich der neue Clanführer, womit in Ratharryn ein grausames Leben beginnt, denn Lengar ist mehr Krieger als Diplomat.

Lengar nimmt sich nicht nur Sabans Braut Derrewyn, sondern verbannt ihn auch noch in die Sklaverei, aus der Saban nur knapp entkommt. Der mittlere Bruder der beiden, Camaban, wird von seinem Klumpfuß geheilt und wird zu einem neuen Magier.

Um die Götter zu vereinen und zu beruhigen, befiehlt Camaban den Bau eines neuen Tempels und macht den wiedergekehrten Saban zum Baumeister. Sie nehmen sich Menschen aus anderen Dörfern als Sklaven und beginnen mit dem Bau des neuen Tempels, was sich jedoch als sehr langwierig herausstellt. Doch der Kampf der drei Brüder untereinander tobt weiter, und nicht nur die Götter werden allmählich ungeduldig.

Zwist dreier Brüder

Mit Stonehenge hat Bernard Cornwell einen Roman um die mysteriöse Steinformation in Südengland geschrieben, über die man immer noch nicht viel weiß. Wenig von seiner Geschichte ist belegt oder bewiesen, und so entspinnt er eine Geschichte um drei Brüder, die sich gegenseitig bekämpfen und doch mit dem Bau eines Tempels ein gemeinsames Ziel haben.

Cornwells Sprache ist flüssig und gut zu lesen und fesselt den Leser an den Roman. Die Beschreibungen der Zeit sind logisch und gut, mehr darüber zu sagen fällt schwer, denn es gibt ja keine Belege, wenngleich Cornwell in seinem aufschlussreichen Nachwort die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert und erklärt, was davon wie in seinen Roman eingeflossen ist.

Gerade die drei Brüder Lengar, Camaban und Saban sind dann auch die bestimmenden Figuren des Romans. Angelehnt an Sabans Geschichte, der schließlich für den Bau zuständig sein wird, wird der Leser in eine Zeit entführt, wo Zauberei und der Glaube an Götter und Flüche den Alltag bestimmten. Cornwell schafft es, sie unterschiedlich zu charakterisieren und somit die Fehde untereinander plausibel zu erklären und als Ausgangsbasis für eine Zeit zu nehmen, die alles veränderte, was die Menschen des Clans bislang erlebt hatten.

Starke Frauenfiguren

Gerade Camaban erinnert dabei gelegentlich an Catweazle, wie er nackt und als Zauberer durch die Gegend streunt, ungewaschen und ungepflegt und mit Ideen, die eigentlich nur einem Verrückten entspringen können. Camaban zieht im Hintergrund die Fäden, und das beinhaltet nicht nur die Übernahme des Clans nach Lengars Tod, sondern auch die Priesterschaft und somit die Macht über den Clan.

Die Frauenfiguren des Romans sind ebenso ungewöhnlich wie die drei Brüder. Derrewyn ist eigentlich Sabans Braut und wird von Lengar beansprucht, ehe sie von ihm flieht. Aurenna ist ein von den Göttern zurückgewiesenes Opfer und schließlich Sabans Frau, ehe sie als eigentlich Göttin ihren Weg macht. Diese beiden Frauen bestimmen die Hintergründe, zumal auch Derrewyn zur Zauberin wird und somit noch mehr Parteien als nur die drei Brüder gegeneinander arbeiten.

Allerdings ist nicht immer klar, wer hier mit wem gegen wen und warum arbeitet. Darin liegt wohl das Hauptmanko des Romans, dass einige Dinge doch leicht durcheinander geraten, allerdings nicht im Sinne von Überraschungen, sondern mehr im Sinne von Unordnung. manches wirkkalt doch sehr konstruiert und hat nicht den Charme und die Stärke, die man sonst von Cornwell gewöhnt ist. Allzu vieles läuft nebeneinander her und wird wieder hervorgeholt, statt es stringenter und konsequenter durchzuhalten.

Atmosphärische Löcher

Die Handlungsstränge geraten ebenfalls bisweilen etwas durcheinander und sind nicht so klar und verständlich, wie man es von Cornwell sonst gewohnt ist. Auch gibt es größere Zeitsprünge innerhalb weniger Zeilen, wie wenn es heisst "in den nächsten fünf Jahren schlugen sie achtzehn Steine" oder so ähnlich. Das schafft atmosphärische Löcher, in denen man sich fragt, ob denn wirklich nichts anderes im Bruder- und Dorfzwist passiert ist als dass man Steine behauen und transportiert hat. Hier geht Spannung verloren, die nachher nur mühsam wieder aufgebaut werden kann. Allerdings ist es natürlich schwer, über eine Zeit zu schreiben, aus der fast keine Belege existieren, so dass ein wenig Nachsicht durchaus angebracht ist.

Stonehenge von 1999 ist bestimmt nicht Cornwells grösster Wurf, lässt sich aber immer noch besser lesen als vieles andere, was den Buchmarkt historischer Romane überschwemmt. Das 15seitige Nachwort, das unbedingt auch gelesen werden sollte, rückt den Roman in den Fokus der Wissenschaft und erklärt, was aus dem Buch tatsächlich belegt ist, wenn auch nicht unbedingt für Stonehenge, sondern für ähnliche Tempelbauten oder Steinkreise. Karten der Siedlungen und Steinkreise erweitern das Verständnis für die Bauweisen. Letztlich bleibt ein Roman, der seine Schwächen hat, aber trotz allem gut erzählt ist und nicht nur lange Winterabende angenehmer zu ertragen erleichtert.

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